21.9.17

Krimi des Tages:
Totenblumen

Totenblumen

Von H.P. Karr




Das Grab war gemacht worden. Weiße Lilien lagen vor dem Grabstein.
    Eric Ritter 1979-2012
    Vivian legte ihren Blumenstrauß aufs Grab. Der Friedhof von Hüls vor den Toren von Krefeld lag still im Abendlicht. Ein leichter Herbstwind ließ die Blätter rascheln. Vor vier Wochen, als sie aus den USA zurückgekommen war, hatte sie zum ersten Mal festgestellt, dass Erics Grab gepflegt wurde.
    Von wem?
    Immer lagen weiße Lilien vor dem Grabstein. Totenblumen. Eric war damals um halb neun am Abend auf seiner Joggingstrecke am Hülser Berg von einem Wagen überrollt worden. Unfall mit Fahrerflucht, meinte die Polizei.
    Vivian war sicher, dass Eric ermordet worden war, doch Kommissar Brenner hatte sich scheinbar nicht um ihren Verdacht gekümmert. Dann hatte die Firma sie für ein Jahr in ihre Filiale in den USA geschickt. Sie hatte nichts dagegen, weil es nichts mehr gab, was sie in Krefeld hielt. Eric und sie hatten heiraten wollen - er war Forschungsleiter bei dem großen Konzern in Krefeld gewesen, bei dem Vivian als Fachübersetzerin arbeitete.
    Als die Frau im schwarzen Mantel auftauchte, zuckte sie zusammen. Helga! Die große, sportliche Blondine hatte einen Strauß Lilien dabei.
    »Hallo, Vivian!« Helga legte die Blumen aufs Grab.
    Vivian räusperte sich. »Warum bist du …«
    »Du weißt doch, dass Eric und ich uns sehr nahe gestanden haben«, sagte Helga kühl. Sie war mit Eric zusammengewesen, ehe er Vivian kennenlernte. Und Vivian erinnerte sich nur zu gut daran, wie Eric unter den Szenen gelitten hatte, die sie ihm bei der Trennung machte.
    »Aber sie muss sich damit abfinden«, hatte Eric ihr versichert. »Ich liebe nur dich, Vivian!«
    Es war still auf dem Friedhof. Außer einem Mann, der hinten am schmiedeeisernen Tor zur Tönisberger Straße stand, war niemand zu sehen.
    »Du verstehst doch, dass ich ihn nicht gehen lassen konnte«, sagte Helga. »Eric gehörte zu mir.«
    Ein entsetzlicher Gedanke schoss Vivian durch den Kopf. »Was sagst du da?« Helga lebte hier in Hüls, ganz in der Nähe von Erics Joggingstrecke. Und sie war eine leidenschaftliche Frau. Leidenschaft und Unbeherrschtheit lagen nah beieinander. Genau wie Liebe und Hass.
    »Sein Unfall …«, sagte Vivian. Plötzlich war ihr alles klar. »Du hast ...«
    »Ich hab ihn auf einmal vor mir gesehen, beim Joggen«, zischte Helga. »Es war dunkel, und ich hatte nur ausnahmsweise die Strecke genommen ...« Sie kicherte böse. »Wenn ich ihn nicht haben konnte - dann solltest du ihn auch nicht haben!«
    Der Mann vom Tor kam heran. Er trug eine Art Uniform.
    »Kommen Sie?«, sagte er zu Helga.
    »Sie ist eine Mörderin!«, schrie Vivian.
    »Ich weiß«, sagte der Mann. »Sie hat ihren Ex-Lebensgefährten überfahren. Es hat lange gedauert, bis Kommissar Brenner sie überführen konnte. Zehn Jahre hat sie bekommen. Und weil sie sich gut führt, hat der Direktor der Frauen-JVA Willich ihr einmal im Monat Ausgang gewährt. Damit sie das Grab pflegen kann.«
    Die Sonne verschwand. Es wurde plötzlich kalt auf dem Friedhof. 

H.P. Karr:
Totenblumen

auf einen blick Heft 29/2013
 © by aeb & Autor
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20.9.17

Krimi des Tages:
Moni plant das Superding



 Moni plant das Superding

 Von Ralph Petersen


»Du bist und bleibst eben ein kleines Licht!«, verkündet Moni. Der Wirt der Wattenscheider Bahnhofskneipe poliert betont unauffällig seine Biergläser. Oskar Schreitzmeyer scheint unter den harten Vorwürfen seiner Freundin, die neben ihm am Tresen steht, immer mehr zusammenzuschrumpfen. »Seit vier Wochen hast du kein einziges Ding mehr gedreht«, beschwert Moni sich jetzt. »Wovon sollen wir leben? Unser Geld geht zu Ende!«
     »Ich versuchss ja«, rechtfertigt Oskar sich, und wie immer, wenn er aufgeregt ist, lispelt er. »Aber esss geht eben immer etwass sschief! Außerdem hat Kommissar Kelsterhusen mich auf dem Kieker!«
     »Papperlapapp!« Moni fischt wütend die Tageszeitung hinter dem Tresen hervor. »Es wird Zeit, dass du etwas tust!« Sie tippt auf einen Polizeibericht. »Lies das!«
     »Zum fünften Mal schlug gestern der Jogging-Räuber zu«, liest Oskar. »Der Juwelenräuber bedrohte den Schmuckhändler Horst Brenner in seinem Laden am August Bebel-Platz mit einer Waffe und bat mit höflichen Worten um sämtlichen vorhandenen Schmuck. Der Räuber war mit einem froschgrünen Jogging-Anzug, einer roten Kappe und blauen Turnschuhen bekleidet und joggte nach dem Überfall durch den Stadtpark davon.«
     »Verstehst du?« Moni dämpft ihre Stimme. »Das ist unser Superding. Wir werden einfach die Masche dieses Jogging-Räubers nachmachen und einen Juwelier überfallen. Die Bullen werden denken, dass der Jogging-Räuber wieder am Werk war und sich gar nicht um dich und mich kümmern.«
     »Moni, du bisst genial!«, jubelt Oskar lispelnd. 
     »Schrei doch noch lauter!« faucht Moni. »Damit die Polizei es auch hört. Morgen fangen wir mit den Vorbereitungen an!«
     Drei Tage später betritt ein nervöser Mann in einem froschgrünen Jogginganzug, einer roten Kappe und blauen Turnschuhen den Laden des Juweliers Schreiner am Alten Markt. Der Jogger zieht sein Halstuch vor den Mund und holt dann eine Pistole aus seinem kleinen Sport-Rucksack. Er richtet die Waffe auf den vollkommen verblüfften Juwelier.
     Unter seiner roten Kappe schwitzt Oskar vor Angst und Nervosität. Er hat Mühe, die Waffe ruhig zu halten. »Bitte haben Ssie die Freundlichkeit und packen Ssie mir etwass Schmuck ein!«, sagt er. »Ssonst ssehe ich mich gezwungen, zu schießen!«
     Die feinen Sätze hat sich Moni ausgedacht und mit Oskar geübt.
     Der Juwelier beginnt langsam, den Schmuck aus den Vitrinen in Oskars Sportrucksack zu packen. Das klappt wie am Schnürchen! denkt Oskar. Moni hat eben immer noch die besten Ideen.
     Zu spät bemerkt er, dass der Juwelier den Alarmknopf an der Seite der Vitrine gedrückt hat. Eine Sirene heult los. Oskar holt aus und schlägt den Juwelier mit dem Kolben seines Pistole nieder. Schnell rafft noch ein paar Ringe zusammen und sucht das Weite.
     Eine halbe Stunde später steht Hauptkommissar Kelsterhusen in dem Juwelierladen und sieht der Spurensicherung bei ihrer Arbeit zu. »Herr Schreiner, der Juwelier, ist im Krankenhaus!« berichtet seine Kollegin Vicky Funk. »Er sagt, es sei der Jogging-Räuber gewesen.«
     »Das ist nun schon der sechste Überfall der auf sein Konto geht!«, knurrt Kelsterhusen.
     Einer der Beamten bringt ihm einen Metallkoffer. »Der stand in der Werkstatt! Ich denke, Sie sollten sich den Inhalt einmal genauer ansehen.« Kelsterhusen öffnet den Koffer. Darin liegen ein froschgrüner Jogginganzug, eine rote Kappe und blaue Turnschuhe. »Na sowas!«, sagt der Kommissar.
     Am Abend wird bei Oskar gefeiert. Moni wühlt mit glitzernden Augen in dem Schmuck. In ihrem Haar steckt ein Diadem, ein halbes Dutzend Perlenketten hängen an ihrem Hals und an jedem Finger stecken mindestens zwei Ringe. »Das hast du gut gemacht!«, lobt sie Oskar.
     Oskar fühlt sich geschmeichelt, als er auch noch einen Kuss bekommt. Vielleicht, denkt er, ist Moni heute Nacht noch so nett zu mir.
     Als es an der Tür pocht, schrecken die beiden zusammen. Ehe sie sich versehen, stürzen Kommissar Kelsterhusen und seine Kollegin Vicky Funck herein. Und schon klicken die Handschellen bei Oskar. Auch Monis Schmuckkollektion wird um ein paar Edelstahlarmbänder bereichert.
     »Da hast du dir ja ein tolles Ding geleistet!« sagt Kelsterhusen. »Schreiners Laden war nicht nur mit einer Alarmanlage, sondern auch mit einer Videokamera ausgestattet, die mit dem Alarm ausgelöst wurde. Auf dem Video bist du zwar nur undeutlich erkennen, aber dein Sprachfehler ist nicht zu überhören. Aber das Tollste ist, Oskar - du hast den Jogging-Räuber persönlich beraubt. Juwelier Schreiner war seit einiger Zeit in finanziellen Schwierigkeiten und raubte in dieser Verkleidung seine Kollegen aus, wie er uns inzwischen gestanden hat.«
     »Ich habss ja gessagt«, meint Oskar achselzuckend zu Moni. »Irgendwass geht immer sschief!«
     
Ralph Petersen:
Moni plant das Superding

Die neue Frau Heft 26/2013

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19.9.17

Krimi des Tages: Iny löst den Fall



Iny löst den Fall

Von Marek Stein


Arno Moll lächelte Iny Kremer an. »Ich brauche eine Rechtsanwältin.« Inys Kanzlei lag beim Bonner Stadthaus und die Miete war nicht gerade billig. Da kam ein Mandant wie Moll gerade recht. Der schöne Arno war Anlageberater. »Meine Sekretärin Vera Gerold ist vor einigen Tagen verschwunden«, sagte er. »Und jetzt hat man Veras Leiche gefunden. Man denkt, ich hätte sie umgebracht.«
    »Wir wollten Ihren Mandanten vorhin verhaften«, knurrte Kommissar Harras, als Iny ihm wenig später im Präsidium Molls Vollmacht zeigte. »Aber er war verschwunden! Sagen Sie mir, wo er ist!«
    Iny hob nur die Schultern. »Keine Ahnung.«
    »Moll fährt einen grünen Alfa Romeo«, sagte Harras. »Vera Gerold wohnte draußen in Tannenbusch. Ihre Nachbarin hat gesehen, dass sie am Samstag gegen 16 Uhr von einem Mann in einem solchen Wagen abgeholt wurde. Moll hat für diese Zeit kein Alibi.«
    »Aber warum sollte Moll seine Sekretärin umgebracht haben?« wollte Iny wissen.
    Der Kommissar lächelte knapp. »Weil wir seit Wochen wegen Betrugs gegen Moll ermitteln«, sagte er. »Und Vera Gerold wollte uns Informationen über seine Geschäfte geben.«
    Veras Nachbarin Mathilde Berger war 64 und ein »rheinisch Mädche«, wie sie versicherte, als sie mit Iny bei einer Tasse Kaffee und einem Gläschen Eierlikör zusammensaß.
    »Hatte Vera einen Freund?«, fragte Iny.
    »Na, den Herrn Urbach«, sprudelte es aus Mathilde heraus. »Kein anjenehmer Meensch. Autoverkäufer, verstehste?«
    »Und wer hat die Vera am Samstag in dem jrünen Auto abjeholt?«, bohrte Iny. »Erinner disch, Mathilde!«
    »Dat war so 'n Ausländer«, meinte Mathilde. »Denn der hat so 'n rotes Nummernschild am Wagen jehabt.«
    Der Chef des Autohauses, den Iny kurz darauf befragte, sagte: »Herr Urbach ist seit Montag krankgemeldet.« Es war das siebte Autohaus in Bonn, in dem sich Iny nach Veras Freund erkundigte.
    Iny musterte den grünen Alfa Romeo im Verkaufsraum. Dann holte sie hr Handy heraus und rief die Polizei.
    »Wir haben Urbach gefasst,« sagte Kommissar Harras am nächsten Nachmittag. »Er hat gestanden, Vera getötet zu haben. Er hatte sich den grünen Alfa Romeo mit dem roten Versicherungskennzeichen im Autohaus ausgeliehen.«
    »Es war reiner Zufall, dass Urbach sich einen Wagen lieh, der Molls Auto glich«, sagte Iny. »Warum hat er Vera umgebracht?«
    »Sie hatten Streit, er war eifersüchtig, und dann sind ihm die Sicherungen durchgebrannt«, meinte Harras achselzuckend. »Wat wellste maache!«
    Am nächsten Tag begleitete Iny ihren Mandanten Arno Moll zu Kommissar Harras. Nachdem er seine Ausssage im Fall Vera Gerold unterschrieben hatte, stand Moll auf. »Das war's dann ja wohl!«
    »Nun ja«, meinte Harras. »Der Mordverdacht ist zwar aus der Welt. Aber dafür haben wir in Veras Wohnung die Beweise für Ihre Betrügereien gefunden, die sie uns geben wollte. Deswegen sind Sie jetzt erst mal verhaftet, Herr Moll.«
    Iny starrte Harras an. Der zuckte mit den Schultern. »Wenn man einen Verbrecher schon mal vor sich hat, muss man seine Chance nutzen. Sie wissen ja: Et is, wie et is!«



Marek Stein:
Iny löst den Fall

auf einen blick Heft 26/2013
© aeb & Autor
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14.9.17

Ria Klug
Vollpfostenfango




Vollpfosten in Aktion
Torsten Hantsch ist wieder da. Nach dem "Vollpfostentango" auf Amrun kommt er mit dem Auslöser des Dilemmas - einem Feuerlöscher mit zehn Kilo Kokain, zurück ins heimische Bad Grunz. Und strauchelt sofort in ein neues Chaos.
Schnell liegt im "Vollpfostenfango" von Ria Klug  der Chef  der Kurverwaltung tot in Torstens Keller, haben sich die dauerbekifften Geschwister Malte und Anna aus dem Nachbargarten den Koks-Feuerlöscher geschnappt und versucht die Polizei penetrant weiter, Torsten etwas wegen der Drogen anzuhängen.
Das ist wieder Krimi hart an der Grenze zur Farce, detailreich in allen Spielarten der Komik durchgespielt. Vom spitzfindigen Kalauer über fixe Comedy-Dialoge bis zum absurden Slapstick jagt Ria Klug ihren tragi-komischen Helden wieder bis an die Grenze seiner Leidensfähigkeit. Und da alles zum Vergnügen der Leser.    rja
Perfekte Comedy (Vier Sterne)
Ria Klug:
Vollpfostenfango
Grafit, 189 Seiten,

WAZ / Funke-Medien
14.09.2017

13.9.17

Christa Bernuth
Die Nacht in dir



Der Mörder in dir
Ein Mörder als Ermittler – das ist eine gewagte Ausgangssituation, die Christa Bernuth für ihren aktuellen Thriller "Die Nacht in dir" wählt. Lukas Salfeld hat einmal ein Mädchen getötet und wurde dafür verurteilt. Jetzt ist er wieder frei – unter engmaschiger Beobachtung von Psychologen und Polizei. Als es in einem Nobelinternat zu seltsamen Schülerselbstmorden kommt, hält Kommissarin Sina Rastegar es für eine gute Idee, Salfeld undercover als Hausmeister in die Schule einzuschleusen. Was der labile Amateur-Profiler bei seinen Ermittlungen herausfindet, liegt jenseits aller Vorstellungen, die sich die Kommissarin je gemacht hat. Und es rührt zugleich an Salfelds niederste Instinkte. Souverän werden die in dem exquisiten Psychothriller die zahlreichen Handlungsstränge miteinander verwoben und das Spannungspotential bis zum Anschlag ausgeschöpft. Das Ergebnis spielt in der selben Liga mit den aktuellen Superthrillern aus Skandinavien oder England.   rja
Nervenkitzel pur (fünf Sterne)

Christa Bernuth:
Die Nacht in dir
dtv, 416 Seiten

Edgar Franzmann
68



Revoluzzer am Rhein
In einer Kölner Kleinkunstbühne feiert eine Clique Alt-68er in den 68sten Geburtstag von Paul Rubin hinein – als dessen Torte explodiert und sich ein  Napalm-Feuer ausbreitet. Doch der Tote, den man später findet, wurde nicht Opfer der Flammen – er ist bereits vorher ermordet worden.
Was steckt dahinter? Linker oder rechter Terror? Alte Rechnungen oder aktuelle Auseinandersetzungen? Georg Rubin, Bouelvardreporter und Sohn des Geburstagskindes gerät mitten in die Ermittlungen. Als sein Vertrauter bei der Polizei kaltgestellt wird, hat er schon dessen diskreten Auftrag angenommen: Unter den Alt-68ern im Umfeld seines Vaters zu ermitteln, wer für die Tat in Frage käme. Und dann brennt plötzlich ein Kaufhaus in der Kölner City – genau wie damals.
Alte Kämpfe, neue Karrieren – was wurde aus den 68er-Rebellen, wie haben sie sich arrangiert? Edgar Franzmann, intimer Köln Kenner und Ex-Journalist liefert in seinem Roman "68" viel kölsches Kolorit und ein mit Sorgfalt gezeichnetes Portrait der Revoluzzer-Generation.      rja
Zeitgeistig (Vier Sterne)

Edgar Franzmann:
68
Emons, 272 Seiten

12.9.17

Crime Cologne Award 2017 - Shortlist

Pressekonferenz zur Crime Cologne und zum Crime Cologne Award.
Vom 25. September bis zum 1. Oktober 2017 findet in Köln die sechste Auflage des Krimifestivals »Crime Cologne« statt.

Pressekonferenz Crime Cologne 12.9.2017  Foto: Jahn

Unter anderem sind dabei: Ingrid Noll, Deon Meyer mit seiner deutschen Stimme Peter Lohmeyer, Arne Dahl  dem als deutsche Stimme Gerd Köster zur Seite steht, Martin Walker – auf deutsch gelesen von Roland Silbernagl, Volker Kutscher, der selbst mit seiner deutschen Stimme liest, genau wie auch Andreas Pflüger, Max Annas– und noch viele mehr.


Shortlist Crime Cologne Award 2017   Foto: Jahn
Auf der Shortlist zum Crime Cologne Award stehen in diesem Jahr - wie Jurysprecherin Antje Deistler​ (links im Bild) bekannt gab - in alphabetischer Reihenfolge :
-Max Annas: Illegal
- Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
- Gregor Weber​: Asphaltseele
Einen Sonderpreis der Jury gibt es für Friedrich Ani​ für seine "herausragenden Leistungen und seine Verdienste um den deutschen Kriminalroman."
Die Jury des Crime Cologne Award bestand aus:
Antje Deistler, Melanie Raabe​, Margarete von Schwarzkopf, Orkun Ertener und Klaus Bittner

11.9.17

Sven Heuchert
Dunkels Gesetz



Dunkles Debüt
Irgendwo im Rheinland, ein Steinbruch. Richard Dunkel, Ex-Söldner, Sicherheitsmann, soll die Anlage bewachen, weil es in der Gegend ein Verbrechen gegeben hat. Im nahen, gottverlassenen Ort Altglück, versucht unterdessen Tankstellenbesitzer Achim mit dem schmierigen Drogendealer Falco ins Geschäft zu kommen.
Verlierer allesamt, die Sven Heuchert in seinem grandiosen Debüt Dunkels Gesetz ins Rennen schickt.. In einer Landschaft, die ansonsten dreist nach belanglosem "Regionalkrimi" schreit, siedelt er sein schwarzes Existenzialisten-Drama an. Nur knapp 200 Seiten lang, aber mit sprachlicher Wucht und Finesse erzählt, die die meisten der üblichen deutschen Krimi-Verdächtigen nicht zustande bringen. Die düstere Provinzgeschichte von verlorenen Träumen, Gewalt und Tod ist bislang eindeutig der stärkste deutsche Krimi des Jahres.      rja
Schwarz und gut (fünf Sterne)
Sven Heuchert:
Dunkels Gesetz
Ullstein, 192 Seiten

 
NRZ / WAZ / Funke-Medien
11.09.2017

8.9.17

Sam Bourne
Der Präsident



Präsident außer Kontrolle
Der neue US-Präsident ist kaum im Amt, da verlangt er auch schon aus reiner Verärgerung die Atomcodes für den Erstschlag gegen Nordkorea. Nur mit Mühe kann sein Stabschef ihn daran hindern, Pjöngjang in Schutt und Asche zu legen. "Der Präsident", den Sam Bourne in seinem Thriller zeichnet, ist mit seiner Egomanie und seinen erratischen Verhalten sicher nicht zufällig eine Blaupause des aktuellen US-Machthabers. Was man von dem Komplott, das sein Stabschef gemeinsam mit dem Verteidigungsminister schmiedet, nicht zu hoffen wagt. Die beiden planen nicht mehr und nicht weniger als den Königsmord, um zu verhindern, dass der erste Mann im Staat die Nation und die Welt in Verderben stürzt.
Die mit ihren thrillerhaften Wendungen eher grob geschnitzte Mischung aus "House of Cards" und "Game of Thrones" sollte man eher als durchgeknallte Politsatire lesen – denn nur so funktioniert sie.      rja
Hauruck-Politthriller (zwei Sterne)
Sam Bourne:
Der Präsident
Bastei-Lübbe, 480 Seiten

NRZ / WAZ / Funke-Medien
8.9.2017

5.9.17

Anne Chaplet
In tiefen Schluchten



Cevennen-Krimi
Mit ihren zeitkritischen Romanen um die Frankfurter Staatsanwältin Karen Stark hat sich Anne Chaplet einen Stammplatz an der Spitze der deutschen Krimiszene erschrieben. Jetzt kommt ihr aktueller Krimi im stimmungsvollen Urlaubsdesign daher. "In tiefen Schluchten" präsentiert uns zudem eine neue Heldin: Viktoria "Tori" Godon, 42, Ex-Anwältin als Frankfurt, frisch verwitwet, hat sich in die wilde Landschaft des Vivarais am Fuße der Cevennen zurückgezogen, um zur Ruhe zu kommen. Dabei gerät sie eher beiläufig in einen ungewöhnlichen Kriminalfall um einen verschwundenen holländischen Höhlenforscher und die schwere historische Hypothek des beschaulichen Urlaubsortes. Dieses Ambiente kann niemand so farbig und lebensprall, so charmant und voller Empathie für die wilde Landschaft und ihre Menschen beschreiben wie die Wahlfranzösin Anne Chaplet.  rja

Urlaubskrimi mit Niveau (Vier Sterne)
Anne Chaplet:
In tiefen Schluchten
KiWi, 320 Seiten, 

NRZ / WAZ / Funke Medien 2.9.2017

WAZ / NRZ / Funke-Medien
2.9.2017

4.9.17

Krimi der Woche
Geständnis im Knast


Ein Fall für Vicky Kant:

Geständnis im Knast

Von H.P. Karr


Der Gefängnisdirektor empfing Rechtsanwältin Vicky Kant an der Pforte der Haftanstalt. »Marek wartet in der Besuchszelle.«
Henry Marek war ein schmächtiger Mann, kaum 1,65 Meter groß.
  »Ich möchte ein Geständnis ablegen«, sagte er. »Ich habe Heinz Koester ermordet!«
  Vicky war überrascht. Der kleine Mann saß wegen Unterschlagung. Vor einem Jahr hatte sie ihn verteidigt, weil er in seiner Firma 250.000 Euro abgezweigt hatte.
  »Wegen des Mordes an Heinz Koester wurde Edwin Gering verurteilt«, sagte Vicky. »Der sitzt doch auch hier, oder?«
  »Wir haben uns ein halbes Jahr eine Zelle geteilt«, sagte Marek.  »Ich will nicht, dass ein Unschuldiger im Gefängnis sitzt.«
  »Gering war der Geschäftspartner des toten Koester«, erinnerte sich Vicky. »Koester war der ›King of the City‹, nicht nur weil ihm sechs Clubs gehörten, sondern auch, weil er mit seinen 180 Kilo eine beeindruckende Erscheinung war. Woher haben Sie denn den ›King‹ gekannt?«
  Marek rutschte auf seinem Stuhl herum. »Ich habe in seinen Clubs gespielt. Koester wusste, dass ich das Geld unterschlagen hatte. Damit erpresste er mich. Deshalb bin ich vor drei Jahren in der Nacht vom 28. auf den 29. August zu Koesters Villa gefahren. Es war gegen 23 Uhr. Niemand hat mich gesehen. Er bat mich nach oben in sein Arbeitszimmer ...« Marek schöpfte Atem. »Dort habe ich ihn erschossen. Danach habe ich Koesters Leiche nach unten geschleppt und im Garten vergraben, wo man sie später gefunden hat.«
  Vicky sah den kleinen Mann zweifelnd an. »Überschlafen Sie Ihr Geständnis besser noch einmal eine Nacht!«, sagte sie.
  Der Gefängnisdirektor persönlich brachte Vicky über den Hof zurück. Im Hof zog ein bulliger Kerl seine Joggingrunden. »Edwin Gering!«, sagte der Direktor. »Marek war mit ihm in einer Zelle, bis er seine Diagnose bekam: Krebs. Marek hat nur noch drei Monate zu leben.«
  Vicky seufzte. »Deshalb will er jetzt Gerings Mord auf sich nehmen - damit Gering freikommt. Von Gering kennt er die Einzelheiten, deshalb klang sein Geständnis auch ganz überzeugend.«
  »Aber?«, fragte der Direktor.
  Vicky deutete auf dem massigen Gering. »Der tote Koester war 180 Kilo schwer und sehr groß. Man nannte ihn ja nicht umsonst den ›King‹. Für einen schmächtigen Kerl wie Marek mit seinen kaum 65 Kilo wäre es unmöglich gewesen, Koesters Leiche aus der Villa und durch den Garten zu schleppen.«
  »Dann ist Marek also kein Mörder?«
  »Nein«, sagte Vicky. »Bloß ist es komisch, dass ich in diesem Fall ihn davon überzeugen muss und nicht das Gericht.«

H.P. Karr: Geständnis im Knast
BNN 24/2017 © Autor

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