27.7.15

Jake Woodhouse
Der fünfte Tag


Tatort Amsterdam
Ein dubioser Diamantenhändler hängt am Ladebaum über der Gracht, im Mund ein Handy mit vier gespeicherten Nummern. Inspektor Jaap Rykel und seine Kollege Kees Terpstra machen sich gerade an die Ermittlungen, als ihr Kollage Andreas Herzog getötet wird. Für Rykel ein traumatisches Ereignis.
Zugleich findet die Polizistin Tanya van der Mark bei der Untersuchung eines niedergebrannten Gehöftes eine Kinderpuppe – obwohl das verbrannte Paar keine Kinder hatte. Ihre Ermittlungen führen Tanya zu ihren Amsterdamer Kollegen und gemeinsam nehmen sie die Spur der bestens organisierten Kinderhändler und Internetpornographen auf, die hinter den Verbrechen stecken.
So weit, so konventionell – was "Der fünfte Tag" des Briten Jake Woodhouse dann doch noch zu einem besonderen Krimi macht, sind die gebrochenen Charaktere seiner Ermittler. Und ihr Nonkonformismus, der wie eine Reminiszenz an Janwillem van de Weterings Amsterdam-Cops aus den 1970ern wirkt .  rja
Krimi mit Nostalgie-Flair (drei Sterne)
Jake Woodhouse
Der fünfte Tag
Page & Turner, 448 Seiten,




















WAZ / NRZ / Funke-Medien 13.8.2015

Tatort Amsterdam – der dubiose Diamantenhändler Friedmann hängt tot am Ladebaum eines Lagerhauses. Ein Mord – mit dem der Täter aber auch auf etwas hinweisen wollte, der Tote hat ein Handy im Mund, auf dem vier Rufnummern gespeichert sind.
Zugleich macht die Polizisten Tanya van der Mark bei der Untersuchung eines niedergebrannten Gehöftes eine seltsame Entdeckung: unter den Trümmern findet sie eine Kinderpuppe – obwohl das verbrannte Paar keine Kinder besaß. Die Ermittlungen führen Tanya dann nach Amsterdam zu Inspektor Jaap Rykel und seinem Kollegen, die sich mit der Leiche am Ladebaum beschäftigen. Es geht um hochorganisierte Kinderhändler und Internetpornographen.
So weit, so konventionell – was die Geschichte zu etwas besonderem macht, sind die gebrochenen Charaktere des Ermittlerteams. Jaap Rykel ist nach einem dramatischen Zwischenfall eine Zeitlang aus dem Polizeidienst ausgestiegen und hat in Asien gelebt – und auch jetzt befragt er in schwierigen Situation lieber sein I GING-Orakel als seine Freunde. Sein Kollege Kees Terpstra ist der bad boy der Truppe, kokainsüchtig, ein Schürzenjäger ohne Gewissen, der am liebsten auf der Überholspur lebt. Ganz anders Tanya van der Mark – die Provinzpolizistin, die diesen Fall ein wenig zu persönlich nimmt.

Zu erleben, wie diese Truppe den Fall – den ersten einer Serie von vier Romanen – löst., ist höchst faszinierend, zumal Jake Woodhouse die Atmosphäre Amsterdams – wo er lange Zeit gelebt hat – auch jenseits der touristischen Sehenswürdigkeiten einfängt.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung, Juni2015)

6.7.15

Der Schwur des Detection Club

 
Dorothy Sayers:

Der Schwur des Detection-Clubs
(Deutsch von Regula Venske)

Der Detection-Club wurde 1928 gegründet, und Sayers gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Die Mitgliedschaft im Club ist äußerst begehrt und erfolgt nur auf Einladung. Zwei andere Clubmitglieder müssen für den Kollegen bürgen, die übrigen der Ernennung zustimmen. Die Anzahl der Auserwählten ist klein und umfaßt in der Regel die führenden Kriminalautoren der Zeit.

Die Abnahme des Eides erfolgt durch den Vorsitzenden, dessen Titel  “The Ruler“  ("der Herrscher"/"die Herrscherin") lautet.

Der EID

THE RULER sage zu dem Kandidaten:

            M. N. <“membrum nominatur“>, ist es dein Wille und Begehr, Mitglied des Detection-Clubs zu werden?

Darauf antworte der Kandidat mit lauter Stimme:


Das ist mein Begehr.

RULER:
Schwörst du, daß deine Detektive die sich ihnen darbietenden Verbrechen geschickt und aufrichtig lösen werden, indem sie von jenen Geistesgaben Gebrauch machen, mit denen sie auszustatten es dir gefällt, und daß du dabei weder auf Göttliche Offenbarung, Weibliche Intuition, Hokuspokus und faulen Zauber, den Zufall oder das Handeln Gottes baust, noch dich dessen bedienst?

Kandidat/in:
Ich schwöre.

RULER:
Schwörst du feierlich, dem Leser niemals ein wesentliches Indiz vorzuenthalten?

Kandidat/in:
Ich schwöre.

RULER:
Wirst du einem gepflegten King´s English die Ehre erweisen?

Kandidat/in:
Ich verspreche es.

Dann möge der RULER fragen:

M. N., gibt es etwas, das dir heilig ist?

Nachdem der Kandidat etwas, das ihm besonders heilig am Herzen liegt, benannt hat, frage der RULER:

M. N., schwörst du bei .... (hier möge der RULER  jene Größe einsetzen, die der Kandidat als sein spezielles “heiliges Ding“ angegeben hat), daß du all diese hier gegebenen Gelöbnisse treu einzuhalten gedenkst, so lange du ein Mitglied des Clubs bist?

Sollte der Kandidat jedoch nicht in der Lange ein, eine ihm heilige Sache zu nennen, so formuliere der RULER den Eid folgendermaßen:

M. N., schwörst du bei deiner Hoffnung, deine Verkaufszahlen zu steigern, daß du all diese hier gegebenen Gelöbnisse treu einzuhalten gedenkst, so lange du ein Mitglied des Clubs bist?

Daraufhin möge der Kandidat sagen:

Ich schwöre es feierlich. Und ich gelobe ferner, mich dem Club gegenüber loyal zu verhalten und keinen Plot und kein Geheimnis je zu plagiieren oder zu verraten, das mir von einem anderen Mitglied vor der Veröffentlichung anvertraut wurde, sei es unter dem Einfluß alkoholischer Getränke oder sonstwie erfolgt.

Dann wende sich der RULER an die versammelte Gesellschaft:

So es ein Mitglied hier im Raume gibt, das Einwendungen gegen den Antrag hat, möge er oder sie sich jetzt erklären.

Sollte es eine solche Person geben, möge der RULER einen Ort und einen Termin bestimmen, um diese Angelegenheit geziemend zu diskutieren; und dem Kandidaten und der Gesellschaft teile er mit:

In Anbetracht der Tatsache, daß wir Hunger haben, und damit es keinen ungebührlichen Zank und Streit zwischen uns gibt, lade ich dich, M. N., ein, heute Abend unser Gast zu sein. Und ich erinnere dich an dein feierliches Gelöbnis, das den Diebstahl oder die Enthüllung von Plots und Geheimnissen betrifft.

 Wenn jedoch niemand einen Einwand erheben sollte, möge der RULER die Mitglieder befragen:

Ruft ihr M. N. zum Mitglied unseres Clubs aus?

Dann möge der Ausrufer der Gesellschaft, oder das Mitglied, das vom Geschäftsführer zu einem solchen berufen wurde, die Gesellschaft mit solchen Beifallsbekundungen anfeuern, wie sie ihm sein Stimmumfang und seine sonstigen Möglichkeiten erlauben. Wenn die Rufe abebben, sei es aus Atemnot oder anderen Gründen, möge der Herrscher diese Erklärung abgeben:

M. N., hiermit ernenne ich dich satzungsgemäß zum Mitglied des Detection-Clubs. Und solltest du dein hier gegebenes Versprechen nicht einhalten, ao mögen andere Autoren deine Plots erraten, deine Verleger dich übers Ohr hauen, Fremde dich wegen übler Nachrede verklagen, deine Seiten mögen vor Druckfehlern strotzen und deine Verkäufe kontinuierlich sinken. Amen.

Danach sagen der Kandidat, und nach ihm alle anwesenden Clubmitglieder:

Amen.

(C) Übersetzung:  Regula Venske, 2006


Kurzform
in der Fassung von G. K. Chesterton:


“Schwörst du, daß deine Detektive die sich ihnen darbietenden Verbrechen geschickt und aufrichtig lösen werden, indem sie von jenen Geistesgaben Gebrauch machen, mit denen sie auszustatten es dir gefällt, und daß du dabei weder auf Göttliche Offenbarung, Weibliche Intuition, Hokuspokus und faulen Zauber, den Zufall oder das Handeln Gottes baust, noch dich dessen bedienst?“

(C) Übersetzung:  Regula Venske, 2006
 





 Dorothy Sayers - The Detection Club Oath


The Detection Club was founded in 1928 - Sayers was one of the founding members. Membership is much coveted and by invitation only. A writer must be sponsored by two other members and approved by the existing members. Membership numbers are small, with the leading detective novelists of the day generally included.

            The oath is administered by the club president whose title is The Ruler.

            OATH

            The Ruler shall say to the Candidate:

            M.N., is it your firm desire to become a Member of the Detection Club?

            Then the Candidate shall answer in a loud voice:

            That is my desire.

            Ruler:

            Do you promise that your detectives shall well and truly detect the crimes presented to them, using those wits which it may please you to bestow upon them and not placing reliance on nor making use of Divine Revelation, Feminine Intuition, Mumbo-Jumbo, Jiggery-Pokery, Coincidence or the Act of God?

            Candidate:

            I do.

            Ruler:

            Do you solemnly swear never to conceal a vital clue from the reader?

            Candidate:

            I do.

            Ruler:

            Will you honour the King's English?

            Candidate:

            I will.

            Then the ruler shall ask:

            M.N. is there anything you hold sacred?

            Then the Candidate having named a Thing which he holds of peculiar sanctity the Ruler shall ask:

            M.N., do you swear by (here the Ruler shall name the Thing which the Candidate has declared to be his Peculiar Sanctity) to observe faithfully all these promises which you have made, so long as you are a Member of the Club?

            But if the Candidate is not able to name a Thing which he holds sacred, then the Ruler shall propose the Oath in this manner following:

            M.N., do you as you hope to increase Sales, swear to observe faithfully all these promises which you have made, so long as you are a Member of the Club?

            Then the Candidate shall say:

            All this I solemnly do swear. And I do furthermore promise and undertake to be loyal to the Club, neither purloining nor disclosing any plot or secret communicated to me before publication by any Member, whether under the influence of drink or otherwise.

            Then shall the Ruler say to the Company:

            If there be any member present who objects to the Proposal let him or her so declare.

            If there be any Objector, the Ruler shall appoint a time and place for the seemly discussion of the matter and shall say to the Candidate and to the Company:

            Forasmuch as we are hungry and that there may no unseemly wrangling amongst us, I invite you, M.N., to bee our Guest to-night, and I hold you to the solemn promise which you have given as touching the theft or revelation of plots and secrets.

            But if there be no Objector, then shall the Ruler say to the Members:

            Do you acclaim M.N. as a Member of our Club?

            Then the Company's Crier, or the Member appointed thereto by the Secretary, shall lead the Company in cries of approval as are within his compass or capacity. When the cries cease, whether for lack of breath or for any other cause, the Ruler shall make this declaration:

            M.N., you are duly elected a Member of the Detection Club, and if you fail to keep our promise, may other writers anticipate your plots, may your publishers do you down in your contracts, may strangers sue you for libel, may your pages swarm with misprints and may your sales continually diminish. Amen.

            Then the Candidate, and after him all the Members present, shall say: Amen.

Quellle:
http://www.sfu.ca/english/Gillies/Engl38301/oath.htm
http://www.sfu.ca/english/Gillies/Engl383/Oath.html


Kurzform
Composed by G. K. Chesterton:
"Do you promise that your detectives shall well and truly detect the crimes presented to them using those wits which it may please you to bestow upon them and not placing reliance on nor making use of Divine Revelation, Feminine Intuition, Mumbo Jumbo, Jiggery-Pokery, Coincidence, or Act of God?"




1.7.15

Rainer Wittkamp:
Frettchenland

Polit-Mord in Berlin
Eine tote Personenschützerin im Waschraum eines Regierungsgebäudes in Berlin. Für Kommissar Martin Nettelbeck wird der Fall zu einem Eiertanz. Er bewegt sich zwischen den Zuständigkeiten der Bundestagsverwaltung, den Intrigen der Polit-Profis und vor allem den Aktivitäten der wohlhabenden Großmutter der Toten, die unbedingt den Mörder ihrer Enkelin finden will. Die schräge Greisin und ihr arabischer Assistent, Fahrer, Hausdiener und Beschützer bringen in dem Thriller "Frettchenland" von Rainer Wittkamp nicht nur Kommissar Nettelbeck ins Schleudern, sondern auch den vermeintlichen Mörder.
Was auffällt ist, dass der Drehbuchprofi Rainer Wittkamp auch ein auszgezeicheter Stilist ist. Was er schreibt, das sitzt, da gibt es kein Drumherumreden, sondern reine, klare, zupackende Prosa. Mit seiner spannenden Mischung aus absurd angeschrägtem Berliner Polizeistück und tödlichem Intrigantenstadel im Reichstag mischt Rainer Wittkamp die deutsche Krimiszene auf. rja
Politthriller made in Berlin (Vier Sterne)

Rainer Wittkamp:
Frettchenland
Grafit, 256 Seiten

NRZ / WAZ / Funke-Medien 20.8.2015