23.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
23. Dezember

Die Shortcuts für den 23. Dezember


XXXmas


Shortcuts von H.P. Karr

1
Das erste zaghafte Pulsen der innerstädtischen Verkehrsadern kündigt das Erwachen der Metropole an. Gedankenverloren huschen Vorortzüge durch den anbrechenden Tag. Blinzelnd verlöschen die letzten Straßenlaternen. In der Fußgängerzone vereinsamt ein Christbaum. Lametta verflattert in der der Morgenbrise. Ein Hauch von Schnee liegt in der Luft.
»Weihnachten!«, schweigen die Zeitungen. »Und Frieden auf Erden«, verspricht das Frühsstücksfernsehen. Auf der Treppe zum Bahnhofsklo spritzt sich das Christkind die Tagesration.


2
Sie holten den zweiten Kasten aus dem Kofferraum. Der Schaum schoß aus den Flaschenhälsen. Kalle war schon hinüber und Bernie kurz vorm Austicken. Um den Weihnachtsbaum am Eingang zur Fußgängerzone kam ein Streifenwagen heran.
»Geil!«, brüllte Bernie und schmiß die Flasche genau in die Windschutzscheibe. Der Kaufhausweihnachtsmann ging in Deckung.
Bremsen. Türen klappten. Zwei Grüne.
»Frohe Weihnachten!« Bernie schmiss die nächste Flasche.
Bier auf Blond. Blut auf Grün.
»Stehenbleiben!«, brüllte der andere Grüne.
Kalle mit der nächsten Flasche. Wie er den Arm hochriss.
Die Augen blutunterlaufen.
Etwas Schwarzes in der Hand des Grünen.
Es knallte.
Kalle am Boden. Augen aufgerissen. Blutfaden aus dem Mundwinkel. »Endkrass...«


3
Es war ein gutes Fernglas. Maximale Leistung zu einem vernünftigen Preis. Bei der Adventsauktion bei Ebay.
Bis auf ein halbes Dutzend Fenster war im Turm drüben alles dunkel. Bei der Langhaarigen flackerten die Elektrokerzen am Plastiktannenbaum, der alte Mann nebenan schlief und die beiden schwulen Studenten spielten Nikolaus und Knecht Ruprecht in Latex.
Er kehrte zurück zur Langhaarigen. Sie lag auf der Couch. Volle Brüste, lange Beine. Er seufzte und löste den Gürtel seines Bademantels.

4
Das leise Schnarren des Telefons riß ihn aus dem ersten Schlaf. Während er noch mit der Hand nach dem Hörer tastete, spürte er, wie sich das Zittern aus der Magengrube in immer stärker werdenden Wellen den Weg bahnte in die Brust.
»Nein!«, dachte er und zog die Hand vom Hörer zurück.
Nein, es konnte kein Fehler gewesen sein. Die 100000, von dem Typen, im Hinterzimmer des Cafés. Für gute Zinsen. Kein Fehler im Plan, erst der Laden, dann die Gäste, dann die große Kohle.
Wieder das leise Schnarren des Telefons.
Es konnte doch nicht sein, dass das alles verkehrt gewesen war, Dass der Vermieter ihn abgezockt hatte, dass die Gäste nicht gekommen waren, dass alle nur Kohle wollten.
Besonders der Kerl aus dem Hinterzimmer. Mit Zinsen. Ende der Woche. Sonst... eine Hand glitt über einen Kehlkopf.
Das leise Schnarren des Telefons.
Er bekam auf einmal keine Luft mehr.


5
Er stand am Fenster und starrte hinaus auf die glitzernden Lichtpunkt auf der anderen Seite des Tales. Er hörte sich reden. Im Magen das Gefühl, das er hasste, weil es ihn schwach und hilflos machte.
Sie saß auf der Couch und drehte das Glas mit dem Rest Blanc de blanc in den Händen, während der Terrier unter der Couch im Traum einen Hasen jagte.
»Du verstehst mich nicht«, sagte sie.
Er sagte nichts.
»Du willst mich einfach nicht verstehen!«, sagte sie.
Er sagte nichts.
Sie sah ihn an.
Er hasste Hundeaugen.
Er legte die Hände um ihren Hals. Nichts mehr hören. Nichts mehr denken.
Der Terrier unter der Couch zuckte.
Keine Hundeaugen mehr.


6
Als sie durch den Rauch schon bald die Karten nicht mehr sehen konnten, machte einer das Fenster auf. Draußen im Hof stank ein halbes Dutzend Mülltonnen. Die kühle Luft weckte neue Lebensgeister. Schnee lag in der Luft. In der Ferne bimmelte ein Kaufhaus-Weihnachtsmann mit seiner Glocke. »Ho-Ho-Ho!«
Der Geber riss ein neues Kartenpäckchen auf und mischte. Ließ abheben und verteilte. Augenbrauen wanderten in die Höhe.
»Ho-Ho-Ho«
Lissy brachte von vorn eine neue Runde. Whisky auf Eis. Den Aschenbecher neben dem vertrockneten Weihnachtsgesteck leerte niemand. Aber einer machte das Fenster zu.


7
John Wayne hat sein Gewehr geschultert und geht langsam über die nachtdunkle Straße. Der feuchte Asphalt glänzt in den Lichtinseln der Laternen. Irgendwo kreischen Bremsen.
James Dean klappt den Kragen seines Kamelhaarmantels hoch, die Hände gleiten in die Taschen, er zieht die Schultern etwas hoch.
Regen liegt in der Luft. Dampf aus den Kanalschächten. Lichtaureolen um die Laternen.
Als sie ersten Regentropfen fallen, nimmt John Wayne das Gewehr von der Schulter, und Gene Kelly spannt mit einem Lächeln den Schirm auf.
Über die Dächer gleitet Rudolph das Rentier mit Santa Claus im Schlitten.


8
Nicht bewegen. Liegen bleiben. Da kann einiges kaputtsein, ohne dass man es merkt. Das Kostüm ist natürlich hin. Sie sind einer von diesen Studentenweihnachtsmännern, ja?
Seien Sie froh, dass ich stehen geblieben bin. Ich bin einer von denen, die stehen bleiben. Man muss ja wissen, was passiert ist, nicht wahr?
Wie Sie da liegen, in dem ganzen Blut! Wo kommt das her? Alles aus dem Hinterkopf? Geht das bis auf den Knochen?
Der Wagen hat Sie ja voll mitgenommen. Und einfach weitergerast. Ein Notarzt wär jetzt ganz gut, oder? Irgend jemand müsste mal anrufen. Aber so sind die Leute - da macht keiner einen Finger krumm.
He? Sind Sie tot? Ich hab noch keinen richtigen Toten gesehn. He… am besten Sie bleiben liegen. Und machen Sie sich keine Sorgen. Ich bin ja bei Ihnen.

ENDE


© bei Autor/Jahn facts&fiction

22.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
22. Dezember

Der Krimi für den 22. Dezember - Kaufrausch im Kaufhaus  


Operation Stutenkerl


Eine Weihnachtgeschichte  von   Karr&Wehner

Der Security-Dispatcher schob die Wiener Sängerknaben in den Kassettenschacht und ließ »Süßer die Glocken nie klingen« durch die Hausanlage rieseln. Auf seinen Monitoren in der Sicherheitszentrale hatte er fast die ganze Filiale im Blick. Vor dem Fahrstuhl auf der Verwaltungsetage starrte der Werbeleiter auf das Schild am Lift: AUSSER BETRIEB. Der Chef sah auf seinem Plan nach. Die Fahrstuhlmonteure waren für 13 Uhr bestellt. Um 14 Uhr sollte jemand von der Reinigung die Kostüme der beiden Weihnachtsmänner abholen, die gestern die Kinder beschenkt hatten. Die Kostüme lagen im Sozialraum für die Putzkolonnen. Der Monitor für den Raum war schwarz, seitdem die Putzen die Kameralinse mit Autolack zugesprüht hatten.
   Links neben den Monitoren war die letzte »Mitteilung der Konzernleitung« ans Magnetbrett gepinnt: An alle Abteilungen. Auf Grund der wirtschaftlichen Lage...«   
                                 * * *
 »...können wir in diesem Jahr keine Weihnachtsgrafikation zahlen!« Die kleine Rothaarige in der Buchhaltung pappte muffig den Wochenspeiseplan neben den Aushang am Pinnbrett.
    Ihre ältere Kollegin rechnete die Einnahmen aus dem ersten Kassendurchgang zusammen. Ein Lederbeutel mit Geld lag im offenen Panzerschrank. Über der Tür blinkte die Überwachungskamera. Die Kollegin schob das Formular zum Gegenzeichnen über den Tisch.
    »Wie viel?«, fragte der Hauptbuchhalter.
    »Mindestens drei Monate Karibik für uns alle.«
    Die kleine Rothaarige vergaß für eine Sekunde, ihre Fingernägel weiter schwarz zu lackieren.
                                    * * *   
Der Christengel behielt die Kids an den CD-Stapeln im Auge. Noch zwei Ladendiebe, und sie hätte ihr Wochensoll erreicht. Mit etwas Glück schaffte sie sogar den Schlitzer aus der Damenoberbekleidung. Dann war die Prämie fällig. Der Schaden, den der Typ mit seinem Rasiermesser angerichtet hatte, war mittlerweile fünfstellig.
    Drüben bei den Schreibwaren stand Balthasar; Caspar kontrollierte die Parfümerie. Melchior, der schwarze Aushilfsdetektiv, achtete darauf, ob die Aushilfskassiererinnen Schmugeld machten. Seit der Mitteilung der Konzernleitung letzte Woche war die Stimmung auf dem Nullpunkt. Der Christengel rückte sein Silberhaar zurecht und steuerte den Lift an. AUSSER BETRIEB. Fluchend nahm sie die Rolltreppe. Ihr Umhang mit den Engelflügeln flatterte. Wenn schon kein Weihnachtsgeld, dann wenigstens die Prämie für den Schlitzer.   
                               * * *
Der Security-Dispatcher ließ sich zur Mittagspause nur einen Stutenkerl aus dem Bistro hochschicken. Auf dem Monitor für die Buchhaltung legte der Hauptbuchhalter die Beine hoch. Seine beiden Kolleginnen waren noch zu Tisch. Auf dem Monitor von Eingang C kamen die Fahrstuhlmonteure an.
                                    * * *
Der Christengel behielt den Weihnachtsmann im Auge. Seit drei Minuten stand er neben dem Display für das Xmas-Invaders-Computerspiel an der Gondel mit den Spielzeugpistolen. Die roten Bäckchen seiner Gesichtsmaske glänzten. Der Christengel holte vorsichtshalber ihre Handschellen aus dem silberbestickten Handtäschchen. Der Weihnachtsmann drehte sich um und stiefelte zur Personaltür neben dem Fahrstuhl.
                                * * *
Dem Security-Dispatcher blieb sein Stutenkerl um Hals stecken. Auf dem Buchhaltungsmonitor hielt ein Weihnachtsmann dem Hauptbuchhalter eine großkalbrige Knarre an den Kopf. Ein zweiter Weihnachtsmann zerrte den Geldbeutel aus dem Tresor. Der erste Weihnachtsmann zwang den Hauptbuchhalter, ein Blatt in die Kamera zu halten. »Überfall!«, las der Dispatcher. »Kein Alarm! Sonst Bombe!«
   
                                    * * *    
 Der Weihnachtsmann hielt ein Päckchen hoch, an dem ein Reisewecker aus der Aktionsware »Zeit für's Christkind« befestigt war. Unterdessen verschnürte der kleinere Weihnachtsmann den Hauptbuchhalter mit einer Rolle Paketklebeband. Die Weihnachtsmänner verschwanden vom Buchhaltungsmonitor und tauchten auf dem Gang-Monitor auf. Der Chef zögerte, dann griff er zum seinem Mikrofon.
                                  * * *
 Das war er. Der Christengel behielt den Schlitzer im Auge. Eine Bolerojacke für 756 Euro hatte er schon geschlitzt. Der Typ mit der roten Bommel-Mütze umkreiste den Ständer mit den Abendkleidern. Das Rasiermesser blitzte. Der Christengel schwang die Handschellen. »Stehenbleiben, Sicherheitsdienst!«
    Der Schlitzer wirbelte herum und schlitzte dabei den Umhang des Christengels. Dann stürzte er zu den Fahrstühlen.

                                    * * *     »An alle«, knackte es im Ohr des Christengels. »Zwei Weihnachtsmänner. Aufhalten. Vorsicht, bewaffnet.«
    Der Schlitzer war vor dem Fahrstuhl, als die beiden Weihnachtsmänner aus der Tür zum Treppenhaus stürzten und das AUSSER BETRIEB-Schild  umrissen.

                                    * * *    »Stehenbleiben!« Dem Christengel brach der Schweiß aus. »Alle drei.«
    Der dickere Weihnachtsmann riss eine Pistole hoch. Der Schlitzer brüllte »Ihr kriegt mich nicht!«, wirbelte mit dem Rasiermesser herum und schlitzte den Ledersack auf, den der kleine Weihnachtsmann vor seiner Brust festhielt. Neben ihm ging die Fahrstuhltür auf und der Schlitzer stürzte los.
 
                                    * * *     Während der Christengel noch dem langen Schrei des Schlitzers aus dem Fahrstuhlschacht nachlauschte, wurde ihm klar, warum ihm die Pistole des dicken Weihnachtsmannes so bekannt vorkam: es war die Spykiller, die sie bei den Spielwaren für 9,95 verkauften.
    Aus dem Treppenhaus japsten Caspar, Melchior und Balthasar heraus; die Weihnachtsmänner rasten in Richtung Rolltreppe. Der dicke Weihnachtsmann stolperte und segelte zwischen den Kunden kopfüber die Stufen hinunter. Der Kleine geriet mit dem Mantel in die Stufen und wurde zu Boden gerissen. Der Lederbeutel schlug auf die Balustrade, der Schlitz des Schlitzers verbreiterte sich und dann flatterten Geldscheine durch alle Etagen des Hauses.   
                                 * * *   
Endlich hatte der Hauptbuchhalter sich ausgewickelt. Verwirrt starrte er auf den abgebrochenen schwarzen Fingernagel am Ende des Paketklebebandes. Der Reisewecker am Bombenpäckchen klickte und spielte »Stille Nacht!«   
                                 * * *   
Der Security-Dispatcher stöhnte. Auf den Monitoren balgten sich Kunden um die Geldscheine. Er fegte den halbgegessenen Stutenkerl vom Tisch, als er nach dem Mikrofon griff und sich auf die Hausanlage schaltete. Eine Sekunde starrte er auf die Mitteilung der Konzernleitung neben den Monitoren. »Verehrte Kunden, weil es heißt, dass Weihnachten vom Einzelhandel immer mehr kommerzialisiert wird, haben wir beschlossen, ein Zeichen zu setzen. Nicht nur, dass unsere Mitarbeiter keine Weihnachtsgratifikation erhalten - wir beweisen hier und jetzt: Geld bedeutet uns nicht alles.«
    Dann stellte er die Wiener Sängerknaben wieder an, nahm die Mitteilung der Konzernleitung ab und wickelte den Rest seines Stutenkerls darin ein.
   
                           *** E N D E ***


   
Karr & Wehner, geboren 1955 und 1949 in Saalfeld und Werdohl, leben im Ruhrgebiet und schrieben bisher zahlreiche Storys, Hörspiele und die »Gonzo«-Thriller »Geierfrühling«, »Rattensommer«, »Hühnerherbst« und »Bullenwinter«. 1996 erhielten sie den Friedrich-Glauser-Preis für den besten Krimi des Jahres und 2000 den Literaturpreis Ruhrgebiet.  www.karr-wehner.de
   
       


Karr&Wehner:
Operation Stutenkerl
aus: Eiskalt unterm Tannenbaum, hg von Ina Coelen
Krefeld: Leprello 2011
© bei den Autoren/Jahn facts&fiction

21.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
21. Dezember

Das aktuelle Krimi-Ranking - die vier besten Schachkrimis

Platz 4
Tödliches Schach
von Rainer Nikula
Krimi um die heimliche Rückkehr des Schachweltmeisters Bobby Fischer. Der »Held« des Buches gewinnt ein Turnier (an dem Fischer unter Pseudonym teilnimmt), weil er sich auf seinem Hotelzimmer per Datenbank auf die Gegner vorbereiten kann.

Trivia: Der US-Amerikaner Robert James »Bobby« Fischer (1943 - 2008) war von 1972 bis 1975 Schachweltmeister. Den Titel gewann er 1972 in einem als Match des Jahrhunderts bezeichneten Wettkampf gegen Boris Spasski. (siehe auch Platz 2 der Liste)

Außer Konkurrenz:
Knight Moves

Von Carl Schenkel (Regie)
Mit
Christopher Lambert, Daniel Baldwin, Diane Lane, Tom Skerritt, Charles Bailey-Gates

Schachgroßmeister Peter Sanderson betreibt das Strategiespiel seit seiner Kindheit. Nach einer rauschenden Liebesnacht mit einer Bekannten während eines Schachturniers wird diese morgens tot in ihrem Bett aufgefunden. Der Verdacht fällt schnell auf Sanderson, daher setzt Captain Frank Sedman die Psychologin Sheppard auf ihn an, doch schon bald verfallen Sanderson und sie einer gemeinsamen Affäre.




Platz 3
Zug um Zug
von Andreas Hoppert
Ein Finanzberater und Schachgroßmeister ist des Mordes angeklagt. Er lässt sich von Andreas Hopperts Serienhelden Marc Hagen und der versoffenen Anwältin Irene von Kleist verteidigen. Der Titel nimmt auf den den gleichermaßen von Juristen und Schachspielern verwendeten Begriff »Zug um Zug« Bezug, zugleich orientiert sich der Roman mit »Vorbereitung, Eröffnung, Mittel- und Endspiel« an der Struktur eine Schachpartie.


Platz 2
Duell
(Einvígid 2013/2014)
von Arnaldur Indriðason

Reykjavík 1972: der russische Schachweltmeister Boris Spasski tritt mitten im Kalten Krieg gegen seinen amerikanischen Herausforderer Bobby Fischer an. In der aufgeheizten Stimmung wird ein Jugendlicher in einem Reykjavíker Kino brutal erschlagen. Warum bloß ermordet jemand einen Fünfzehnjährigen?  Die Leitung der Ermittlung in diesem brisanten Fall, der nicht nur am Rande auch das Geschehen auf dem Schachbrett berührt, liegt in den Händen von Marian Briem, bereits bekannt aus den bisherigen Indriðason-Krimis.



Trivia:
Auf dem Turnier 1972 in Reykjavík errang Bobby Fischer den Weltmeistertitel im Kampf gegen Boris Spasski. Der Wettkampf wurde als
»Match des Jahrhunderts« bekannt. Obwohl der Zweikampf wegen Fischers exzentrischen Verhaltens mehrfach kurz vor dem Scheitern stand, gewann er schließlich nach 21 Partien.


Platz 1
Das Geheimnis der schwarzen Dame
(La tabla de Flandes, 1990)
von Arturo Pérez-Reverte

Die Restauratorin Julia arbeitet an einem Gemälde des flämischen Meisters van Huys, auf dem zwei in eine Schachpartie vertiefte Männer und eine schwarz gekleidete Dame zu sehen sind. Dabei entdeckt sie eine geheimnisvolle Inschrift, verborgen unter einer Farbschicht. Julia bittet den Kunsthistoriker Alvaro herauszufinden, was es mit dem Bild auf sich hat. Bald darauf geschieht in Julias Umfeld ein Mord nach dem anderen.

Trivia: Arturo Pérez-Reverte wurde 1993 für diesen Roman mit dem Grand prix de littérature policière ausgezeichnet, 1994 wurde »Das Geheimnis der schwarzen Dame« unter dem Titel »Uncovered« (deutsch: »Geheimnisse«) von Jim McBride mit Kate Beckinsale verfilmt.




Die vier besten Schachkrimi
Text: Reinhard Jahn mit Material von schachfeunde-hannover.de und wikipedia

20.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
20. Dezember

Der Weihnachtsmarktkrimi für den 20. Dezember
Tatort: Saalfeld in Thüringen

Gut gesammelt ist halb geklaut


Von Ralph Petersen


Margot Bunthahns Fenster aus hat Vera Schiller einen guten Blick auf den Saalfelder Weihnachtsmarkt. Seit Anfang Dezember gibt es auf dem Marktplatz rund um den größten aufblasbaren Weihnachtsmann Thüringens wieder Crêpes, Waffeln,Glühwein, Fischbrötchen, Pralinen und Weihnachtsdekorationen aller Art. Dunkle Wolken liegen über dem Tal mit der Stadt. Drüben kommt eine stämmige Frau heran.

    »Da ist sie«, flüstert Margot. »Mildred Perleberg.«
    Mildred holt eine Sammelbüchse aus ihrer Handtasche und spricht einen Passanten an.
    »Wir vermuten, dass Mildred Geld aus der Sammlung für sich abzweigt«, sagt Margot. »Deshalb stellen wir ihr heute eine Falle. Dich interessiert sicher, wie wir sie überführen werden!« Margot ist Vera Schillers Tante, und sie hat Vera quasi zur Unterstützung ihrer Ermittlungsaktion eingeladen. Drüben stecken die ersten Passanten ihre Spenden und Mildreds Büchse.
    »Aber die Büchsen sind doch sicher verplombt«, sagt Vera Schiller.
    »Klar - wenn Pfarrer Uhland die leeren Büchsen ausgibt, verplombt er sie«, sagt Margot. »Die Büchsen werden von ihm im Pfarrhaus von St Johannis am Kirchplatz verwahrt, seit vor ein paar Wochen dort in die Sakristei eingebrochen wurde. Der Einbrecher hat die Kaffeekasse des Presbyteriums mitgenommen, die wir in einer alten Sammelbüchse aufbewahrt hatten. Seitdem sind wir vorsichtig.«
    Drüben steckt jetzt eine Frau einen Schein in die Büchse. »Das ist Annie Mühsam«, sagt Margot zufrieden. »Wir haben ausgemacht, dass sie einen markierten Zehn-Euro-Schein spendet.«
    Nach drei Stunden verstaut Mildred Perleberg ihre Sammelbüchse in ihrer Handtasche. Sie bummelt über den Weihnachtsmarkt und gönnt sich hier ein Fischbrötchen und da einen Glühwein. Nach einer halben Stunde bezieht sie dann wieder Posten und holt die Sammelbüchse aus ihrer Tasche. Eine ältere Dame steckt einen Geldschein hinein. »Luise Aston«, erklärt Margot. »Sie spendet ebenfalls einen markierten Zehn-Euro-Schein hinein. Normalerweise hat man pro Tag rund 30 Euro in der Büchse. Nur Mildred bringt immer nur 10 bis 15 Euro mit.«
    Gegen Abend knipst Pfarrer Uhland von der St. Johanniskirche den Draht der Plombe an der Mildreds Büchse durch und schüttet den Inhalt auf den Tisch. Zwischen dem Münzgeld liegt nur ein Zehn-Euro-Schein.
    »Sie hat einen der beiden markierten Scheine aus der Büchse gestohlen!«, sagt Margot fassungslos. »Aber wie …«
    »Aber das ist doch ganz einfach«, meint Vera Schiller. »Mildred hat nicht zehn Euro aus der Dose gestohlen, sondern mit zwei Dosen gesammelt: Vor ihrem Bummel über den Weihnachtsmarkt sammelte mit der Sammelbüchse, die sie vorher aus der Sakristei gestohlen hatte. Nach ihrer der Pause benutzte sie die verplombte Dose, die Sie vom Pfarrer hatte. Den Inhalt der anderen Dose behielt sie für sich.«
    »Faszinierend!«, kann Pfarrer Uhland da nur sagen.
    »Nun ja - immerhin arbeitet unsere Vera ja auch beim Betrugsdezernat der Kripo Rudolstadt!«, meint Margot. »Deswegen haben wir sie ja quasi zur Unterstützung hinzugezogen, nicht wahr, Mädchen?«




Mord nach Rezept - Die Retro-Edition
Mit zwei Dutzend Krimis zurück in die Achtziger

Die Achtziger – das waren die Jahre, als man noch überall rauchen durfte, der Marlboro-Mann und der Camel-Tramp im Kino Werbung machten und die Hollywood-Hits »Dirty Dancing«, »Shining« und »Zurück in die Zukunft« hießen.

Die Achtziger – das sind die Jahre von Horst »Schimmi« Schimanski, von Kreml-Flieger Mathias Rust, dem Tod von Uwe »Ehrenwort« Barschel und dem Beginn der langen Ära Helmut »Birne« Kohl, der uns als Bundeskanzler durch die deutsche Wiedervereinigung am Ende des Jahrzehntes führte.

Zwei Dutzend clevere Kriminalstorys aus der guten alten Zeit – als im Fernsehen immer dienstags »Dallas« lief und freitags »Derrick« ermittelte.




Ralph Petersen
Gut gesammelt ist halb geklaut
© by Autor/Jahn facts&fiction

18.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
18. Dezember


Die ultimativen Tipps für Weihnachtskrimis und Krimis rund um Weihnachten.

Zuerst der Roman, den das Opfer unseres Ratekrimis vom 17. Dezember las, ehe er verschied:

Ken Follett:
Eisfieber

Kurz vor Weihnachten in Schottland. Es ist kalt, es wird bald schneien, es wird bald GANZ SCHLIMM schneien. Eigentlich gute Voraussetzungen für eine nette familiäre Weihnachtsfeier am heimeligen Kamin im Landhaus der Familie Oxenford.

Stanley Oxenford, der geniale Pharmaforscher hat seine ganze Familie über die Feiertage eingeladen: die Töchter Olga und Miranda mit Gatten oder Lebensgefährten und Kindern und sogar seinen mißratenen Sohn Kit, den er vor einiger Zeit aus seinem Bio-Labor entlassen musste, weil er Geld unterschlagen hatte.

Schöne Weihnachten also - wenn nicht... Toni Gallo, die Sicherheits-Chefin von Stanleys Bio-Labor entdecken würde, dass ein Laborant ein Versuchskaninchen gestohlen hat und sich an dem Tier mit dem absolut tödlichen Virus infiziert hat, mit dem in Stanely Firma geforscht wird. (Und absolut tödlich heißt hier in der Tat: ABSOLUT TÖDLICH, ein Virus schlimmer als Marburg oder Ebola oder alles andere, was wir bisher aus den entsprechenden Medizin-Thrillern kennen.)

Schöne Weihnachten also - wäre da nicht auch noch der Plan von Stanleys mißratenem Sohn Kit, Weihnachten ins Bio-Hochsicherheitslabor seines Vaters einzubrechen, um seinem zwielichtigen Komplicen Nigel und dessen Freunden Zugang zu den hochinfektiösen und ABSOLUT TÖDLICHEN Virenkulturen zu verschaffen.

KEINE schönen Weihnachten also für alle zusammen: nicht für Toni Gallo, die patente und schlagkräftige Ex-Polizistin, die heimlich (aber dafür um so leidenschaftlicher) in ihren Boss Stanley verliebt ist, KEINE SCHÖNEN Weihnachten für den kriminellen Kit, dessen Einbruchsplan mit minutiöser Perfektion schiefgeht, so dass er sich plötzlich mit seinen Komplicen auf der Flucht durch den tobenden Schneesturm befindet - und ihm nichts besseres einfällt, als im Familiensitz des Oxenfords Unterschlupf zu suchen.

EISFIEBER von Ken Follett ist eiskalte Spannung pur, ein Landhaus-Krimi aus der Action-Schublade, etwas was dabei herauskommt, wenn Bruce Willis (DIE HARD) auf Rosamunde Pilcher trifft. Ein Popcorn-Roman zum Runterlesen - am besten an einem langen Weihnachtstag.

Ken Follett
Eisfieber
Bastei Lübbe 



Und noch einige weitere Tipps:


Agatha Christie: Hercule Poirots Weihnachten

Schauplatz: Gorstan Hall
Delikte: Mord im geschlossenen Raum
Tatbeteiligte:
1. Hercule Poirot, belgisches Meisterhirn, der soeben den Fall »Nikotin« gelöst hat.
2. Simeon Lee, alter, schrulliger und sehr wohlhabender Besitzer von Garston Hall, der seine Familie über Weihnachten zu sich bittet, um ihnen zu sagen, dass er sie alle für Versager hält und sein Testament ändern wird.
Das garantiert gute Stimmung, denkt er sich.
3. Familie Lee - drei Söhne, eine Enkelin. Allesamt verdächtig.
Weihnachtsfaktor: schwach. Todesfälle in geschlossenen Räumen kommen nicht nur Weihnachten vor. Die Lösung allerdings hat es in sich
Krimifaktor: Überschaubar, bis zur recht intelligenten Lösung.



Patricia Cornwell: Scarpetta-Factor

Schauplatz: New York
Delikte: Mord, Mord und Mord. Und Stalking.
Tatbeteiligte:
1. Dr. Kay Scarpetta, geniale Rechtsmedizinerin muss sich vor und über Weihnachten mit der Jagd nach dem »Taximörder« befassen, der arglose junge Frauen beim Joggen überfällt und tötet.
2. Benton Wesley, Ehemann der unter 1. geführten Figur, muss sich mit einer hässlichen Stalkerin herumschlagen.
Weihnachtsfaktor: Viel Schnee. Überall Schnee. In New York. Das sorgt für Stimmung.
Krimifaktor: Ordentlich. Passabler Serienmörder, gut aufgedröselte Obduktionsberichte. Aber das versteht sich bei Scarpetta von selbst.



Karr&Wehner: Dunkle Nacht der Engel

Schauplatz: Essen / Ruhr
Delikte: unklar. Baubetrug, kommunale Korruption. Urkundenfälschung, unsachgemäßer Umgang mit Sprengstoffen
Tatbeteiligte:
1. Mary Amos, Privatdetektivin mit eigener Cocktailbar
2. Ein seltsamer Pater, eine verschwundene Tochter, ein paar Polizisten, Prostituierte und Penner
Tatzeitraum: 24. Dezember von  Mittags bis Mitternacht
Weihnachtsfaktor: Sehr stimmungsvoll. Essen im Kaufrausch.
Krimifaktor: Gut ausgedacht und durchgeführt. Klassische Schnüfflergeschichte im Weihnachtsmantel. Schmackhaft.



Enthalten in:
Blutiger Rhein
12 Weihnachtskrimis aus Deutschlands wildem Westen

Weihnachtskrimis regional – 12 mörderische Geschichten aus Nordrhein-Westfalen für die schauerlich-schönste Zeit des Jahres!

Ebook bei thalia.de
oder bei amazon.de



Und schließlich:

1 3 5 6 7 9
ist die Kombination von Berendonks Tresor aus dem Ratekrimi vom 17. Dezember. Sie ergab sich aus den Geburtsdaten der Familie. Das Ziffernrad hatte 20 Stellen, um Vicky hatte gehört, dass Berendonk das Rad beim Öffnen nur vorwärts und nie rückwärts drehte. Also konnten nur die in den Geburtsdaten enthaltenen Zahlen unter 20 in aufsteigender Reihenfolge die Kombination darstellen: 1 3 5 6 7 9. Denn bei einer anderen Reihenfolge hätte er das Ziffernrad zwischen zwei Zahlen auch einmal zurückgedrehen müssen.

17.12.17

Der Mord nach Rezept-Adevntskalender
17. Dezember


Der Adventskalenderkrimi für den 17. Dezember

Vicky knackt die Nuss

Ratekrimi von H. P. Karr 

In einer Woche ist Heiligabend. Dunkle Wolken hängen über der Eifel. Es ist kalt, Schnee liegt in der Luft. Vicky Kant fährt seit Gerolstein sehr vorsichtig. Die Straße windet sich kurvenreich durch den Wald. Endlich meldet ihr Navi: »Sie haben ihr Ziel erreicht.«
    Victor Berendonk erwartet die Anwältin in der Tür seines liebevoll renovierten kleinen Schlösschens. Berendonk, Patron der Berendonk-Clans, Bonvivant und bekannter Kölner Kunstmäzen, hat nicht nur zwei Schokoladenfabriken geerbt, sondern auch ein Millionenvermögen. Und das Eifelschlösschen hier, in das er sich mit einen Lieben für die Festtage zurückgezogen hat.
    »Es geht um eine Familiensache!« Berendonk führt Vicky ins Wohnzimmer. Vicky betreut Berendonk schon seit fünf Jahren als Anwältin. Gestern hat er angerufen und sie herbestellt. »Es ist wichtig«, hat er gesagt. »Kommen Sie übers Wochenende!«
    Im Wohnzimmer ist die Familie versammelt. Ilona Berendonk ist Victors Frau, eine ätherische Brünette, zehn Jahre jünger als ihr Mann. Der Mann, der mit Ilona auf der Couch sitzt, sieht dem Hausherrn unverkennbar ähnlich. Ferry Berendonk ist Victors Bruder. »Freut mich, Frau Kant!«, sagt er, obwohl man ihm das Gegenteil ansieht. Außerdem ist dann da noch Marcus, Berendonks Sohn.
    »Marcus lebt jetzt wieder bei uns«, sagt Ilona, und es klingt ein wenig peinlich berührt. Vicky Kant hat von der grandiosen Pleite gelesen, die Marcus kürzlich mit einem Internet-Startup hingelegt hat.
    »Kommen Sie!« Victor leitet die Anwältin in sein Arbeitszimmer. »Ich will mein Testament ändern!«, erklärt er. In einer Ecke steht ein alter Tresor mit einem altmodischen Ziffernschloss, bei dem die Kombination durch Drehen auf Zahlen zwischen 1 und 20 eingestellt wird. Berendonk konsultiert kurz ein Familienfoto an der Wand neben dem Tresor, dann hört Vicky, wie er das Ziffernrad auf sechs Positionen dreht, immer vorwärts und kein einziges mal zurück. Und schon öffnet sich die Tresortür und Berendonk holt einige Papiere heraus. »Ich habe da mal was vorbereit!«
    In der nächsten Stunde spricht er mit Vicky Kant alle Details seines Testamentsentwurfs durch und notiert sich Vickys Vorschläge. Es geht darum, dass er sein Vermögen in eine Stifung zur Förderung begabter Künstler einbringen will. Sseine Frau, sein Bruder und sein Sohn, sollen nur noch ihre Pflichtteile bekommen.
    »Die drei ahnen natürich, was ich plane«, sagt Berendonk und schließt seine Notizen wieder in den Tresor ein. »Aber sie werden mich nicht mehr aufhalten oder umstimmen könen. Und jetzt lassen Sie uns essen.«
    

Die Stimmung beim Abendessen ist frostig, und Vicky empfindet den Adventskranz mit sienen Kerzen auf dem Tisch als blanken Hohn. Da wohl jeder weiß, warum sie hier ist, redet man kaum mit ihr und deshalb geht sie schon um zehn auf ihr Gästezimmer und um halb elf schläft sie.
    Am nächsten Morgen wird sie von der Mordkommission geweckt. Victor Berendonk ist letzte Nacht gestorben - allein in seinem Bett in seinem Schlafzimmer. Das erfährt Vicky Kant von Hauptkommissar Schneider, der sie hat wecken lassen. Um acht heute Morgen hat Ilona ihren Mann tot im Bett entdeckt. Dem Notarzt, den sie gerufen hat, sind die Todesumstände seltsam vorgekommen, deshalb hat er die Polizei informiert. Also wimmeln jetzt Kommissar Schneiderrs Forensiker im Haus herum und ein Rechtsmediziner hat sich Berendonks Leiche angesehen. »Ich habe mich mit seinem Hausarzt in Verbindung gesetzt«, erklärt der Doc gerade, als Vicky sich in der Küche inen Kaffee holt. »Berendonk war gegen Nüsse jeder Art allergisch. Todesursache ist ein anaphylaktischer Schock – ausgelöst durch Nüsse.«
    Berendonk ist gegen Mitternacht gestorben, in seinem Bett, unbemerkt von der Familie und vor allem durch seine Frau, die ihr Schlafzimmer neben seinem hat. Vicky Kant wirft einen Blick in Berendonks Schlafzimmer. Auf seinem Nachttisch liegt ein aufgeschlagener Thriller - »Eisfieber« von Ken Follett - daneben steht ein fast leeres Glas Milch.
    »In der Milch fand ich fein gemahlene Haselnüsse«, diktiert der Rechtsmediziner neben Vicky Kant in sein Gerät. Die Anwältin geht nach unten – wo Kommisser Schneider die Familie im Wohnzimmer befragt. In der Küche untersuchen zwei Spurentechniker das geöffneten Tetrapack Vollmilch aus dem Kühlschrank. Eine Schale mit Weihnachtsgebäck, Walnüssen, Erdnüssen und Haselnüssen steht auf der Ablage. Einer anderer Techniker befasst sich mit einer elektrische Kaffeemühle. »Das Gerät ist penibel gesäubert«, sagt er. »Aber nicht penibel genug. Mit der Mühle wurden Haselnüsse gemahlen.«
    Vicky reimt sich zusammen, dass gestern jemand Berendonks Milch mit den fein gemahlenen Nüssen versetzt hat, um damit bei ihm den tödlichen allergischen Schock auszulösen.
    Das Motiv ist ihr sofort klar. »Er wollte sein Testament ändern«, erklärt sie dem Kommissar. »Der Entwurf liegt in seinem Tresor. Noch gilt aber sein altes Testament – nach dem seine Familie zu gleichen Teilen erbt.«
    »Reine Behauptungen!«, sagt Ferry Berendonk scharf, als der Kommissar die Familie mit Vicky Theorie konfrontiert. »Diesen neuen Testamentsentwurf hat niemand gesehen. Die Anwältin kann viel behaupten, was da angeblich im Tresor liegt – dessen Kombination nur mein Bruder kannte!«
    »Hat gestern jemand Herrn Berebdonk  ein Glas Milch ans Bett gebracht?«, unterbricht der Kommissar. »Oder hat er sich die Milch selbst aus der Küche geholt?«
    »Die Milch?« Ilona wirkt irritiert. »Das Glas hatte er sich selbst eingegossen und in der Küche auf den Kühlschrank gestellt. Als ich später nachsah, war es weg. Ich nahm an, Marcus oder Ferry hätten es ihm gebracht. Warum fragen Sie?«
    »Die Milch war mit gemahlenen Nüssen versetzt«, sagt der Kommissar.
    »Du hast doch am Nachmittag gebacken«, wendte sich Ferry an seine Schägerin. »Hast du da die Haselnüsse gemahlen, um sie am Abend in seine Milch zu tun. Wir wussten doch, dass er allergsich dagegen war.«
    »So ein Unsinn«, sagt Ilona beherrscht. »Ich habe gegen elf noch bei ihm im Schlafzimmer vorbeigeschaut. Da lebt er noch und las seinen Krimi.«
    »Waren Sie noch einmal bei Ihrem Vater?«, fragt der Kommissar Marcus.
    »Nein«, sagt der Sohn leise.
    Der Kommissar bittet Vicky Kant in Berendonks Arbeitszimmer. »Ich denke, wir beide wissen, wer Breendonk die tödliche Milch brachte«, sagt er und Vicky nickt. »Ja, das denke ich auch.«
    »Wenn wir diesen angeblichen Testamentsentwurf hätten, würde das sehr helfen, den Fall schnell abzuschließen«, fährt der Kommsisar fort und mustert den Tresor. »Wie könnten wir den öffnen?«
    »Lassen Sie es mich mal probieren!«, sagt Vicky Kant. Sie sieht sich das Familienfoto neben dem Tresor an. Es zeigt Ilona, Ferry und Marcus, und Berendonk hat sich die Geburtsdaten der drei darunter notiert: Ilona 9.7.75 / Ferry 5.6.64 / Marcus 3.1.85.
    Vicky stellt sechs Zahlen auf dem Ziffernrad ein, das Schloss klickt und der Safe öffnet sich.
    

Frage 1: Wer hat Berendonks Milch vergiftet?
 

Frage 2: Wie lautet die Kombination des Tresors?
   


Lösung: 
1. Bruder Ferry  versetzte die Milch mit den gemahlenen Haselnüssen. Nur er erwähnte beim Verhör ausdrücklich »Haselnüsse« – obwohl der Kommissar nur von »Nüssen« gesprochen hatte. Womit auch die Erdnüsse und die Walnüsse aus der Weihnachtsschale in der Schale in der Küche hätten gemeint sein können.
 

2. Die Kombination des Tresors ...
...erfahren Sie morgen im Mord nach Rezept-Adventskalender.



Ratekrimis zum Selberlösen

40mal fragt die clevere Kommissarin Marlene Kemper in diesen Kurzkrimis des preisgekrönten Autors H.P. Karr: Wer war's?
Natürlich kennt sie die Antwort bereits, denn die verräterische Fährte hat der Täter selbst gelegt. Nun sind die Leser gefragt: Finden Sie das eine Indiz, das den Täter zweifelsfrei überführt? Dabei muß niemand verzweifeln: Die Lösungen zu jeder Geschichte finden sich ebenfalls in dem Band.


H.P. Karr
Ratekrimis zum Selberlösen
40 x dem Täter auf der Spur

überall wo es Ebooks gibt







   
   
   
   
   

16.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
16. Dezember

Der Krimi für den 16. Dezember

Eine eiskalte Witwe

Ein Ruhrpott-Krimi von Ralph Petersen

Anne Weber wartete vor dem Institut für Rechtsmedizin in der Essener Hufelandstraße auf Kommissarin Nikki Funk. Obwohl das Polizeipräsidium um die Ecke lag, hatte die Kommissarin sich verspätet.
    »Sie haben einen Toten gefunden?«, fragte Anne Weber kühl. »In der Ruhr?«
    »Ja!«, sagte Nikki Funk. »Möglicherweise ist es Ihr Mann. Danke, dass Sie ihn sich ansehen wollen!«
    Daniel Weber, Inhaber eines Autoverleihs in Bochum, war seit drei Wochen verschwunden. Seine Frau hatte ihn als vermisst gemeldet. Hauptkommissarin Nikki Funk hat die Suche bisher geleitet, weil ein Verbrechen nicht ausgeschlossen werden konnte. Mit der detaillierten Beschreibung von Webers Gesundheitszustand, die ein Jahr vor seinem Verschwinden im Bergmannsheil-Krankenhaus in Bochum anlässlich einer schweren Magenoperation erstellt worden ist, hat die Kommissarin bei allen Krankenhäusern in Bochum, Essen. Dortmund und sogar Duisburg nachgefragt - ohne Erfolg.
    Anne Weber folgte der Kommissarin in den gekachelten Raum der Pathologie. Auf dem Edelstahltisch lag die Leiche des Mannes, der am Morgen am Ruhrufer in Bochum Dahlhausen angetrieben worden ist.
    Anne schluckte. Doktor Hoffmann, der leitende Rechtsmediziner, kam aus seinem Büro. »Die erste Untersuchung habe ich bereits gemacht«, sagte er leise zu Nikki Funk. »Ein Mann, circa 45 Jahre alt, 1,75 Meter groß, dunkles Haar mit grauen Strähnen, Stirnglatze. Die Haut weiß, kaum gebräunt, keine sichtbaren Narben oder Spuren von Eingriffen. Konstitution durchschnittlich.«
    Doktor Hoffmann schlug das Laken von dem Toten zurück. Anne Weber musterte die Leiche, deren Gesicht aufgequollen und kaum zu erkennen war. Ihre Lippen bewegten sich stumm. »Ja«, sagte sie schließlich. »Das ist er. Das ist mein Mann.«
    »Ich brauche noch den Namen seines Zahnarztes«, sagte Hoffmann. »Um einen Gebissvergleich zu machen.«
    »Aber warum?«, fragte Anne. »Es ist ganz klar mein Mann. Eindeutig. Ich erkenne ihn. Wurde er... ermordet?«
    »Bislang gibt es keine Spuren eines Verbrechens«, sagte Dr. Hoffmann.
    »Stellen Sie mir einen Totenschein aus?«, fragte Anne Weber den Rechtsmediziner.
    Nikki war erstaunt. »Wozu brauchen das Dokument so schnell?«
    »Die Lebensversicherung meines Mannes verlangt einen Totenschein und eine Sterbeurkunde, sonst zahlt sie nicht!«
    Nikki Funk sah die Frau lange an. Sie hatte von Anfang an das Gefühl gehabt, dass hier etwas nicht stimmte. Und jetzt wusste sie auch, was. »Haben Sie deshalb eben gelogen?«, wollte sie wissen. »Dieser Tote ist nicht Ihr Mann. Das werden wir sicher feststellen, wenn Dr. Hoffmann die Zahnarztunterlagen vergleicht - was Sie eben verhindern wollten. Aber es gibt noch ein klares Indiz - Ihr Mann hatte eine schwere Magenoperation, doch dieser Tote hier weist laut Dr. Hoffmanns Befund keine sichtbaren Narben oder Spuren von Eingriffen auf.«
    Anne Weber schluckte. »Daniel... ich vermute, er hat sich mit seiner Geliebten abgesetzt«, murmelte sie. »Das Autohaus steht vor der Pleite. Ich wollte doch retten, was zu retten ist!«
    

Die Lösungen der Quizfragen vom 15. Dezember
Wie heißt Gonzo wirklich?
b) Heinrich Gonschorek

Wie heißt der vierte Gonzo-Roman?
b) Bullenwinter

Wer spielte Schimanskis Kollegen Thanner?
a) Eberhard Feik

Wie hieß der erste Schimanski-Tatort?
a) Duisburg Ruhrort


Mord nach Rezept

Ermittlerkrimis, Ganovenkrimis, Ladykrimis, Psychokrimis,  Schnüfflerkrimis, heitere Krimis - alles ist in: Mord nach Rezept.
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Eine eiskalte Witwe
Ein Ruhrpott-Krimi von Ralph Petersen
Auf einen blick, Heft 36/2014
© by author/Jahn facts&fiction

15.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
15. Dezember

Der Gonzo-Krimi für den 15. Dezember


Der Moosrosenkavalier

Eine Gonzo-Story von Karr &  Wehner

Sie waren schon alle da, als Gonzo in Altendorf ankam: Streifenwagen, der Kleinbus von der Spurensicherung, die beiden Zivilkutschen vom Kriminaldauerdienst und der Leichenwagen. Vorm Haus tuschelten die Nachbarn.
    Der Blumenhändler, vor dessen Laden Gonzo den Kombi in eine Parklücke quetschte, schleppte die Dahlien aus dem Saisonangebot und die Yukkapalmen zum Sonderpreis aus der Straßenauslage in den Laden zurück. Als Gonzo die Suzie von der Ladefläche holte, plierte der Händler auf die Aufkleber auf den Seiten. »Gonschorek Videoproduktion - TV und Werbung - sind Sie dass?«
    Gonzo checkte die Suzie und kontrollierte die Akkus und behielt den Hauseingang im Auge.
»Sind sie schon mit dem Sarg raus?«
    Der Blumenhändler kratzte sich am Kopf. »Moosröschen«, sagte er. »Vor drei Stunden hat er sich noch Moosröschen geholt.  17 Stück. Hochzeitstag, hat er gesagt, 17 Jahre.« Er nahm die letzten Armvoll Dahlien aus dem Eimer. »Er hat immer Moosröschen genommen.«
    »Klar«, sagte Gonzo. »Ist der Sarg schon raus?«
    Der Händler schüttelte den Kopf. Von den Stielen der Dahlien tropfte es. »Seine Frau war eine ganz liebe«, sagte er. »Jede andere hätte ihn schon längst auf die Straße gesetzt. Dauernd diese Techtelmechtel. Zuletzt mit der Angelika aus der Lottoannahmestelle an der Ecke. Immer Moosröschen. Zwei Wochen lang jeden Tag, bis er sie rumhatte. Und vorher die Kindergärtnerin, achtzehn Tage. Oder die Blonde vom Friseur, nur drei Tage. Und immer Moosröschen.«
    »Alles klar«, sagte Gonzo und drängelte sich mit der Suzie auf der Schulter durch die Gaffer. Er hatte Glück. Hoffmeister von der Nordwache stand am Eingang und nickte Gonzo nur kurz zu, als er sich ins Treppenhaus schob. Es war die Parterrewohnung. Im Treppenhaus warteten die Bestatter mit ihrem Blechsarg, die Wohnungstür stand auf, Spurensicherer in ihren weißen Anzügen stellten ihre Nummerntäfelchen auf und fotografierten. Kommissar Behrendt vom Kriminaldauerdienst lehnte in der Küchentür, die Hände in den Jackentaschen.
    »Mach schnell«, sagte er zu Gonzo. »Du gibst ja sowieso nicht eher Ruhe, bis du deine Bilder hast.«
    Gonzo setzte die Suzie an. Auf dem Küchenboden lag zerschlagenes Porzellan, Stücke von Tellern, mit Soße verschmiert, zwei, drei Fleischrouladen, Kartoffeln. Aus dem Wohnzimmer kamen Stimmen. Jemand weinte.
    »Die Leiche geht nicht über den Sender!« sagte Behrendt und ging zur Seite. Gonzo schob sich in die Küche, schwenkte die blitzblanke Edelstahlspüle und die Hängeschränke ab, den Tisch, die Wachstuchdecke mit den Sommerblumen auf dem Boden und die Scherben. Der Tote lag vor dem Küchenschrank, das Gesicht von Stichen zerfetzt, die Brust voller Blut und das Filettiermesser im Bauch.
    »Siebzehn Stiche«, sagte Behrendt zu niemand bestimmtem. Jemand hatte dem Toten die Hände auf der Brust gefaltete, der Moosröschenstrauß klemmte zwischen den Fingern.
    Gonzo setzte die Suzie ab. Im Wohnzimmer weinte eine Frau.
    »Sie?« fragte Gonzo.
    Behrendt nickte und machte den Leichenträgern mit ihrem Sarg Platz. »Hat uns selber angerufen.«
    »Motiv?« fragte Gonzo, mehr der Form halber.
    »Noch offen«, sagte der Kommissar.
    Die Leichenträger nahmen dem Toten die Moosröschen aus der Hand, ehe sie ihn in den Blechsarg legten.
  



1994 erschien mit »Geierfrühling« der erste Gonzo-Thriller des Essener Autorenteams Karr & Wehner. Es folgten den Jahreszeiten entsprechend der »Rattensommer« und der »Hühnerherbst«. Im Mittelpunkt steht der etwas angeschmuddelte Videojournalist »Gonzo« seine Verlegenheitsassistentin Betty. Für den »Rattensommer« erhielten Karr&Wehner den Friedrich Glauser-Preis.

 

Wie heißt »Gonzo« wirklich?
a) Henry Gunschera
b) Heinrich Gonschorek
c) Ewald Gonzke
d) Max Gonz


Wie heißt der vierte Gonzo-Roman?
a) Wintermorde
b) Bullenwinter
c) Tödlicher Schnee
d) Gonzos Abgang



"Horst Horst Horst!" Der Seufzer des Schimanski-Kollegen Thanner offenbarte den Vornamen des inzwischen beliebtesten Ruhrpottbullen. Horst Schimanski, gespielt von Götz George, hatte 1981 seinen ersten Auftritt als Kommissar in einem TATORT-Film. Als schmuddliger Bad Boy in der verwaschenen Jacke löste er den Trenchcoat-Kommissar Haferkamp alias Hansjörg Felmy ab, der bis dahin für den WDR ermittelt hatte. Inzwischen hat es "Schimmi" sogar zu einer eigenen Horst Schimanski Gasse gebracht – natürlich in der Stadt, in der er ermittelte.

Wer spielte Schimanskis Kollegen Thanner?
a) Eberhard Feik
b) Klaus Wennemann
c) Leonard Lansink
d) Heinrich Schafmeister

Wie hieß der erste Schimanski-Tatort?
a) Duisburg Ruhrort
b) Köln Zollstock
c) Mülheim Ruhr
d) Dortmund Huckarde

Lösungen: morgen im Adventskalender
   
  


Karr&Wehner
Der Moosrosenkavalier
© by Autoren/Jahn facts&fiction

14.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
14. Dezember

Der Krimi für den 14. Dezember

Zug um Zug


Von H.P. Karr
    

Die Kneipe neben dem Bahnhof war etwas finster, so dass Franzinger kaum die kleinen Meldungen in der Zeitung entziffern konnte, die auf dem Tresen herumlag. Dann kam auch schon Schueller herein: im Designeranzug, braungebrannt, mit einer schrillen roten Brille und seiner wallenden Frisur, mit der er sich auf jugendlich trimmte.
    »Alles geklappt?«, fragte er. Franzinger schob ihm die Kreditkarten und die schrille rote Brille hin. »Alles klar«, sagte er. »Die Perücke habe ich im Zug weggeworfen!«
    »Gut!« Schueller bestellte mit einem Fingerschnippen ein Pils. » Gut!«, sagte er dann nochmal. Und schließlich: »Perfekt!«
    Er schob Franzinger einen Umschlag hin, in dem 1000 Euro sein mussten. »Danke! Sie haben mir wirklich sehr geholfen!«
    Franzinger zuckte mit den Schultern. »Ich kann ja nichts dafür, dass ich fast so aussehe wie Sie. Bis auf die Haare halt!« Er strich sich über seinen Bürstenschnitt. »Mit Ihrer Briele und Ihren Papieren bin ich in Berlin auf dem Kongress glatt als Udo Schueller durchgegangen. Nur von den Vorträgen habe ich nichts verstanden.     »Einsatz von Polymeren in der Implantatprothetik«, sagte Schueller. » Müssen Sie ja auch nicht, mein Lieber. Ich verstehe ja auch nichts von Werbedesign. Ohne unsere gemeinsame Leidenschaft für den FC wären wir uns ja auch nie begegnet.«
    Das war jetzt sieben Wochen her, in der Südkurve hatte Schueller ihn angesprochen. Und auf dem Stadionklo, vor dem Spiegel, hatte er festgestellt, dass er dem Kieferchirurgen wirklich wie aus dem Gesicht geschnitten war. Bis auf die Haare. Also das Problem hatten sie ja mit der Perücke gelöst.
    »Ihr Story ist wasserdicht!«, sagte Franzinger. »Ich meine: unsere Geschichte. Jeder im Kongresshotel wird schwören, dass Sie da waren. Auf allen Überwachungsvideos sieht man sie - und alle Rechnungen sind mit Ihrer Kreditkarte bezahlt.« Er grinste. » Wenn Sie also wieder einmal ein Alibi brauchen für ein Date mit Ihrer Freundin...«
    »In nächster Zukunft nicht!« Schueller wandte sich zum Gehen. »Danke für alles!«
    »Moment noch!« Franzinger zog ihn zurück und tippte auf die Zeitung. »Sehen Sie - ich habe da gerade gelesen, dass letzte Nacht eine Lydia Sch. draußen im Erlengrund in ihrem Haus ermordet worden ist...«
    Schueller schluckte. »Hören Sie…«
    »Nein, Sie hören zu«, sagte Franzinger. »Sie haben kein Alibi für ein Date mit Ihrer Freundin gebraucht, Sie wollten eins für den Mord an Ihrer Frau, Freundchen. Und ich Idiot hab es ihnen geliefert.«
    Schueller sagte eine Weile nichts. »Wieviel?«, fragte er dann.
    Franzinger beugte sich vor. »Nein, kein Geld, Schueller. Ich will, dass Sie sich die Haare so kurz schneiden lassen wie ich und nächstens Freitag für mich auf eine todlangweilige Vernissage in Düsseldorf gehen, von sieben bis halb elf. Dann brauche nämlich ich ein Alibi, verstehen Sie?«





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H.P. Karr
Zug um Zug

© by author/Jahn facts&fiction

12.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
12. Dezember

Der Krimi für den 12. Dezember
 

Ein Gläschen in Ehren


Von H. P. Karr

     

Kommissar Gerber musterte die Umrisse des Ausbrechers Dirk Schneider auf dem Teppich in Carl Huebners Wohnzimmer.
     »Meine Frau ist bei Freunden«, sagte Carl Huebner. »Es ging alles ziemlich schnell. Schneider brach zusammen und starb, nachdem er den Wein getrunken hatte.«
     »Der Wein, ja«, sagte der Kommissar. »Eine 1999er Kufbacher Spätlese. Unser Labor hat den Rest in der Flasche untersucht. Es war Reinigungsflüssigkeit darin, mit der Winzer die Fässer desinfizieren.«
     »Wie geht es dem Gefängniswärter, den Schneider bem Ausbruch niedergeschlagen hat?«, fragte Huebner.
     »Den Umständen entsprechend«, sagte der Kommissar. »Als wir die Meldung von Schneiders Ausbruch bekamen, haben wir befürchtet, dass so etwas wie hier passieren würde.«
     »Als wir aus dem Kino kamen, stand Schneider hinter der Tür«, berichtete Huebner. »Er hat meiner Frau ein Messer an den Hals gesetzt. Er fesselte uns. Dann entdeckte er den Wein, den meine Frau gestern gekauft hatte. Er trank davon und brach zusammen.«
     »Möglich, dass das Desinfektionsmittel beim Winzer in die Flasche geraten ist«, sagte der Kommissar. »Der Winzer meint allerdings, dann hätte der Inhalt eines ganzen Fasses vergiftet sein müssen. Also haben wir den Rest der Produktion aufgestöbert – und haben nichts gefunden. Alle Flaschen waren einwandfrei.« Der Kommissar machte eine Pause. Dann sagte er: »Die Nachbarn sagen, dass Sie sich manchmal mit Ihrer Frau streiten?«
     »Klatsch«, erwiderte Huebner.
     »Ihre Frau trinkt gern einen Schluck?«
     »Richtig.«
     »Und Ihre Frau hat ein Vermögen, das Sie im Fall ihres Todes erben?«
     Huebner war blass geworden. Der Kommissar fuhr fort: »Sehen Sie, wir haben uns nicht nur in dem Laden umgehört, in dem Ihre Frau den Wein gekauft hat, sondern im ganzen Ort. Können Sie sich denken, was wir dabei herausgefunden haben?«
     »Sagen Sie es mir!«, krächzte Huebner.
     »Nun«, meinte der Kommissar, »zuerst haben wir in der Apotheke erfahren, dass Sie eine Spritze und Injektionsnadeln gekauft haben. Dann entdeckten wir, dass das Reinigungsmittel, mit dem die Winzer die Fässer desinfizieren, auch als Haushaltsreiniger im Handel ist. Also fragten wir weiter und fanden einen Laden, in dem Sie eine Flasche dieses Haushaltsreinigers gekauft haben.« Der Kommissar lächelte schmal. »Sie wollten Ihre Frau mit dem Wein vergiften, nicht wahr? Leider kam Ihnen Schneider dazwischen.«
     Huebner schluckte. »Ja«, krächzte er. »Aber es hat nicht geklappt. Sie können mir nichts anhaben.«
     »Falsch!«, meinte der Kommissar. »Ich verhafte Sie wegen Mordes an dem Ausbrecher Dirk Schneider!«   
    




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H.P. Karr
Ein Gläschen in Ehren
Badische neueste Nachrichten 41/2015
©beim Autor/Jahn facts&fiction

11.12.17

Der Mord Nach Rezept-Adventskalender
11. Dezember

Das   Krimi-Ranking für den 11. Dezember

Die vier schrägsten Detektive und Ermittler:


Platz 4
Nick Knatterton

Von Manfred Schmidt (1913 – 1999)

Ein im wahrsten Sinn aus«gezeichneter« Krimiheld. Besondere Kennzeichen: Das markante Kinn und der gegen alle Gesetze der Zeichenkunst durchkarierte Mantel. Flottester Spruch: »Kombiniere!« Pfeifenraucher. Geigenspieler.  Eine Verwandtschaft zu den US-Helden »Nick Carter« und »Nat Pinkerton« konnte nie ganz belegt werden. Nach anderen Quellen ist sein richtiger Name Nikolaus Kuno Freiherr von Knatter und er entstammt einem uralten Adelsgeschlecht bei Kyritz an der Knatter.

Delikte: Ein Comic-Strip (1950-59), mit Episoden wie »Der Schuss in den künstlichen Hinterkopf« oder » Der Drohbrief im Pyjama«, eine Zeichentrick-Fernsehserie, ein Realfilm

Platz3
Major Adolf Kottan

von Helmut Zenker (1949 – 2003)

»Inspektor gibt's kaan!« Major Adolf Kottan ermittelt in Wien für das dortige Sicherheitsbüro. Von seinem Naturell her eher mürrisch tritt er auch seinen Kollegen gegenüber mitunter so auf. Vor allem sein Assistent Schrammel, nicht gerade eine Leuchte, hat unter dem unwirschen Kottan zu leiden. Für die Beschaffung der Leichen ist oft der Obdachlose Drballa zuständig, der sich sogleich direkt mit dem Major in Verbindung setzt.

Delikte: So um die acht Romane, mindestens ein Hörspiel, eine Fernsehserie (19 Folgen von 1976 bis 1983). Posthume Fälle, aufgeschrieben von seinen Nachkommen. Eigene Webseite, jede Menge Franchise-Artikel. Außerdem eigene Musikformation: Kottans Kapelle. Mit einem Wort: Kottan ist Kult.


Platz 2
Chico Pipa

von Carlo Manzoni (1909 – 1975)
Chico Pipa ist einer der härtesten Detektive ever. Supercool, supersmart, superhart. Nur übertroffen von seinem Partner Gregorio Scarta, dem Meister der Undercover-Recherche. Ach ja: Gregorio Scarta, genannt Gregg, ist ein Hund.

Delikte: Knapp 10 »Superthriller«, etwa »Blut ist kein Nagellack« (1960), »Der Finger im Revolverlauf (1960) oder »Der tiefgekühlte Mittelstürmer« (1963)

Platz 1
Paul »Die Wanze« Muldoon
von Paul Shipton (1963 - )

»Die Wanze« Muldoon ist genau das und von Beruf Privatdetektiv. Aus Langeweile nimmt er einen eher langweiligen Fall an: Ein Ohrenkneifer ist spurlos verschwunden. Muldoon stößt bei seinen Nachforschungen auf jede Menge Ungereimtheiten.

Delikte: Ein Roman, ein Hörbuch, eine Bühnenfassung, ein Sequel »Heiße Spur in Dixies Bar«.



Mord nach Rezept

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Krimi-Ranking:
Text: Reinhard Jahn, mit Material von wikipedia, krimilexikon.de und kottan-ermittelt.at



10.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
10. Dezember

Das Krimi-Ranking für den 10. Dezember
Die besten deutschen Krimi-Verfilmungen
 

Platz 4
Vier Schlüssel
BRD 1965 
Regie Jürgen Roland
Mit Günther Ungeheuer, Horst-Michael Neutze, Walter Rilla, Monika Peitsch









 


Worum geht es?
Eines der ersten Heist-Movies im Nachkriegsdeutschland: In einer Hamburger Bank werden über das Wochenende 3,5 Millionen Deutsche Mark im Tresor eingelagert. Der Tresor kann nur mit vier Schlüsseln geöffnet werden, die von verschiedenen Funktionsträgern der Bank mit sich geführt werden. Eine straff organisierte Gangstertruppe unter Leitung von Alexander Ford (Neutze) schafft es, die vier Schlüsselträger festzusetzen und ihnen unter Drohungen die Schlüssel abzupressen. Der Coup scheint zu gelingen, bis am Ende doch alles schiefgeht

Jürgen Rolands kühle, protokollartige Regie, die klare Kameraführung und die konsequente Spannungsdramaturgie, die die zahlreichen Handlungsstränge mit Cliffhangern zusammenbindet sorgten für ein perfektes Spannungsstück. Dass die Figuren meist schablonenhaft blieben, fiel da nicht besonders auf – auch weil mit Horst-Michael Neutze und Günther Ungeheuer zwei echte Könner im Genre des »bösen Buben« am Start waren.

Welcher Roman war die Vorlage?
»Die vier Schlüssel« von Max Pierre Schaeffer. Der Journalist Schaeffer ließ sich für seinen Roman von einem authentischen Fall aus der Schweiz inspirieren. Zugleich fiel der Film auch in die Zeit, als die englischen Posträuber (1963) mit ihrem perfekt geplanten Coup das Interesse an solchen Heist-Stoffen geweckt hatten. Zeitgleich zur Premiere der »Vier Schlüssel« entstand bereits die dreiteilige Fernsehverfilmung des Posträuber-Dokudramas »Die Gentlemen bitten zur Kasse«, nach dem Tatsachenbericht von Henry Kolarz.

Platz 3
Der Schneemann
BRD 1985
Regie: Peter F. Bringmann
Mit: Marius Müller-Westernhagen


Worum geht es?
Der klugschwätzende Abenteurer und halbseidene Entrepreneur Dorn (im Buch: Blum)  hängt auf Malta fest und versucht 5000 dänische Pornohefte nach Ägypten zu verkaufen. Der Deal geht schief und unter dem Toupet seines toten Aufkäufers findet er einen Gepäckaufbewahrungsschein des Münchner Hauptbahnhofs. Was lagert dort? Ein Karton mit 25 Dosen Old Spice Rasierschaum – allerdings mit speziellem Innenleben: zweieinhalb Kilo reinsten Kokains. Wenn Blum die an den richtigen Kunden verkaufen kann, ist er alle seine Sorgen los.
 »Der Schneemann« kam 1985 als Star-Vehikel für Marius Müller-Westernhagen in die Kino. MMW war damals noch kein Rockstar war, sondern hatte gerade erst als Schauspieler einen Kassenerfolg in der Verliererkomödie »Theo gegen den Rest der Wel« erzielt.
Das »Schneemann«-Drehbuch von Matthias Seelig übernimmt nur wenig aus dem Roman, aber es sind die wesentlichen Dinge: Blum/Dorns Klugschwätzereien, seine träge Verachtung für alles konventionelle und bürgerliche und nicht zuletzt seine Stehaufmännchen-Mentalität. In seinem weißen Leinenanzug wirkt er wirklich wie ein aus der Zeit gefallener Sohn der Schwarzen Serie.

Welcher Roman war die Vorlage?
»Der Schneemann« (1981) von Jörg Fauser (1944 bis 1987). Fauser war Journalist, Junkie, Lyriker, Schriftsteller, der souverän jede Einordnung in die E- oder U-Kategorien umschiffte. Den deutschen Krimi seiner Zeit hat er gehasst, was ihn aber nicht daran hinderte, einige der besten deutschen Krimis seiner Zeit zu schreiben.
»Der Schneemann« ist ein auf seine ganz spezielle Art vom Koks befeuertes literarisches Road-Movie durch die Bundesrepublik der Achtziger, inspiriert von der stilistischen Finesse eines Raymond Chandler und dem Rebellentum eines Marlon Brando, über den Jörg Fauser eine Biographie schrieb. Später erklärte Fauser gern, der »Schneemann« sei nur zum Geldverdienen geschrieben worden – aber vielleicht ist er gerade deshalb so gut, so konzentriert, so schnörkellos perfekt, wie es Fausers spätere Krimis nie wieder wurden.

Platz 2
Die Katze
BRD 1988
Regie: Dominik Graf
Mit: Götz George, Gudrun Landgrebe, Heinz Hoenig, Ralf Richter


Worum geht es?
Düsseldorf, 16. Juni 1987. Meistergangster Probek (George) hat einen Plan am Start, der ihm und seinen Mittätern (Hoenig und Richter) drei Millionen Mark Lösegeld bringen soll. Probeks Komplizen überfallen dazu eine Bank und nehmen Geiseln, die gegen das Lösegeld ausgetauscht werden sollen. Es entspinnt sich ein psychologischer Nervenkrieg zwischen den verschiedenen Parteien - Polizei, Gangster, Probek – der am Ende von einem Showdown beendet wird.
Kritiker bezeichneten die frühe Kinoarbeit von Dominik Graf durchaus wohlwollend als den schmutzigen kleinen Bruder von »Dog Day Afternoon« von Sidney Lumet. In der temporeichen, dichten Inszenierung zeigte Graf  schon damals alle seine Stärken und Vorlieben – die hektischen Bilder der bewegten Kamera aus den Krisenstäben, die verwackelten Observationsbilder des Bankraubes, das beständige Annähern an die Orte aus verschiedenen Perspektiven und last but not least – die Verwendung der Tonspur mit dem Sprechfunk der Polizei als eigenen Handlungsträger.

Welcher Roman war die Vorlage?
»Das Leben einer Katze«, später »Die Katze« von Uwe Erichsen ist ein reines Genrestück aus der Werkstatt des Spannungs-Spezialisten Erichsen, der seine Karriere als Jerry Cotton-Autor  und startete und später für »Der Fahnder« und andere Serien aus der Produktion der Münchner Bavaria schrieb, wo auch Dominik Graf sich seine ersten Sporen verdiente. Die Story funktioniert nach dem Prinzip des Masterminds mit einem Masterplan, der am Ende dennoch mit seinem Vorhaben scheitert.

Platz 1
St. Pauli Nacht
BRD 1999
Regie: Sönke Wortmann
Mit: Armin Rohde, Heiner Lauterbach, Benno Führmann, Christian Redl


Worum geht es?
Shortcuts und Episoden aus dem Tag- und Nachtleben im Hamburger Stadtteil St. Pauli: In mehreren miteinander verketteten Episoden erzählt der Film den vergangenen Tag aus der Perspektive verschiedener beteiligter Personen, so unter anderem eines Taxifahrers, eines Kleinkriminellen, einer transsexuellen Prostituierten und zweier Jugendlicher.
Der Film besticht nicht nur durch sein All-Star-Cast (Rohde, Führmann, Lauterbach, Redl), sondern vor allem durch seine inszenatorische Dichte, die die ansonsten disparaten Elemente der Handlung zu einem Ganzen zusammenfügt. Die besondere Glaubwürdigkeit erlangt dies alles nicht zuletzt durch die prägnanten und präsenten Dialoge, durch die perfekte Beherrschung der Dialekte und Soziolekte des Viertels – was klar auf das Konto des Drehbuchautors Frank Göhre geht.

Welcher Roman war die Vorlage?
»St. Pauli Nacht« von Frank Göhre, der Roman entstand bereits im Zusammenhang mit der Drehbucharbeit zum Film und nimmt in seiner Erzählweise das fragmentarische des Films auf, ergänzt die Handlungsteile um einige weitere Elemente zeigt genau wie der Film seine  Stärken den Dialogen und dem extrem dichten Erzählton.


9.12.17

Der Mord nach RezeptAdventskalender
9. Dezember

Der Adventskrimi für den 9. Dezember

Martin Walser: Tod eines Teetrinkers


Komplett gefälscht von H.P. Karr

Überhaupt, sagte er, sagte er nahezu noch ehe er die Tür öffnete, er müsse eines klarstellen: Dass es sich bei den Vorfällen der letzten Zeit nicht - er wiederhole: Nicht um eine von ihm selbst initiierte Aktion handele. Er wisse, sagte er, mich durch ein düsteres Patio führend, er wisse also, dass es sich beim allem, was geschehen sei, um ein Komplott handele; ein Komplott, das verstünde ich doch.
Denn es sei doch wohl offensichtlich, dass er stets ein Teetrinker gewesen sei. Nur Tee! wiederholte er, stets. Schon auf dem Weg in den Salon, durch dessen weitläufige Fenster der Blick sich über den See eröffnete. Tee!

Ich: Gewiss, nur sei zunächst zu klären, wie er sich den erkläre, in den Ruf eines Kaffeetrinkers gekommen zu sein...

Er: Komplott, wie ich sagte, eindeutig ein Komplott von Kettenmacher, dem Kettenhund der Konspiration, der sich schon immer mit dem dem Kaffee-Kombinat gemein gemacht habe, allgemein gemacht hätte. Aber zunächst - wirbelnd mit den Händen: Tee, first flush, nicht wahr? Ich müsse nämlich wissen, dies mich in die Küche ziehend, es sei ein weit verbreiteter Irrtum, dass Tee dem Kaffee nachstehe, vielmehr, und dies beim Vorbereiten des Tees, sei es umgekehrt, das verstehe ich doch.

Ich: Verstehe, verstand stehend bei ihm, ihn bei der Verrichtung beobachtend.

Das Wasser - kochend! Verstehen Sie! - in das Gefäß zu geben, um sodann zu warten. Kettenmachers Behauptung, er sei ein Kaffeetrinker, diese öffentlich geäußert, habe ihn zutiefst betroffen gemacht.
Im Salon, im Sessel, beim See, das Getränk im Gefäß und wärmend an den Händen: Das sei ein Mord gewesen. Er sei gemordet worden in seinem Wesen, das ihn präge, als Teetrinker. Gemordet, ja.

Ich: Ja, gemordet. Und inwieweit er es für möglich, wenn nicht vielleicht auch für gegeben hielte, einige sozusagen letzte Worte zu äußern: der Nachwelt, von ihm, dem Gemordeten.

ber was denn noch? Hochfahrend, die Worte, sicherlich die vorletzten, mit den Händen wirbelnd. Worte! Wieso immer Worte? Es sei genug, dies ermüdet und nicht belebt vom First Flush. Keine Worte mehr, nichts, nicht wahr. Ich möge gehen.

Ich: Ging.


ENDE

H.P. Karr lebt im Ruhrgebiet. Er veröffentlichte zahllose Stories und rund ein Dutzend Thriller, darunter - gemeinsam mit Walter Wehner - die »Gonzo«-Romane, von denen »Rattensommer« 1996 als bester Krimi das Jahres mit dem Friedrich Glauser-Preis ausgezeichnet wurde. 
www.hpkarr.de



H.P. Karr:
Tod eines Teetrinkers
©beim Autor/Jahn facts&fiction

7.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
7. Dezember

Das Krimi-Ranking für den 7. Dezember:

Die vier besten Eisenbahnkrimis aller Zeiten

Auf Gleis 1:
Agatha Christie: Mord im Orient-Express
(Murder on the Orient-Express, 1934)

Winter 1928: Eigentlich wollte Hercule Poirot die Fahrt in dem weltberühmten Luxuszug genießen, aber seine Mitreisenden verderben ihm das Vergnügen gründlich. Allerdings wird er bald entschädigt, denn eine Leiche wird entdeckt. Ein Toter und ein Zug voller Verdächtiger: ein gefundenes Fressen für den Meisterdetektiv.
Welcher Zug? Orient-Express
Die Strecke: Abschnitt  Athen-Paris auf der Gesamtstrecke Istanbul-Calais
Bewertung:  Landhauskrimi trifft Kursbuch
Die Filme:
1974 Mord im Orient-Express (Murder on the Orient Express), 131 Minuten, Regie: Sidney Lumet, Mit Albert Finney als Hercule Poirot
2001 Mord im Orientexpress (Murder on the Orient Express) 90 Min, Regie: Carl Schenkel, Mit Alfred Molina als Hercule Poirot
2010 Agatha Christie's Poirot: Murder in the Orient Express, Serienfilm, 90 Min, Regie: Philip Martin, Mit David Suchet als Hercule Poirot
2017 Mord im Orient-Express (Murder on the Orient Express)  114 Minuten, Regie: Kenneth Branagh



Auf Gleis 2:
Graham Greene: Orient Express
(Stamboul Train, 1932)

1930. Der Orient-Expreß rast durch Europa, in drei Tagen von Ostende nach Istanbul. Zu seinen Passagieren zählen fünf Menschen, deren Leben durch diese Reise verändert wird: die Revue-Tänzerin Coral, der junge jüdische Geschäftsmann Myatt, der Revolutionär Czinner, die lesbische Journalistin Miß Warren und Janet, die sich von Miß Warren lösen möchte.
Welcher Zug?: Orient-Express
Die Strecke: Ostende – Wien - Istanbul
Bewertung: Großartiges Zeitbild
Der Film:
1934 Orient Express (Orient Express) 71 Min, Regie: Paul Martin
Die Hörspielversion:


Auf Gleis 3:
Michael Crichton: Der große Eisenbahnraub
  (The Great Train Robbery, 1979)

England 1855. In London wird das Verbrechen des Jahrhunderts  geplant: Aus den beiden Safes im Packwagen des London-Paris-Expreß will Gentleman Edward Pierce den Sold für die im Krimkrieg stehenden britischen Truppen, 200 Goldbarren im Wert von 12.000 Pfund, stehlen.
True Crime aus dem Viktorianischen Zeitalter. Der erste große britische Eisenbahnbraub, dem schließlich 1963 der "große Postzugraub"  folgte.
Welcher Zug? Der London-Paris-Express

Die Strecke:London – Folkestone
Bewertung: Eisenbahnraub ganz klassisch
Der Film
1979 Der große Eisenbahnraub (The First eeat Train Robbery), 110 Min, Buch und Regie: Michael Crichton, Mit Sean Connery als Edward Pierce



Auf Gleis 4:
Benjamin Monferat: Welt in Flammen
(2014)

Mai 1940: Während in Paris die Angst vor dem deutschen Einmarsch um sich greift, bricht der Simplon Orient Express ein letztes Mal nach Istanbul auf. An Bord eine schicksalhafte Reisegesellschaft: Ein Balkanfürst will die Herrschaft über sein Land zurückfordern. Seine jüdische Geliebte fürchtet um ihre Liebe und um ihr Leben. Ein deutscher Spion setzt alles daran, sie zu beschützen. Ein russischer Großfürst ist auf der Flucht, die Sowjetmacht ihm längst auf den Fersen. Ebenfalls an Bord Agenten aller kriegführenden Mächte. Was niemand ahnt: Im Zug befindet sich etwas, nach dem Hitler seine Truppen in ganz Europa suchen lässt.
Welcher Zug?: Simplon-Orient-Express
Die Strecke: Paris – Bukarest - Istanbul
Bewertung: Buch-Blockbuster: Bunt und breitwandig
Die Webseite:
www.welt-in-flammen.de

Und morgen im Adventskalender:
Mord im Regionalexpress

6.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
6. Dezember

Der Krimi für den 6. Dezember - Nikolaustag

Gott sieht fast alles

Von H.P. Karr

Lohmann beugte das Knie vor der Madonna und schlug das Kreuz. Es war dämmerig in der Dorfkirche. Die Madonna war eine Kostbarkeit.
    Plötzlich flog plötzlich die Kirchentür auf und ein junger Bursche mit einem Motorradhelm auf dem Kopf und einer Pistole in der Hand stürzte herein.
    »Mein Sohn!«, donnerte Lohmann. »Dies ist ein Haus Gottes! Und der Herr gewährt zwar Sündern Schutz, aber nicht Bankräubern Unterschlupf.«
    Der Junge erstarrte. Lohmann erkannte blondes Haar hinterm Visier des Helms.
    »Man fahndet nach dir«, sagte Lohmann. »Ein Mann auf einem Motorrad. Bewaffnet.« Lohmann deutete auf die Tasche, die der Junge dabeihatte. »Wie viel? Im Radio war von 30.000 Euro die Rede.«
    Der Blonde bewegte aufmerksam lauschend den Kopf, weil oben auf der Orgelempore etwas geknackt hatte.
    »Sicher gibt es einen Ausweg für dich«, meinte Lohmann.
    »Ruhe!« Die Pistole zuckte in die Höhe.
    »Ich wollte dir nur klar machen, dass du in dein Unglück rennst!«, sagte Lohmann.
    »Wirklich rührend, wie Sie sich um mein Wohlergehen sorgen, Pater«, sagte der Junge.
    »Sollten wir alle uns nicht um unseren Nächsten kümmern?«, fragte Lohmann. »Vielleicht kann ich etwas arrangieren, damit du dir mit dieser... Dummheit nicht dein ganzes Leben zerstörst! Es war doch da erste Mal, dass du...«
    »Ja.« Die Stimme des Blonden war leise. »Es sind die Schulden, verstehen Sie? Mit 18 geheiratet, die Wohnung auf Kredit eingerichtet.«
    Lohmann nickte.
    »Und dann kippte auf einmal alles um«, fuhr der Blonde fort. »Erst dauernd Streit, dann die Scheidung. Das kostet alles Geld, und die alten Raten waren auch noch da …«
    »Wenn ich dir helfen kann, werde ich es tun«, sagte Lohmann ruhig. »Ich könnte deine Beute bei der Bank zurückgeben und sagen, ich hätte sie in der Kirche gefunden.«
    Der Blonde schwieg. Lohmann glaubte ein Schluchzen unterm Motorradhelm zu hören. Behutsam nahm er ihm die Waffe aus der Hand.
    »Gut so!«, sagte Lohmann. »Ein Dummer-Jungen-Streich, wird es heißen. Das verzeiht man leichter als einen Überfall.« Er kontrollierte die Pistole. Eine Schreckschusswaffe. Ehe er noch etwas sagen konnte, war der Blonde aufgesprungen und rannte aus der Kirche. Die Tasche mit dem Geld blieb zurück.
    Hinter Lohmann applaudierte jemand.Der Priester kam von der Empore herunter.
    »An dir ist ja wirklich ein Pastor verloren gegangen, Freundchen«, sagte er zu Lohmann. »Ich habe da oben auf der Lauer gelegen, weil in letzter Zeit hier ein Madonnenräuber die Dorfkirchen heimsucht …«
    Lohmann sah wehmütig zu der Madonna. Dann reichte er dem Priester die Geldtasche. »Sie haben ja gehört, was ich versprochen habe«, sagte er. »Erledigen Sie es für mich?«

  



H.P. Karr lebt im Ruhrgebiet. Er veröffentlichte zahllose Stories und rund ein Dutzend Thriller, darunter - gemeinsam mit Walter Wehner - die »Gonzo«-Romane, von denen »Rattensommer« 1996 als bester Krimi das Jahres mit dem Friedrich Glauser-Preis ausgezeichnet wurde. 
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Koehler ist ein Medienprofi. Er ist Berater, Spindoctor, Ghostwriter, PR-Hure. Was er nicht hinkriegt, kriegt keiner hin. Egal ob es die Promotion für den Bestseller eines Serienräubers ist, das Drehbuch für die Jubiläums-Episode einer Seifenoper oder die dreckige Vergangenheit des neuen Teenie-Stars. Wenn Koehler ins Spiel kommt, lösen sich Probleme mit widerspenstigen Schauspielern, karrieregeilen Journalisten oder publicitysüchtigen Showstars in Luft auf. Egal, wer dabei auf der Strecke bleibt.
Wer Koehler mag, braucht Jack Reacher nicht.


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H.P. Karr: Der Herr sieht alles
aus
Gitta Edelmann (Hg) Zwischen Godorf und Gomorrha
23 mörderische Geschichten aus Kirche und Unterwelt
Rheinbach: CMZ Verlag, 2016

© beim Autor/Jahn facts&fiction