26.6.17

Aus dem Krimi-Archiv: Schach, Mister Cord!



George Griswold: Schach, Mr. Cord!

München: List Taschenbuch 202, 1961
»The Pinned Man«, Deutsch von Magda E. Larssen



Ein Spionageroman aus dem Kalten Krieg, der darüberhinaus auch noch (nach dem ersten Eindruck) vollständig in der Schweiz spielt (und sogar mit einer Figur namens "Franz Studer" aufwartet).
Auf dem hinteren Cover eins der zu jener Zeit üblichen Testimonials "pro Krimi", hier von Wolfgang Weyrauch (1904 – 1980, Schauspieler, Autor, Hörspielautor, Kritiker, Lektor bei Rowohlt).
Er zieht erst mal die "bekannten" Promi-Leser von Krimis heran: Bismarck, Woodrow Wilson, Hemingway, um dann eine Lanze für die aktuellen Krimis (Poe, Christie, Chandler) zu brechen um sich dabei mit dem üblichen Schreibfehler beim Namen von Dashiell Hammett als Krimi-Blindgänger zu outen.

Klappentext: In diesem Spionageroman ist der Gejagte selbst der Jäger und der eigentliche Mr. Cord mattgesetzt, bevor er »Schach!« auch nur rufen hört; unter seinem Namen und mit seinen Parolen versehen schleicht sich der verwegene Detektiv Pepper in den gegnerischen Geheimdienst ein.
Und es beginnt eine aufregende Fernschachpartie von Spionage und Gegenspionage, bei dme die Schweiz das Schachbrett ist.
Einem ganzen Ensemble undurchsichtiger scheinbarer Dutzendmenschen mit sehr genau verteilten Rollen sieht sich der unerschrockene Detektiv Pepper mehr und mehr ausgeliefert, und seine Chancen, heil davonzukommen und darüber hinaus wertvolle Informationen einzubringen, scheinen eins zu hundert zu stehen, zumal schon zwei seiner Helfer als Opfer auf der Strecke geblieben sind.
 

Freispruch für Leser von Kriminalromanen
 Die Zeiten sind längst vorbei, daß man die Detektive in der Literatur mißachtete. Es war in wohl auch recht töricht, denn bedeutende Geister, die mit der Seele des Menschen Bescheid wußten, haben sich schon immer positiv zu den Kriminalgeschichten verhalten. Entweder haben sie selbst welche geschrieben, wie Dickens, Schiller, Fontane oder Ricarda Huch, oder sie haben sie doch leidenschaftlich gern gelesen, wie Bismarck, der amerikanische Präsident Woodrow Wilson, Gide und Hemingway. Inzwischen aber ist aus dem Vergnügen an den detektivischen Elementen, an Mord, Alibi, Spur und Entlarvung des Täters, geradezu ein Bedürfnis geworden - ein Bedürfnis, das auf das Vergnügen zu verzichten nicht gesonnen ist.
Die Leser von heute wittern im Kriminalroman mehr als eine amüsante Dreingabe zum Alltag, mehr als ein Rätsel oder ein Zauberkunststück. Da kaum noch Abenteuerromane veröffentlicht werden, greifen die Rechtsanwälte und kaufmännischen Angestellten, die Hausfrauen und Ärztinnen zu den Kriminalromanen. Darin finden sie die Auseinandersetzung zwischen Unrecht und Recht, die sie in ihrem eigenen Leben und in den allgemeinen Zusammenhängen unablässig beobachten, literarisch gespiegelt. Und siehe da, und Gott sei Dank, ist es in den Kriminelromanen anders als in der Wirklichkeit: in den Detektivbüchern von Poe, Conan Doyle und Chesterton über Wallace, Agatha Christie und Queen bis zu Chandler, Gardner, Hammet und Simenon siegt der gute Held, der Detektiv, siegt des Gute.
Am Ende eines jeden Kriminalromans, der so ist, wie es sich gehört, wird die Ordnung, die durch den Verbrecher gestört war, wiederhergestellt. Die Welt ist, wenigstens in diesem Fall, gereinigt, und der Leser, der sich wie in kaum einer anderen literarischen Kategorie mit dem Helden identifiziert, hat bei der Suche noch der Wahrheit, bei der Befreiung vom Entsetzen selbst mitgewirkt.
Wolfgang Weyrauch


Die Schachspiel-Metaphorik des Titels und des Klappentextes ist wohl von dem Cover des US-Ausgabe inspiriert.
»The pinned Man« von George Griswold alias Robert George DEAN, erschien 1955.
R.G. Dean (?? – 1989) war ein amerikanischer Journalist, der im Zweiten Weltkrieg als Fahrer bei den Sanitätern gedient hatte. Das Pseudonym »George Griswold« benutzte er für seine vier Spionageromane, »that still have a certain fan following. A character known as Mr. Groode, a shadowy British spymaster, figures in all four novels.«