7.12.15

Kult und Klassiker, Neuausgaben und Neuauflagen


Warum gibt es Neuauflagen / Neuausgaben von Kriminalromanen?

Falsch – die Frage muss heißen: 

 

Wieso sind die wichtigen, stilprägenden Kriminalromane nicht ständig verfügbar?
Und weshalb Neuausgaben gemacht werden müssen.


Die wichtigen Kriminalromane wichtiger Autoren sind nicht durchgängig verfügbar, weil…

 

 Die wirtschaftliche Antwort:

Kriminalromane sind Unterhaltungsliteratur, Gebrauchsliteratur, Entertainment. Sie werden nicht mit derselben editorischen Sorgfalt behandelt wie die sogenannte hohe oder "ernste" Literatur. Kriminalromane erfüllen für den Verlag ihren wirtschaftlichen Auftrag ("Gewinn machen") und werden nicht mehr aufgelegt / hergestellt / angeboten, wenn sie das nicht mehr gewährleisten.
Beispiel:
Ross Thomas – seine Polit-Thriller bei Ullstein, oft nach der ersten Auflage out of print

Die verlegerische Antwort

Es kommt immer wieder vor, dass das Werk eines Autors verteilt über die Jahre in verschiedenen deutschen Ausgaben und Verlagen erschienen sind. Das Werk ist dann zumeist – siehe wirtschaftliche Antwort – nicht mehr komplett im Angebot. Andererseits kann auch ein aktueller Verlag aus rechtlichen Gründen nicht immer die "früheren" Werke eines Autors erwerben, um eine Gesamtausgabe zu veranstalten (soweit er meint, dass sich dies überhaupt lohnt)
Beispiele: Ed McBain und die Romane um das 87ste Polizeirevier

Die inhaltliche Antwort:
Kriminalromane sind zeitgebunden – sie haben den Ansatz, die Gegenwart realistisch zu schildern. Deshalb wirken viele Kriminalromane bereits nach zehn Jahren "antiquiert", altmodisch und überholt. Dazu kommt, dass sie auch in der Erzählweise und Form an ihre Zeit gebunden sind. Nur bei wenigen Autoren und Werken ist es so, dass sie sich einen Platz im Kanon der Kriminalliteratur geschaffen haben und es sich "lohnt", sie im Sinne einer Traditionsbildung wieder aufzulegen oder sorgfältig zu editieren.
Beispiel: Donald E. Westlake / Richard Stark: Die Parker Romane

Die Leser-Anwort:
Nachwachsende Krimifans, die ihre Leidenschaft für das Genre anhand aktueller Krimis entdeckt haben, suchen nach den "Wurzeln" des Gneres und möchten wissen, wie das Genre früher aussah und von welchen Autoren es gepägt wurde. Hier können Neuausgaben bei der Traditionsbildung helfen. Wie dies etwa mit den Ausgaben von Agatha Christie geschieht.

Muss es deshalb wirklich Neuauflagen/Neuausgaben geben?
Das Contra-Argument:

Neuauflagen sind angesichts der breiten Verfügbarkeit von antiquarischen Ausgaben  nicht mehr nötig. Und spätestens seitdem Texte  auch als Ebook vorliegen, sind sie ohne große Lagerhaltung permanent online verfügbar.
Unter diesem Aspekt wären nur Neuausgaben in neuen oder vollständigen Übersetzungen sinnvoll oder nötig.


Das aktuelle Krimi-Ranking:


Die acht wichtigsten Krimi-Neueditionen und Werkausgaben


Auf Platz 8
Jörg Fauser (1944 – 1987)

Zuerst schrieb er Lyrik und Texte im Stil der Beat-Geberation über seine Drogebnsucht. Später journalistische und schriftststellerische Arbeiten auf dem schmalen Grad zwischen E- und U-Literatur. Er sah sich als "Handlungsreisenden in Sachen Text". Vier Kriminalromane, klassisch im Zuschnitt, aktuell und viril in der Gegenwartschilderung.



Das Werk: Gedichtsammlungen, Textsammlungen, vier Kriminalromane, eine Biographie (Marlon Brando), Songtexte für Achim Reichel u.v.a.m.

Die Neuausgabe(n):
1990-94 Jörg-Fauser-Edition in acht Bänden, einem Beiheft und Ergänzungsband bei Rogner & Bernhard
2004–2009 Neue Edition der Werke Jörg Fausers beim Alexander Verlag, Berlin. Mit Vor- und Nachworten. Aktuell auch Fausers Bücher als Ebooks

Ist die Neuausgabe sinnvoll: Die zweite Neuausgabe auf jeden Fall, weil sie das Werk auch mit Sekundärtexten erschließt. Fausers Krimis sind stets  nur im Rahmen dieser Neuausgaben erschienen.


J.L. Burke
Foto: Burke/facebook
Auf Platz 7
James Lee Burke: (*1936)

Der große alte Mann des zeitgenössischen US-Krimis. (Kritiker Andreas Ammer: "Burkes Stärke ist die pure erzählerische Wucht.") schuf mit seinem Polizisten Dave Robicheaux   aus New Orleans den archetypischen amerikanischen Helden der Post-Vietnam-Generation

Das Werk:  20 Robicheaux Romane von 1987 bis 2013
Auf deutsch. verstreut auf mindestens zwei Verlage (Ullstein / Goldmann):
mehr als ein Dutzend Titel der Dave Robicheaux-Reihe (1991 – 2002)
Derzeit mit der Hackberry-Holland-Reihe bei Heyne (2014ff)



Die Neuausgabe: Die 12 auf deutsch erschienen Titel der Dave Robicheaux-Reihe als Ebook bei EDEL

Ist die Neuausgabe sinnvoll?
Sinnvoll in dem Sinn, dass die deutschen Titel der Robicheaux-Reihe (elektronisch) verfügbar sind. Ansonsten: reine Rechtevermarktung  ohne Werkpflege.



Auf Platz 6

Agatha Christie (1890 – 1976)
Die Queen of Crime regierte im Golden Age des Genres in den 1920ern und 1930ern und entwickelte die sogenanten Cozies und Landhaus-Krimis bis zur Perfektion.

Das Werk: 66 Romane (zwischen 1921 und 1976)

Deutsche Ausgaben:
Nach dem Krieg beim schweizer Scherz-Verlag, nach dessen Übergang zum Fischer-Verlag dann dort.

Deutsche Neuausgabe:
Alle Romane ab September 2014 im Atlantik-Verlag.
Die Neuausgabe präsentiert zum Teil Neuübersetzungen. Die Ausstattung (Cover) ist einheitlich und an der britischen Ausgabe orientiert.

Warum war die Neuausgabe sinnvoll?
Die alten Übersetzungen waren zum Teil gekürzt, sie sind auch sprachlich sehr ihrer Zeit (fünfziger Jahre) verhaftet.


Auf Platz 5
Ross Macdonald: (1915 – 1983)
Ross Macdonald alias Kenneth Millar (Realname) schuf mit seinem Detektiv Lew Archer den legitimen literarischen Erben von Chandlers Philip Marlowe.

Das Werk: 18 Lew Archer-Romane, diverse andere Krimis als "Kenneth Millar"

Deutsche Ausgaben: verteilt auf drei Verlage, teilweise unter Kenneth Millar, später unter Ross Macdonald, in verschiedenen Schreibweisen.

Die Neuausgabe: 18 Lew Archer-Romane bei Diogenes
ab Anfang der 1980 nicht kontinuierlich, im Zusammenhang mit der Übernahme der deutschen Macdonald-Rechte durch Diogenes
Aktuell teilweise in Neuübersetzungen, meist mit einem Nachwort von Donna Leon

Ist die Neuausgabe sinnvoll?
So, wie sie begonnen wurde  (keine Kontinuität, keine Konsequenz) eher nicht


Bild: CrossCult
Auf Platz 4
Ian Fleming (1908 – 1964)
Er schuf  den archtypischen Helden der Moderne: Bond, James Bond. Die Bond-Romane lieferten die Vorlage für eine der erfolgreichsten Serien der Kinogeschichte, sie waren stilprägend für die Spionage- und Thriller-Litteratur der Nachkriegszeit und des Kalten Krieges.

Das Werk: 12 Romane, 9 Stories

Die deutsche Ausgabe:
verteilt auf zwei Verlage (Scherz und Ullstein), in jeweils ihrer Zeit gemäßen, etwas gekürzten Übersetzungen. Dann lange Zeit out of print.

Die Neuausgabe:
Seit zwei Jahren im Verlag CrossCult, der die Gesamtrechte an Flemings Bond-Werk, inklusive der nachgeschriebenen Romane erworben hat.
Die Ausgaben werden alle neu übersetzt und erhalten ein einheitliches Coverdesign.

War die Ausgabe nötig:
Ja. Denn sie liefert erstmals den integralen Roman-Bond.

Trivia: Der Flughafen auf Jamaika heißt ab 2011 Ian Fleming International Airport.


McBain bei Ullstein
Foto: Jahn
Auf Platz 3
Ed McBain (1926 – 2005)
EdMcBain gilt mit seinem Romanen um das Personal des 87sten Polizeirevier im fiktiven "Isola" als der Schöpfer des modernen Polizeiromans. Er "erfand" das aus einzelnen Persönlichkeiten bestehende "Team", das den Solo-Ermittler des "private eye" ablöste. Mit seinem  am Film und Fernsehen orientierten Stil führte er den Krimi in die Moderne.

Das Werk: Die 87ste Revier Romane (55 Titel)

Die deutschen Ausgaben:
Zunächst bei Ullstein als GELBE KRIMIS, später bei Bastei-Lübbe

Die Neuausgabe:
Der Hamburger Culturbook-Verlag begann zusammen mit dem großen Fanbuch "Cops in the City" von Alf Mayer und Frank Göhre mit der Neuausgabe der 87ste Revier-Romane als Ebook. Die Neuausgabe wird zunächst die auf deutsch erschienenen Titel  zusammenführen, später möglicherweise auch die noch nicht übersetzten Titel bringen.

Ist die Neuausgabe nötig: Ja.


Georges Simenon
Bild: wikipedia CC BY-SA 3.0
Auf Platz 2
Georges Simenon (1903 – 1989)
Der französische Schnell- und Vielschreiber schuf eine der prägenden Figuren des europäischen Kriminalliteratur: Kommissar Jules Maigret. Simenons Stil ist klar, einfach, voller Atmosphäre und mit einem scharfen Blick auf die Menschen.

Das Werk: 193 Romane (davon 75 Maigret-Romane)

Die deutschen Ausgaben:
Nach dem Krieg in zwei Verlagen – Kiepenheuer und Witsch und Heyne. Ohne editorische Ambition. Erst mit dem Übergang der Rechte zu Diogenes begannen sogfältige Editionen.


Die Neuausgabe:
Diverse Neuausgaben bei Diogenes, zuletzt alle Maigret-Romane und teilweiser Neuübersetzung. Es folgten auch die  kompletten sogenannten "Non-Maigrets".

War die Neuausgabe nötig: Unbedingt.


Und auf Platz 1
Ross Thomas: (1926 – 1965)Ross Thomas war Soldat, Journalist, Wahlkampfberater, Schriftsteller – und das alles neben- und nacheinander auf den Philipinen, den USA, in Deutschland und Nigeria.
Seine Polit-Thriller sind geschliffen erzählte Analysen von Machtstrukturen im westlichen Kapitalismus. Er ist der würdige Nachfolger von Eric Ambler.

Das Werk: 25 Romane (davon 5 als "Oliver Bleeck")

Deutsche Ausgaben: verteilt auf verschiedene Verlage, primär Ullstein Krimis. Die frühen Romane sind teilweise radikal gekürzt

Die Neuausgabe: nach und nach im Alexander-Verlag.
Neuübersetzungen und bearbeitete und ergänzte Übersetzungen. Dazu Nachworte.

Ist die Neuausgabe sinnvoll? Unbedingt.

25.11.15

Fumonori Nakamura
Der Dieb

Ein perfekter kleiner Noir-Thriller, der uns in die Welt der Diebe und Gangster mitnimmt und uns die Menschen zeigt, die dort leben.
Unser Held ist ein Taschendieb. Einer, der seine Profession auch ein wenig als hohe Kunst betreibt. Bei einem seiner Streifzüge fällt ihm eine junge Mutter mit ihrem halbwüchsigen Sohn aus, der sehr stiehlt, während die Mutter ablenkt. Schon bald wird unser Held den Jungen näher kennenlernen, sogar so etwas wie ein Vaterersatz und Lehrer für ihn werden. Doch es gibt auch eine andere Geschichte – in der unser Held mit einem Freund von einer mysteriösen Gangsterorganisation als Helfer bei einem Raubüberfall auf einen reichen Mann angeheuert werden. Hinter der Tat steckt viel mehr, das begreift unser Held spätestens dann, als sein Freund verschwindet. Und er von den Auftraggebern gezwungen wird, für sie zu stehlen. Es sind fast unlösbare Aufgaben, die er lösen muss, und je mehr es ihm gelingt, desto klarer wird ihm, dass er diesen Job nicht überleben wird.
Ein packend erzählter, extrem dichter, reduzierte Unterweltroman. Knappe Sätze., exakte Beobachtungen, konzentrierte Szenen.
Perfekte Krimi-Unterhaltung.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung, Dez 2015)

Fumonori Nakamura
Der Dieb
Diogenes





Taschendieb in Tokio
Unser Held ist ein Taschendieb in Tokio. Einer, der seine Profession als hohe Kunst betreibt. Bei einem seiner Streifzüge fällt ihm eine junge Mutter auf, deren halbwüchsiger Sohn stiehlt, während die Mutter ablenkt. Schon bald wird unser Held den Jungen näher kennenlernen, sogar so etwas wie ein Vaterersatz und Lehrer für ihn werden. Doch es gibt auch eine andere Geschichte in "Der Dieb" von Fuminori Nakamura. Da werden unser Held und sein Freund von der Yakuza als Helfer bei einem Raubüberfall auf einen reichen Mann angeheuert. Hinter der Tat steckt aber mehr, das begreift unser Held spätestens dann, als sein Freund verschwindet. Und er von den Auftraggebern gezwungen wird, für sie zu stehlen. Es sind fast unlösbare Aufgaben, die er lösen muss, und je mehr es ihm gelingt, desto klarer wird ihm, dass er diesen Job nicht überleben wird.
Ein packender, extrem dichter, reduzierter Unterweltroman. Knappe Sätze, exakte Beobachtungen, konzentrierte Szenen.  rja
Perfekter Noir (fünf Sterne)
Fuminori Nakamura:
Der Dieb
Diogenes, 224 Seiten,

WAZ / NRZ / Funke-Medien 4.2.2016



24.11.15

Jeong Yu-jeong
Sieben Jahre Nacht


Es ist nur ein Moment der Unachtsamkeit und schon ändert sich das Leben des Mannes, der nachts mit seinem Wagen auf dem Weg zum Stausee ist., wo er als Sicherheitschef arbeiten soll. Ein Unglück ist geschehen, das sein Leben und das seiner neuen Kollegen und Nachbarn von Grund auf ändern wird. Ein Mädchen ist gestorben, und der Verdacht, der bald bei den Bewohnern des Ortes am Stausee aufkommt, wird noch mehr Leben zerstören.

Weite Perspektiven für die Landschaftsbeschreibungen, dichte, konzentrierte Blick auf die Menschen, die dort am Staudamm leben und durch ein Verbrechen aneinander gefesselt werden – bis in die nächste Generation hinein. Der Roman liefert neben der souverän aufgebauten Spannungsgeschichte mit ihren lebensnahen, empathisch geschilderten Figuren auch einen Blick auf ein Land, das wir kaum kennen: Korea. Um  mit den etwas ungewohnten koreanischen Namen zurechtzukommen hilft ein kleiner Trick: einfach beim Lesen die Namen der Hauptfiguren aufschreiben und notieren, wie sie mit wem verwandt sind. Dann klappt's auch mit dem Korea-Krimi.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Jeong Yu-jeong
Sieben Jahre Nacht
Unionsverlag

23.11.15

Maurizio de Giovanni
Die Gauner von Pizzofalcone


Gleich mehrere Fälle muss der neapolutansiche Inspektor Lojacono mit seinen Kollegen lösen. Und die Kollegen sind auch so ein Fall – die "Gauner vom Revier Pizzofalcone" werden die intern genannt, weil auf dme Revier einmal einige korrupte Drogenpolizisten eine größere Portion beschlagnaghmnten Stoffes in die eigenen Taschen gesteckt haben.
Zur Erneueurng des Personals sind aus den anderen Revieren jetzt Polizisten abkommandiert – oder soll man sagen: abgeschoben worden. Unter ihnen Inspektor Lajacono, dem der unberechtigte Ruf anhängt, zu enge Kontakte zur Mafia zu haben.
Zwoe Fälle also: die Frau eines wohlhabenden Notars ist in ihrer Wohnung ermordet worden. Wollte der Gatte endlich frei sein für seine Geibete?
Und dann gibt es noch die junge Frau, die scheinbar wie eine Gefangene in einer Luxuswohnung lebt, nur besucht von einem älteren Mann.
Der zweite Roman im Inspektor Lojacono bleibt deutlich hinter dem Debüt "Das Krokodil" zurück. Die Geschichte ist zwar ordentlich gebaut, die Personen gut entworfen, doch der Funke will bei den Gaunern vom Revier Pizzafalcone nicht zünden.
(Reinhard Jahn, WDR5 Mordsberatung)

Maurizio de Giovanni
Die Gauner von Pizzofalcone
Wunderlich/Rowohlt

12.11.15

Renée Knight
Deadline

Catherine ist Journalistin und Dokumentarfilmerin, sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in einem Vorort von London. So weit, so normal, bis Catherine ein Buch auf ihrem Nachttisch findet und anfängt zu lesen. Sie kann nicht fassen, was da steht – offenbar kennt der Autor einen Vorfall aus Ihrem Leben, von dem wirklich niemand außer ihr etwas wissen kann. Catherine ist geschockt und verängstigt: Woher kennt der Autor – dessen Name ihr nichts sagt - ihr Geheimnis. Und vor allem: Was bezweckt er mit seinem Buch, das er ihr zugespielt hat. Und nicht nur ihr, sondern offenbar auch ihrem Mann und ihrem Sohn.
Die Suche nach dem Unbekannten und seinen Motiven wird für Catherine zu einer Reise in die Vergangenheit – die längst nicht so romantisch und idyllisch war, wie sie es sich und ihrem Mann immer einzureden versucht hat.
Was als prickelnder Psycho-Thriller beginnt, versandet dann aber leider in einem überzogenen Melodram, das die Geduld des Lesers ziemlich auf die Probe stellt. Und weil ohnehin von Beginn an klar zu sein scheint, dass am Ende Catherines Glück zerstört sein wird, überrascht die finale Auflösung der Story auch nicht mehr.
Prickelnder Psycho-Thriller über die dunklen Seiten in uns, vor denen wir nur allzugern die Augen verschließen.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Renée Knight
Deadline
Goldmann
352 Seiten

8.11.15

Jeong Yu-jeong
Sieben Jahre Nacht

Es ist nur ein Moment der Unachtsamkeit und schon ändert sich das Leben des Mannes, der nachts mit seinem Wagen auf dem Weg zum Stausee ist., wo er als Sicherheitschef arbeiten soll. Ein Unglück ist geschehen, das sein Leben und das seiner neuen Kollegen und Nachbarn von Grund auf ändern wird. Ein Mädchen ist gestorben, und der Verdacht, der bald bei den Bewohnern des Ortes am Stausee aufkommt, wird noch mehr Leben zerstören.

Weite Perspektiven für die Landschaftsbeschreibungen, dichte, konzentrierte Blick auf die Menschen, die dort am Staudamm leben und durch ein Verbrechen aneinander gefesselt werden – bis in die nächste Generation hinein. Der Roman liefert neben der souverän aufgebauten Spannungsgeschichte mit ihren lebensnahen, empathisch geschilderten Figuren auch einen Blick auf ein Land, das wir kaum kennen: Korea. Um  mit den etwas ungewohnten koreanischen Namen zurechtzukommen hilft ein kleiner Trick: einfach beim Lesen die Namen der Hauptfiguren aufschreiben und notieren, wie sie mit wem verwandt sind. Dann klappt's auch mit dem Korea-Krimi.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Jeong Yu-jeong
Sieben Jahre Nacht
Unionsverlag

7.11.15

Maurizio de Giovanni
Die Gauner von Pizzofalcone


Gleich mehrere Fälle muss der neapolutansiche Inspektor Lojacono mit seinen Kollegen lösen. Und die Kollegen sind auch so ein Fall – die "Gauner vom Revier Pizzofalcone" werden die intern genannt, weil auf dme Revier einmal einige korrupte Drogenpolizisten eine größere Portion beschlagnaghmnten Stoffes in die eigenen Taschen gesteckt haben.
Zur Erneueurng des Personals sind aus den anderen Revieren jetzt Polizisten abkommandiert – oder soll man sagen: abgeschoben worden. Unter ihnen Inspektor Lajacono, dem der unberechtigte Ruf anhängt, zu enge Kontakte zur Mafia zu haben.
Zwoe Fälle also: die Frau eines wohlhabenden Notars ist in ihrer Wohnung ermordet worden. Wollte der Gatte endlich frei sein für seine Geibete?
Und dann gibt es noch die junge Frau, die scheinbar wie eine Gefangene in einer Luxuswohnung lebt, nur besucht von einem älteren Mann.
Der zweite Roman im Inspektor Lojacono bleibt deutlich hinter dem Debüt "Das Krokodil" zurück. Die Geschichte ist zwar ordentlich gebaut, die Personen gut entworfen, doch der Funke will bei den Gaunern vom Revier Pizzafalcone nicht zünden.
(Reinhard Jahn, WDR5 Mordsberatung)

Maurizio de Giovanni
Die Gauner von Pizzofalcone
Wunderlich/Rowohlt

6.11.15

Patrick Brosi:
Der Blogger.


Die junge Journalistin Marie Sommer wird auf den untergetauchten Blogger René Berger angesetzt. Der hat ins einem Blog vor einiger Zeit Daten über manipulierte Zulassungsstudien eines Pharmaunternehmens geleakt. Und jetzt erwartet man, dass er mit einer weiteren Enthüllung aufwartet.
Die letzte Spur von ihm scheint in den Schwarzwald zu führen – wo ein Mann am Titisee bei einem Bootsverleih ein Ruderboot mietet, hinausfährt – und verschwindet. War das René Berger?

Das sind nur zwei der vier Handlungsfäden, aus denen Patrick Brosi seinen Debütthriller DER BLOGGER geknüpft hat. Souverän verwebt er die Handlungen und auch die Zeitebenen miteinander, so dass ein vielschichtiger Roman entsteht, der eine komplexe Geschichte von Medienmanipulation, Mord und Wirtschaftskriminalität erzählt. Gekonnt vermittelt die komplexe Dramaturgie , wie sich die Bereich durchdringen und sich gegenseitig ergänzen.
Dass am Ende die ermittelnde Polizei mit fast leeren Händen dasteht, ist zwar bedauerlich – aber nur folgerichtig.
Komplexer, souverän erzählter Wirtschafts- und Medienthriller voller aktueller Zeitbezüge.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)




Dunkle Geschäfte
Die Journalistin Marie Sommer wird auf den untergetauchten Blogger René Berger angesetzt. Der hat Daten über manipulierte Zulassungsstudien eines Pharmaunternehmens geleakt. Jetzt erwartet man weitere Enthüllungen von ihm. Doch seine Spur verliert sich im Schwarzwald. Gerade dort, wo ein Mann am Titisee ein Ruderboot mietet, hinausfährt – und verschwindet. War das René Berger?
Das sind nur zwei der vier Handlungsfäden, aus denen Patrick Brosi seinen Thriller "Der Blogger" geknüpft hat. Souverän verwebt er sie auf verschiedenen Zeitebenen zu einer komplexen Story von Medienmanipulation, Mord und Wirtschaftskriminalität aus der Medizinbranche. Gekonnt vermittelt die komplexe Dramaturgie, wie sich Wirtschaft und Verbrechen durchdringen.
Dass am Ende die ermittelnde Polizei mit fast leeren Händen dasteht, ist zwar bedauerlich – aber nur folgerichtig.    rja
Souverän erzählt (drei Sterne)
Patrick Brosi:
Der Blogger
Emons, 480 Seiten,

WAZ / NRZ / Funke Medien 13.2.2016


5.11.15

Max Rhode: Die Blutschule
Sebastian Fitzek: Das Joshua-Profil


Ein ganzes Buch, um die Vorgeschichte eines anderen Buches zu erzählen. Ein populärer Autor, der unter einem Decknamen schreibt. Sebastian Fitzek – die "Helene Fischer des deutschen Krimis" ist immer wieder für eine Überraschung gut.
In seinem aktuellen Roman DAS JOSHUA-PROFIL geht es um einen ambitionierten  Horrorschriftsteller namens Max Rhode. Der hat gerade mal einen Erfolg landen können: DIE BLUTSCHULE, einen blutigen, teilweise extremen Teenager-Horror-Splatter-Roman, wie wir ihn von Autoren wie Richard Laymon kennen. Eine als Tagebuch aufgemachte Geschichte eines Vaters, der durch den mysteriösen Einfluss eines Sees in Brandenburg verrückt wird.
Diese Max Rhode, Held des JOSHUA-PROFILS, erlebt in Berlin jetzt einen Alptraum: Seine Pflegetochter Jola, die er und seine Frau aus den Hände eines Junkie-Pärchens gerettet hat, soll ihm plötzlich vom Jugendamt entzogen und zu den leiblichen Eltern zurückgebracht werden. Unter anderem, weil Maxens Bruder wieder den Kontakt zur Familie sucht – der pädophile Cosmo.
Spannend und voller überraschender Wendungen. Typisch Fitzek eben!

Rhode, Max Die Blutschule
Und
Sebastian Fitzek "Das Joshua-Profil"
Bastei Lübbe

4.11.15

Dirk Schmidt:
Task Force Hamm - Ertränkt, erhängt, erschossen


Fans das Radio-TATORTS der ARD kennen die "Task Force Hamm" aus den Krimis, mit denen der WDR den Sendeplatz bestückt. Und sie lieben die Versager-Cops, die vom LKA abgeschoben werden in die kreisfreie Polizeibehörde Hamm. Zum Beispiel Kommissar Scholz, der mit der Spielsucht seine Ehe, sein Karriere und fast sein Leben ruiniert hat. Aber davon abgesehen ein ganz guter Ermittler ist. In Hamm trifft er auf Kommissar Latotzke, westfälisches Urgestein, der seine Karriere nur der Tatsache verdankt, dass er jemand im Rathaus kennt. Nebenbei legt er als DJ auf und dreht im Auto immer "Ein Stern, der deinen Namen trägt" voll auf. Und nicht zuletzt Vorderbäumen, Chef dieser Versagertruppe, der seit Jahren gegen seine Frühpensionierung prozessiert und nebenbei mit Möbeln aus dem örtlichen Großmarkt handelt.
Jetzt gibt es neben den Hörspielen mit der Truppe auch den ersten Roman zur TASK FORCE HAMM. Es geht um den örtlichen Metzger, der in seiner  Metzgerei ertrunken ist, ehe er dort erhängt wurde – und man zum Schluss noch das Bolzenschussgerät an ihm ausprobierte.
Wer  - oder was? steckt hinter diesem Overkill? Der Tote war ein Zocker, hatte Schulden beim örtlichen Gangster. Aber woher hatte er dann das Geld, um sich eine hübsche Katalogbraut aus Thailand nach Hamm kommen zu lassen?
Ein vertrackter Fall für die TASK FORCE, ohne Zweifel. Aber keine Sorge, der Autor Dirk Schmidt kann erzählen wie der Teufel – spitz und witzig, präzise, sarkastisch und  auch mal satirisch überspitzt. Damit wird der der Roman zu einer der besten und unterhaltsamsten Krimis des Jahres.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)





Gnadenlos amüsant
Hörspielfans kennen die "Task Force Hamm" von Dirk Schmidt als Beiträge des WDR zum monatlichen Radio-Tatort. Wer sie nicht kennt, hat erstens etwas verpasst und zweitens jetzt die Chance, die angeschrägten Kommissare von der kreisfreien Polizeibehörde Hamm kennen zu lernen.
Zur Task Force nach Hamm wird nämlich abgeschoben, wer für den normalen Polizeidienst untragbar scheint. Zum Beispiel Kommissar Scholz, der mit der Spielsucht seine Ehe, sein Karriere und fast sein Leben ruiniert hat. In Hamm trifft er auf Kommissar Latotzke, westfälisches Urgestein, der neben bei als DJ jobbt. Zusammen mit ihrem Chef, der seit Jahren gegen seine Frühpensionierung prozessiert, müssen sie ermitteln, wer den örtlichen Metzger in seiner Metzgerei "Ertränkt, erhängt, erschossen" hat.
Ein vertrackter Fall, ohne Zweifel. Aber keine Sorge, der Essener Autor Dirk Schmidt kann erzählen wie der Teufel – spitz und witzig, präzise, sarkastisch und auch gern satirisch überspitzt.  rja
Beste Krimi-Comedy (Fünf Sterne)
Dirk Schmidt:
Task Force Hamm – Ertränkt, erhängt, erschossen
Grafit, 224 Seiten


3.11.15

Anthony Horowitz
Trigger Mortis - der Finger Gottes


James Bond ist zurück – in einem Roman, der von Anthony Horowitz im Auftrag der Bond-Erben geschrieben hat. Nach Sebastian Faulks (Devil may care), Jefferey Deaver (Carte Blanche) und William Boyd (Solo) erweckt er den Agenten mit der Dienstnummer 007 zum Leben – und zwar mit einem Abenteuer, das zeitlich unmittelbar an Bonds Duell mit dem Milliardär Auric Goldfinger anschließt.
Wir sind also Anfang der sechziger Jahre, der Kalte Krieg hält die Welt gefangen, deshalb nimmt der britische Geheimdienst es sehr ernst, dass die Russen offenbar alles daran setzen, mit einem Team bei einem Autorennen auf dem Nürburgring teilzunehmen. Und es zu gewinnen. Natürlich gehört Autorennen zu fahren auch zu Bonds Talenten, und so findet er sich schnell an der Rennstrecke in der Eifel wieder, wo er getarnt als schwer gelangweilter Brite unter den Rennzirkus mischt. Die Russen, die er im Visier hat – und diese bald auch ihn -  treffen sich dabei mit dem mysteriösen koreanischen Businessmann Jason Sin – und das ist denn auch der Superschurke, mit dem es Bond in diesem Buch zu tun bekommt.
Anthony Horowitz erzählt das Bond-Abenteuer nicht nur mit allen Zutaten eines ordentlichen Bond-Romans – schöne Frauen, harte Faustkämpfe, schmerzhafte Folterszenen – es gelingt ihm auch, den schlanken, schnörkellosen Stil von Ian Flemings Original-Bond-Romanen treffen.
Bond ist wieder da - smart, cool und spannend.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)







 Retro-Bond
James Bond ist zurück – in einem von den Erben Ian Flemings lizenzierten Roman, den – nach Jeffery Deaver und William Boyd - diesmal Anthony Horowitz schreiben durfte. Der hat bereits Conan Doyles Sherlock zu neuem Leben erweckt und ist als Bond-Erneuerer eine gute Wahl. Er schließt mit seinem 007-Abenteuer "Trigger Mortis" direkt an Flemings "Goldfinger" an: wir befinden in den sechziger Jahren, der Kalte Krieg hält die Welt gefangen. Deshalb nimmt es der  Geheimdienst Ihrer Majestät sehr ernst, dass die Russen mit einem Team bei einem Autorennen auf dem Nürburgring teilnehmen. So findet sich James Bond schon bald, getarnt als schwer gelangweilter Brite, im Rennzirkus rund um die "Grüne Hölle" in der Eifel wieder.
Anthony Horowitz erzählt mit allen Zutaten eines ordentlichen Bond-Romans – schöne Frauen, harte Faustkämpfe, rasante Verfolgungsjagden – es gelingt ihm auch, Ian Flemings schlanken Stil treffen.    rja
Bond bleibt Bond (Vier Sterne)
Anthony Horowitz:
Trigger mortis – Der Finger Gottes
CrossCult, 380 Seiten

2.11.15

Judith Merchant
Rapunzelgrab

Haariger Krimi
Ein Mord fast wie im Märchen: Die tote Frau vor dem Hexenturm in Rheinbach hat kein Haar mehr auf dem Kopf, dafür aber ein Bündel Haare im Magen. Einfache Erklärung: Sie litt am Rapunzelsyndrom – bei dem Menschen sich zwanghaft die Haare ausreißen und verschlucken.
Die Ermittlungen im Rapunzelmord von Judith Merchant führen die Polizei schnell zu einem Autorenzirkel, dem die Tote angehörte und den Besuchern der Lesung eines Starautors im Hexenturm. Kannte die Tote den Bestseller-Kollegen? Und was haben die etwas schrägen Mitglieder des Rheinischen Autorenkreises mit dem Mord an ihrem jungen Mitglied zu tun?
Judith Merchant portraitiert sie alle mit sanftem Sarkasmus - den Möchtegernautor, den Science Fiction-Vielschreiber, den smarten Literaturagenten, die Verlagsleuten und Kulturjournalistinnen. Allesamt überdrehte Literaturliebhaber, aber auch liebenswerte Zeitgenossen. Wenn es da nicht einen Mörder unter ihnen gäbe. rja
Von Büchern und Buchmachern
(Vier Sterne)
Judith Merchant:
Rapunzelgrab
Knaur, 416 Seiten,


Ein Mord fast wie im Märchen: Vor dem Hexenturm in Rheinbach wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Seltsam, dass die Tote keine eigenen Haare auf dem Kopf hat – und stattdessen eine billige Karnevalsperücke trägt. Noch seltsamer, dass man bei der Obduktion in ihrem Magen ein Bündel menschlicher Haare findet. Einfache Erklärung: Die Tote litt an dem sogenannten Rapunzelsyndrom – bei dem Menschen sich zwanghaft  eigenes Haar ausreißen und verschlucken.
Die Ermittlungen der Polizei führen schnell zu einem Autorenzirkel, dem die Tote angehörte und den Besuchern einer Autorenlesung, die im Hexenturm stattgefunden hat. Kannte die Tote den Starautor der dort mit seinem Roman "Rapunzeltod" auftrat? Was haben die etwas schrägen Mitglieder des Rheinischen Autorenkreises mit dem Mord an ihrem jungen Mitglied zu tun?
Judith Merchant schickt im "Rapunzelgrab" ihren rheinischen Kommissar Jan Seidel und sein Team zum dritten Mal ins Rennen. Die Ermittlungen bei den Hobby- und Möchtegernautoren, dem Science Fiction-Vielschreiber, einem smarten Literaturagenten, dem Starautor, Verlagsleuten und Journalistinnen lassen den Kommissar ganz neue Einblicke in die Literaturszene gewinnen.

Judith Merchant portraitiert die Branche der Buchmacher und Buchleser mit liebevollem Sarkasmus und zeichnet ihre Protagonisten als schräge, aber liebenswerte Zeitgenossen. Wenn es da nicht einen Mörder unter ihnen gäbe.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Judith Merchant:
Rapunzelgrab
Knaur

1.11.15

Andrea Ecker
Die Nebelgängerin


Theresa ist Thanatopraktikerin – sie richtet beim Bestatter die Verstorbenen zur Trauerfeier her. Als ihre Mutter stirbt, findet sie in deren Tagebüchern einen Hinweis, der sie verstört. Angeblich hat sie eine Schwester, eine Zwillingsschwester sogar. Alice soll sie heißen. Aber wie kann das sein? Angeblich hat Theresas Mutter sich als Leihmutter für ein wohlhabendes Paar zur Verfügung gestellt  und wurde mit Zwillingen schwanger – von denen sie nur ein Kind behalten hat: Theresa.
Theresa setzt alles daran, diese Alice zu finden – und sie stöbert sie in der Tat auf. In Wien. Dort lebt Alice, gefeierte Sängerin, Mutter einer Tochter.
So sehr Theresa zunächst eigentlich den Kontakt zu ihrer Schwester haben wollte, so zögerlich ist sie jetzt auf einmal, als sie die Möglichkeit hat, sie kennen zu lernen. Sie bleibt im Hintergrund, beobachtet  ihre Schwester und deren Tochter. Dann wird sie Zeugin eines Todesfalles. Spätestens jetzt muss sie begreifen, dass ihre Schwester nahezu das komplette Gegenteil von ihr ist – berechnend, skrupellos, gefährlich.
Eine Geschichte, die sanft wie auf Katzenpfoten daherkommt und einen dann immer mehr in ihren Bann zieht. Ein Psychothriller der sanften Art, einfühlsam geschrieben und packend bis zum Schluss.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)


Aus dem Reich der Toten
Theresa ist Thanatopraktikerin – sie richtet beim Bestatter die Verstorbenen her. Als ihre Mutter stirbt, erfährt sie aus deren Tagebuch, dass sie eine Zwillingsschwester hat – Alice. Wie kann das sein? Angeblich hat Theresas Mutter sich als Leihmutter für ein wohlhabendes Paar zur Verfügung gestellt und wurde mit Zwillingen schwanger – von denen sie ein Kind behalten hat: Theresa.
Theresa will die Schwester kennenlernen und stöbert sie auf. In Wien. Dort lebt Alice, gefeierte Sängerin, Mutter einer Tochter. Und dann wird sie Zeugin eines Todesfalles in Alices Umgebung. Spätestens jetzt muss sie begreifen, dass ihre Schwester das komplette Gegenteil von ihr ist – berechnend, skrupellos, gefährlich.
Die Essener Autorin Andrea Ecker erzählt die Geschichte des bösen Zwillings sanft, einfühlsam und packend bis zum Schluss.   rja
Stimmungsvoller Psycho (Vier Sterne)
Andrea Ecker:
Die Nebelgängerin
edition Oberkassel, 350 Seiten

NRZ / WAZ / Funke-Medien 9.1.2016

26.10.15

Die Mordsberatung auf WDR5: Halloween
Des Todes dunkle Ahnung


Factsheet

An Halloween, der Nacht der wandernden Seelen, ist das Krimikompetenzteam der WDR 5 Mord(s)beratung zu Gast bei den 5. Aachener Krimitagen.

Unter der Leitung von Chief-Inspektor Thomas Hackenberg gehen die WDR 5 Krimi-Experten Ulrich Noller (KrimiZEIT-Bestenliste), Reinhard Jahn (Bochumer Krimiarchiv) und die Journalistin Ingrid Müller-Münch der Frage nach, wieviel Mystery, Grusel und Hokuspokus ein guter Krimi verträgt. Sind die Polizei-Profiler die modernen Geisterjäger? Wie passen Intuition, Zweites Gesicht und akribische CSI-Ermittlungen zusammen? Das Krimi-Expertenteam geht dem Phänomen der „Mystery“ -Krimis konsequent auf den Grund. Und wie immer empfiehlt es seine Favoriten der letzten Monate und beantwortet Fragen aus dem Publikum
Hörerinnen und Hörer können sich per E-Mail an der Sendung beteiligen. mordsberatung@wdr.de

Redaktion: Petra Brandl
Moderation: Thomas Hackenberg aka "Der Chief-Inspector"
Live Sendung von den Aachener Krimitagen
Forum der VHS Aachen Peterstraße 21- 25 52062 Aachen
Beginn: 21.05 Uhr Ende: 23.00 Uhr
Einlass: 20.30 Uhr Kartenpreise: 10,--/8,--€ | Karten erhältlich
Karten im VVK
• Buchhandlung Schmetz am Dom, Münsterplatz 7–9,
Telefon: 0241 31369
• Frankenberger Buchladen, Schlossstraße 12,
Telefon: 0241 541079
• VHS Aachen, Peterstraße 21–25,
Telefon: 0241 4792-111
Kinokarten ausschließlich: Eden Palast / Cineplex,Telefon: 0241 413180 oder www.cineplex.de


Krimi trifft Mystery.

Geht das überhaupt – der Krimi ist schließlich das Genre der Rationalität und der Aufklärung. Hier wird mit klaren Fakten gearbeitet, wird die Wirklichkeit beschrieben und untersucht, so wie sie ist und wie wir sie alltäglich erfahren und erleben.
Es geht um Verbrechen – meist Mord und Totschlag, und es geht darum, die Täter dieser Verbrechen mit den Mitteln der Logik, der Wissenschaft, der Gedankenarbeit zu finden.
Krimi löste ja gerade den "Schauerroman" ("Gothic Novel") des 18. Jahrhunderts ab – in dem die Helden mit Geistern, Dämonen und allerlei Zauberei zu kämpfen hatten.

Dagegen ist Mystery das Genre der Irrationalitäten. In Mystery-Romanen spielen Dinge und Vorkommnisse ein Rolle, die nicht mit rationalen Mitteln zu erklären sind. Es geht um Geister, mysteriöse Vorfälle, unerklärliche Ereignisse, hinter denen keinen Menschen stecken, sondern "Mächte", "Geister" oder irgendeine Art von irrationalem "Zauber".
Anders als in einem Krimi geht es im Mysteryroman nicht darum, das Unheimliche oder das Unerklärliche zu erklären (also zu rationalisieren), sondern darum, es zu begreifen und zu akzeptieren.
Stilistisch und erzählerisch bedient sich der Mysteryroman nicht der klaren Aussage, sondern arbeitet mit Andeutungen, dem Beschreiben von Stimmungen und Emphase. Bei der Darstellung von Gewalt bedient er sich oft beim Horror, indem er exzessive Gewalt, Verstümmelungen oder Ekelszenen schildert.
Nicht deckungsgleich, aber weitgehend überschneidend kann für dieses Genre im Deutschen auch der Begriff der "Phantastik" verwendet werden.


Im Bereich der Fernsehserien fallen Produktionen wie
-Twin Peaks
-Akte X
-Lost,
-Fringe
in den Bereich der Mystery.


Dabei verwenden wir hier im Deutschen den Begriff MYSTERY mit deutlichem Bezug zu dem, was im englischen Sprachraum als FANTASY oder (MYSTERY-)HORROR bezeichnet wird.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mystery

MYSTERY heißt im englischen nämlich der "klassische" Krimi, der Detektiv- oder Polizeiroman.
Beziehungsweise jede Art von Spannungsliteratur, in der es um die Aufdeckung von Geheimnissen und/oder die Lösung von Rätseln geht. Von daher werden auch die Romane von Dan Brown  (die wir im deutschen Raum eher als Thriller bezeichnen) mit ihren zahlreichen kunstgeschichtlichen Verrätselungen, im englischen Raum als "Mysteries" gehandelt.


Beispiele für Krimi- und Mystery-Crossover:


Ben Aaranovich:
Die Peter Grant-Romane
Peter Grant ist ein junger Constabler bei der Londoner Metropolitan Police (MET), der in enger Zusammenarbeit mit einem Mentor  Detective Chief Inspectors Thomas Nightingale, einem Magier im Dienste der Königin,  die Fälle bearbeitet, die mit Geistern und ähnlichem zu tun haben. Eine zentrale Rolle spielen dabei "Die Flüsse von London" mit ihren Flussgöttinnen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Fl%C3%BCsse_von_London


Jim Butcher:
Die Harry Dresden-Romane (bisher 15 Bände auf deutsch)
Harry Blackstone Copperfield Dresden ist ein Magier, ein Zauberer, der mit seinem Sidekick, eine sprechenden Totenschädel zusammenlebt. Er arbeitet als Privatdetektiv in Chicago, einem Chicago, das von magischen Elementen und Charakteren wie Werwölfen, Vampiren und ähnlichen bevölkert ist – was aber von den realen Bewohnern nicht wahrgenommen wird.
Harry Dresden erzählt seine Fälle ich der Ich-Perspektive, die Romane sind Verschränkungen des Privatdetektivromans mit dem Mystery/Gruselromans.
2007 wurden die "Dresden Files" mit Paul Blackthorne als Harry Dresden als Fernsehserie produziert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Jim_Butcher


Bernhard Borge
norwegischer Schriftsteller, Abenteurer, Geisterjäger, Pseudonym von André Bjerke (1918-1985), einem literarischen Multitalent. Er schrieb drei Kriminalromane, in denen er selbst (also als Bernhard Borge) auftrat und gemeinsam mit Freunden (einem Kommissar, einem Psychoanalytiker) mysteriöse Mordfälle löst.
Etwa was hinter dem Fluch des Blausees steckt, eines Gewässers, dass Menschen in den Tod zieht. Das Besondere an den Borge-Krimis, die in Norwegen zu Klassikern geworden sind. Es gibt  neben der rationalen (Krimi-)Erklärung und Lösung auch stets eine Mystery-Lösung, in der das Übersinnlich-Übernatürliche alles erklärt. Und Borge gelingt das Kunststück, dem Leder beide Erklärung zu präsentieren, beide gleich glaubwürdig und folgerichtig wirken zu lassen – und dem Leser die Entscheidung zu überlassen.
Bernhard Borge: Der Nachtmensch
Bernhard Borge: Tote Männer gehen an Land
Bernhard Borge: Tod im Blausee
https://de.wikipedia.org/wiki/Andr%C3%A9_Bjerke










P.N. Enrod
Vampirdetektiv Jack Fleming
Die amerikanische Autorin P(atricia) N(ead) Enrod erfand neben anderen Vampirhelden auch den "Vampirdetektiv Jack Fleming" (im Original "The Vampire Files"). Die Romanserie spielt in den 30er Jahren in den USA. Der Journalist Jack Fleming wird ermordet und erwacht als Vampir wieder. Er macht sich auf die Suche nach seinem Mörder. Ein Privatdetektiv hilft ihm dabei und auch bei der Suche nach seiner ehemaligen Freundin, mit der er sein Blut tauschte, so dass er nach seinem Tod ein Vampir werden konnte.
Bisher 11 Bände, davon drei auf deutsch erschienen

Und was ist mit Stephen King?
In vielen seiner frühen Romane verwendet Stephen King Mystery-Elemente – wie etwa die telekinetischen Fähigkeiten von "Carrie", die Aggression des Hundes in "Cujo" (die aber auch als Folge seiner Tollwutinfektion erklärt werden kann) oder der Zaubers des Autos in "Christine" (der aber auch als Objekt-Fetischismus gesehen werden kann).
Oder mysteriöse Macht, die das Overlook-Hotel in "Shining" auf den Schriftsteller Jack Torrance und seine Familie ausübt. Es sind hier die "Erinnerungen" des Hauses an frühere Verbrechen und Gewalttaten, die sich auf die aktuellen Bewohner – bzw deren Geisteszustand auswirken.  Auf der anderen Seite kann man die geschickt aufgebaute Erzählung aber auch als eine reine Fallstudie einer psychischen Erkrankung (von Jack Torrance) lesen. Stets hält King in der Schwebe, ob das, was erzählt wird, "wirklich" ist oder nur in der Vorstellungswelt von Jack Torrance existiert.
Weil Stephen King die Mystery-Element meist mit Nicht-Krimi-Geschichten verschränkt, bzw dort implantiert, ist er in Bezug auf "Mystery-Krimi" nicht von Bedeutung.
Und damit erstmal:
Gute Nacht




22.10.15

Das aktuelle Krimi-Ranking:
Die sechs besten Anfänge des Neuen deutschen Krimis


Der Neue Deutsche Krimi (=NDK) begann Anfang der 1970er mit Hansjörg Martin und seinen Romanen "Einer fehlt beim Kurkonzert" und "Bei Westwind hört man keinen Schuss" in der rororo-thriller-Reihe. Die eigentliche Initialzündung brachten dann die Romane von Friedhelm Werremeier, -ky, Michael Molsner und Irene Rodrian, die als rororo-thriller erschienen. Geprägt waren die neuen deutschen Kriminalautoren von dem zehn Romanen des Martin Beck-Zyklus der Schweden Sjöwall und Wahlöö, die ebenfalls in der von Richard K. Flesch herausgegebenen Reihe der rororo-thriller erschienen waren.
Den NDK als "Sozio-Krimi" zu bezeichnen war lange Zeit gängig, wurde aber von den Autoren des NDK weitgehend abgelehnt.

Die sechs besten Anfänge des Neuen Deutschen Krimis


Platz 6: Robert Musil lässt grüßen:
…das ausgedehnte Tief, das sich von Schottland bis zur Biskaya erstreckt, wandert langsam südwärts und beeinflußt unser Wetter. An seiner Ostflanke dringt kalte Meeresluft vor allem in den norddeutschen Raum.
Die Aussichten für Montag, den 3. Juni: Bedeckt mit gelegentlichen Aufheiterungen. Niederschläge, besonders im Küstengebiet. Neigung zu Schauern. Auffrischende Winde aus nördlicher Richtung, später auf West drehend, in Böen bis Stärke acht.
(Hansjörg Martin: Bei Westwind hört man keinen Schuss,  1973)

Platz 5: Home sweet home oder: Auch Polizisten müssen frühstücken
Ernst Bienzle sitzt mißmutig am häuslichen Küchentisch und stochert mit dem Kaffeelöffel in seinem Joghurtbecher herum. Er blinzelt zu Hanna, seiner Frau, hinüber. Den Bademantel hat sie nun schon seit mindestens zehn Jahren. Ich sollte ihr mal einen neuen schenken, denkt er und dann gleich: Wozu auch? Ein neuer Bademantel würde sie auch nicht verändern….
(Felix Huby: Tod im Tauerntunnel, 1968)

Platz 4: Sex sells. Aber sowas von!
Sie stand nackt am Fenster, während der Morgen zögernd heraufkroch, aber sie fror nicht, obwohl es kÜhl im Zimmer war. Sie preßte die Lider zusammen. Ihre Augen brannten. Ihr Schoß war wund, ihr ganzer Körper schmerzte nach dieser endlosen Nacht, der längsten ihres Lebens, wie ihr schien.
(Uwe Erichsen: Die Katze / Das Leben einer Katze, 1988)

Platz 3: Etwas stimmt nicht. Aber was?
Zuerst nichts. Und dann war ich wach.
Ich hab gewußt: Da lieg ich also auf meiner rechten Seite, und mein rechter Arm tut mir weh, weil ich drauf gelegen hab, und vor mir ganz dicht vor meinen Augen - starrt die kalkweiße Wand bis wohin ich nicht sehen kann, und es stimmt etwas nicht im Zimmer. Etwas stimmt nicht.
(Michael Molsner:  Und dann hab ich geschossen, 1968)

Platz 2: Guter Stil macht nicht viele Worte.
Fünf Stunden nachdem das tote Mädchen in einem Kellerraum der verwüsteten Villa am Wannsee gefunden worden war, begann Katharina Ledermacher ihren Urlaub.
(Richard Hey:  Engelmacher & Co, 1975)

Platz 1: Etwas  wird passieren. Garantiert!
Gegen halb sechs nachmittags hörte Johnny, daß er gekillt werden sollte, knapp drei Stunden später war er tot.
(Frank Göhre: St. Pauli Nacht, 1993)




PS: Mehr zum Deutschen Krimi etc hier: bei spiegel.de
Kurze Geschichte des neuen deutschen Kriminalromans /
Von Ralf Koss

Oder hier:
Jürg Brönnimann: Der Soziokrimi: ein neues Genre oder ein soziologisches Experiment? : eine Untersuchung des Soziokriminalromans anhand der Werke der schwedischen Autoren Maj Sjöwall und Per Wahlöö und des deutschen Autors-ky

29.9.15

Jörg Fauser:
Der Scheemann (Buch und Film)


Jörg Fauser (1944 bis 1987) war Journalist, Junkie, Lyriker, Schriftsteller, der souverän jede Einordung in die E- oder U-Kategorien umschiffte. Den deutschen Krimi seiner Zeit hat er gehasst, was ihn aber nicht daran hinderte, einige der besten deutschen Krimis seiner Zeit zu schreiben.



"Der Schneemann" ist einer davon – die Geschichte vom klugschwätzenden Herumtreiber Blum, der auf Malta versucht, 5000 dänische Pornohefte nach Ägypten zu verkaufen. Der Deal geht schief und unter dem Toupet seines toten Aufkäufers findet er einen Gepäckaufbewahrungsschein des Frankfurter Hauptbahnhofs. Was lagert dort? Ein Karton mit 25 Dosen Old Spice Rasierschaum – allerdings mit speziellem Innenleben: zweieinhalb Kilo reinsten Kokains - Peruvian Flake, 96% - für die Kenner unter uns. Wenn Blum die an den richtigen Kunden verkaufen kann, ist er alle seine Sorgen los. Doch wie den richtigen Kunden finden – zumal auch die echten Eigentümer des Rasierschaums hinter ihm her sind. Auf einer Tour von Frankfurt bis Amsterdam lernt Blum alle Arten und Schattierungen von Schwätzern und Geschäftemachern kennen und gerät dabei ohne es zu ahnen, immer tiefer ins kriminelle Geschäft.

"Der Schneemann" ist ein auf seine ganz spezielle Art vom Koks befeuertes literarisches Road-Movie durch die Bundesrepublik der Achtziger, inspiriert von der stilistischen Finesse eines Raymond Chandler und dem Rebellentum eines Marlon Brando, über den Jörg Fauser eine Biographie schrieb. Später erklärte Fauser gern, der "Schneemann" sei nur zum Geldverdienen geschrieben worden – aber vielleicht ist er gerade deshalb so gut, so konzentriert, so schnörkellos perfekt, wie es Fausers spätere Krimis wie "Das Schlangenmaul" und "Kant" nie wieder wurden.


1985 kam der "Schneemann" in die Kinos  - als Star-Vehikel für Marius Müller-Westernhagen, der damals noch kein Rockstar war, sondern als Schauspieler einen Kassenerfolg mit der Verliererkomödie "Theo gegen den Rest der Welt" erzielt hatte.
Jetzt war MMW unter der Regie von Peter F. Bringmann Siegfried Dorn (im Buch: Blum), der beim Versuch, auf Malta 5000 3-D-Dänenpornos zu verkaufen… und so weiter.
Das Drehbuch von Matthias Seelig übernimmt nur wenig auf dem Roman, aber es sind die wesentlichen Dinge: Blum/Dorns Klugschwätzereien, seine träge Verachtung für alles konventionelle und bürgerliche und nicht zuletzt seine Stehaufmännchen-Mentalität, die er auch schon in "Theo gegen den Rest der Welt" demonstriert hatte. In seinem weißen Leinenanzug, den er fast unbeschädigt durch den ganzen Film trägt, wirkt er wirklich wie ein aus der Zeit gefallener illegitimer Sohn der Schwarzen Serie.



"Der Schneemann" ist perfektes Unterhaltungs- und Krimi-Kino, das neben  dem guten Hauptdarsteller auch durch sein konzentriertes Drehbuch und die gelungene Adaption seiner literarischen Vorlage besticht.


Jörg Fauser
Der Schneemann
Diogenes / Alexander Verlag




14.9.15

Kevin Lewis
Kaitlyn






















Kevin Lewis
Kaitlyn
dtv

9.9.15

Gregor Weber
Feindberührung


Ein Polizeiroman, der Maßstäbe setzt - was dieSorgfalt angeht, mit der hier Polizeiarbeit geschildert wird und was die Entwicklung der Geschichte angeht.
Schauplatz ist eine namenlose Großstadt - ungewöhnlich genug in Zeiten des Regionalkrimi. "Bomber Rems" ist ermordet worden, ein heruntergekommener, unterschenkelamputiertet Afghanistan-Rückkehrer, der offenbar die Kurve nicht mehr gekriegt hat.
Kommissar Grewe und seine Kollegin Theresa Swoboda emritteln ind em fall schnell, dass "Bomber Rems" offenbar zu der Rockgang der SKULLS, zu denen er mal gehört hat, immer noch gute Kontakte hatte und wohl für sie über siene alten Afghanistan-Kontakte Drogen ins Land geschmuggelt hat.
Doch es gibt auch noch eine zweite Spur, der die beiden Polizisten nachgehen müssen - die führt direkt zur Bundeswehr.

Autor Gregor Weber ist kein Unbekannter in der Krimiszene - zumindest als Schauspieler: er verkörperte den Kollegen von Kommissar Palü und aktuell von Kommissar Kappl in den TATORT-Filmen des Saarländischen Rundfunks. Als Krimi-Autor liefert Gregor Weber hier ein Debüt, das sich gewaschen hat: unglaublich dicht erzählt, unglaublich spannend und so voller echter, lebensnaher Charaktere, dass es unmöglich ist, das Buch zur Seite zu legen, ehe man die letzte Seite gelesen hat.
Dazu kommt - Gregor Weber lässt sich nicht auf die schnellen Schuldzuweisungen ein, wenn es darum geht, Gründe für Verbrechen und Kriminalität zu finden, er fällt auch nicht auf die gängigen Krimi-Klischees herein. Er geht seinen eigenen Weg - und das Ergebnis ist einer der aufregendsten Krimis der Saison.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Gregor Weber
Feindberührung
Knaus
23. Mai 2011

7.9.15

Anna Shevchenko:
Ein fatales Erbe


Taras Petrenko, Geheimdienstler beim FSB, dem KGB-Nachfolger. ist als Ukrainer dort kaltgestellt und ins Archiv abgeschoben.
Da sortiert er Akten und findet dabei: die Akte N1247, die einen 200 Jahre alten Fall behandelt, aber trotzdem von aktueller Brisanz ist.  Es fehlen allerdings drei entscheidende Dokumente - um sie zu besorgen reist er nach England.

In England hat es unterdessen die Anwälin Kate mit dem Archivar Andrij zu tun. Der hat sich Kate Ausgesucht, weil sie ukrainishcer Abstammung ist und in einer Kanzlei arbeitet, die sich mit komplizierten Erbrechtsföllen auskennt.
Denn um nichts anderes geht es Andrij bei seinem Auftrag, für den er Kate gewinnt: den "Erben" eines sagenhaften Vermögens aus der Urkraine ausfindig zu machen, damit das Testemant, das ihm vorliegt, durchgeführt werden kann: Das ist inzwischen von "acht Fässern Gold", die einmal in London deponiert wurden, zu einem unermesslichen Vermögen angewachsen und soll dem neuen, unabhängigen Staat Ukraine zugute kommen (Unabhängigkeit ist eine des Bedingungen des Testaments).
Dass sich dich Wege des FSB-Agenten Petrenkeo und Anwältin Kate irgendwann kreuzen werden, ist klar.
Doch das ist nicht die enizige Geschichte, die dieses Buch erzählt. Ganz intensiv und ausführlich wird auch erzählt, wie jenes Testament - und das zugrunde liegende Erbe - durch die Jahrhunderte das Schicksel der Menschen bestimmt hat, die mit ihm zu tun hatten.

"Ein fatales Erbe" ist ein aufregender History-Thriller um die Geschichte der Ukraine, erzählt anhand der Suche und der Jagd nach dem Zarengold Peters des Großen, das angeblich von den Kosaken gestohlen wurde.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Anna Shevchenko:
Ein fatales Erbe
Hoffmann und Campe
4. März 2011

Anna Shevchenko, aufgewachsen in der Ukraine, studierte Sprachwissenschaften an den Universitäten von Kiew und Cambridge. Sie spricht sieben Sprachen. Nach ihrem Studium begann sie als Übersetzerin, Beraterin und Unterhändlerin zu arbeiten. Shevchenko ist für hochrangige politische Anlässe und Organisationen tätig und leitet eine Agentur für interkulturelle Mediationsberatung. Ein fatales Erbe ist ihr erster Roman. Im März dieses Jahres erhielt sie den Hosking Trust Prize für Writers in Residence.

6.9.15

Steve Mosby
Tote Stimmen


Dave Lewis kennt sich aus mit Zauberern - hier: Zauberkpnstler, Magier, Scharlatane aller Art. Zusammen mit einem Freudn gibt er ein Magazin heraus, in dem die beiden die billigen Tricks von Show-Zauberern und Medien und anderer entlarven.
Von seiner Ex-Freundin Tori hat Dave jetzt schon längere Zeit nichts gehört - und sich auch nicht darüber gegrämt, weil die Beziehung seiner Meinung nach nicht umsonst zu Ende geganegn ist. jetzt allerdings ist er alarmiert, als er von Tori eine eigentlich recht nichtssagende SMS bekommt - die abe rnicht mit ihrem üblichen Kürzel unterzeichnet ist.
Alarmiert ist deshalb auch Detective Inspektor Sam Currie, den Toris Verschwinden und die SMS an Dave passen genau in die Muster der Mordfälle, die gerade die Bewohner der Stadt verurnsichenr: ein anonymer Killer entführt junge Frauen, hält sie gefesselt gefangen, ohne Nahrung und Trinken, so dass sie langsam verdursten. Und während der ganzen zeit verschiwkct der Killer von den Handys seiner Opfer an deren Freunde und bekannte scheinbar harmnlose, nichtssagende SMS-Botschaften: "Viel Arbeit, keine Zeit" Oder "Lass uns nächsten Monat treffen" - Botschaften, die Nähe suggerieren, Misstrauen einschläfern. Und erst wenn die Opfer kurz vorm Tod stehen, ruft der Killer einen nahestehenden Menschen an: "Hilf mir!", sagt die elktronsich vezrerrte Stimme - doch in allen Fällen ist es zu spät.
Und jetzt sieht alles so aus, als sei Tori diesem Killer in die Hände gefallen. Dave Lewis gerät mitten in die Ermittlungen der Polizei hinein - und ehe er sich versieht, steht er plötzlich mitten im Interesse des Killers, der ihn als Lockvoegel für sein tödliches Spiel mit der Polizei benutzt.

"Tote Stimmen" ist eine extrem spannende Geschichte über die Gleichgültigkeit und die Anonymität des modernen Großstadtlebens.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Steve Mosby
Tote Stimmen
Knaur Taschenbuch
1. August 2011

4.9.15

Das aktuelle Krimi-Ranking
Die sechs besten Agenten, die nicht James Bond sind.


Das verlinkte Video präsentiert James Coburn alias "Derek Flink", alias "Our Man Flint", der leider außer Konkurrenz läuft, weil er keine literarische Serie als Vorlage hat.

Platz 6
Nicholas J. Huntington "Nick" Carter
alias Agent N3, alias "The Killmaster"
von Anonym
(unter anderem Michael Avallone, Valerie Moolman, Bill Crider, Gayle Lynds
Agent für: AXE, a fictional spy agency for the United States government
Bond-Faktor: Eigene Zigaretten, eigene Waffe, eigenes Auto – aber alles nur geklaut.
-Bond-Faktor: Alles nur geklaut.
-Charakter: Carter is tall (over 6 feet / 1.83 m), lean and handsome with a classic profile and magnificently muscled body. He has wide-set steel gray eyes that are icy, cruel and dangerous. He is hard-faced, with a firm straight mouth, laugh-lines around the eyes, and a firm cleft chin. His hair is thick and dark. He has a small tattoo of a blue axe on the inside right lower arm near the elbow - the ultimate ID for an AXE agent
-Einsätze: von 1964 bis 1990 etwa 260 Romane, zwei Filme mit Eddie Constantine
-Trivia: Die Figur des Nick Carter trat 1886 erstmal in amerikanischen Pulp-Magazinn auf und war damals noch Privatdetektiv ("Nick Carter – Master Detective"), genau wie in der Hörspielserie die später mit ihm produziert wurde. Der Erfolg von James Bond brachte einen Relaunch der Figur als Agent mit dem Kampfnamen "Killmaster". Viele renommierte Autoren (wie etwa Martin Cruz-Smith) schrieben Killmaster-Romane – just for the money.
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Platz 5
Matt Helm
von Donald Hamilton

Agent für: CIA
-Bond-Faktor: Welchen Bond-Faktor kann man schon haben, wenn man von Dean Martin gespielt wird?
-Charakter: Helm is portrayed as jaded, extremely ruthless, pragmatic, and competent. He is a U.S. government counter-agent—a man whose primary job is to kill or nullify enemy agents—not a spy or secret agent in the ordinary sense.
-Einsätze: Von 1960 bis 1993 27 Romane. 4 Filme mit Dean Martin als Matt Helm,. eine Fernsehserie
-Trivia: Die Kampfszenen im letzten Matt-Helm-Film wurden von Bruce Lee choreografiert. In der Fernsehserie ist Matt Helm Privatdetektiv mit Geheimdienstvergangenheit.
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Platz 4
Son Altesse Sérénissíme Prinz Malko Linge
alias S.A.S. MALKO
von Gérard de Villiers.

Agent für: freiberuflich für die CIA
Bond-Faktor: weltläufig, lehnt eigentlich Gewalt ab. Geht so.
-Charakter: Malko Linge ist ein österreichischer Prinz, der zum Unterhalt seines Schlosses bei Liezen gezwungen ist, zeitweise für die CIA zu arbeiten. Die Agentur fordert ihn immer für heikle Einsätze an
-Einsätze: Seit 1977 mehr als 150 Romane, zwei Filme
-Trivia: Malko-Romane spielen in der Regel vor realen politischen Hintergründen, meist Bürgerkriegen, Terrorismus oder Drogenhandel. Autor de Villiers hat den Ruf, nicht nur alle Schauplätez genau recherchiert zu haben, sondern auch über Geheimdienst- und hohe Polizeiquellen zu verfügen.
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Platz 3
Hubert Bonisseur de la Bath
alias OSS 117
von Jean Bruce
(1921-1963)
-Agent für: Zunächst für das Office für Strategic Services OSS, dem Vorgänger der CIA, dann für die CIA und schließlich die NSC (National Security Council)
-Bond-Faktor: Lebemann, Frauenheld, adelige Abstammung. Perfekt.
-Charakter: "Hubert Bonisseur de La Bath était un solide gaillard à la carrure athlétique de sportif en pleine possession de ses moyens, au visage énergique et buriné de prince pirate. Son regard clair, à l'ironie tranquille, se posait sur les êtres et les choses avec cette assurance née d'une vie riche en aventures. Son charme ne laissait aucune femme insensible."
-Einsätze: 88 Romane von Jean Bruce selbst, 143 von seiner Frau und 24 von seinen Kindern
7 Filme, 2 Parodien: OSS 117 – Der Spion, der sich liebte (2006) und OSS 117 – Er selbst ist sich genug (2009)
-Trivia: In der Realität war die Codenummer 117 dem Chef des "Research and Analysis Branch des OSS" zugewiesen. In den Parodien wurde OSS 177 von Jean Dujardin gespielt, die deutsche Synchronfassung erstellte und sprach Oliver Kalkofe.
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Platz 2
Robert "Bob" Urban
alias "Code 18" bzw Mister Dynamit
von C.H. Guenter
(1925 – 2005)
Agent für: Bundesnachrichtendienst BND
-Bond-Faktor: eigene Zigaretten, eigene Waffe, eigenes Auto, eigener Sidekick. Passt schon.
-Charakter: Bob Urban ist 187 cm groß, hat braunes Haar und graue Augen, und er lächelt immer, aufgrund einer Muskelverkürzung im Gesicht. Er raucht seine eigene Zigarettenmarke, die „MC“ (Monte-Christo) mit Goldmundstück. Urban wohnt in München-Schwabing. Er fährt einen Porsche 356, später einen BMW 633 Csi.
-Einsätze: 314 Romane ab 1965, ein Film (mit Lex Barker als Bob Urban)
-Trivia: Lex Barker musste die Gage für seinen Filmauftritt einklagen. Autor Karl-Heinz Günther entwickelte auch die Heftreihe "Kommissar X" maßgeblich mit, außerdem schrieb er Jerry Cotton-Romane und U-Boot-Romane.
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Platz 1
Jonathan Hemlock
Von Trevanian
(Rodney William Whitaker, 1931 bis 2005)
Agent für: CII, eine extrem geheime Gemeimorganisation
-Bond-Faktor: Perfect Match.
-Charakter: Dr. Jonathan Hemlock is an art professor and mountaineer. He is also a collector of paintings, most of them obtained from the black market. To finance his collection he works as an assassin for a secret U.S. government agency, the CII.
-Einsätze: zwei Romane (seit 1972), ein Film: "Im Auftrag des Drachen" mit Clint Eastwood
Trivia: Autor Rodney William Whitaker galt als Literarisches Chamäleon, der auch in anderen Gattungen eroflgreiche Romene schrieb. Fürs Agentengeschäft erfand er noch "Nicolai Hel" für den Asia-Thriller "Shibumi".

(Text: Reinhard Jahn, mit Material von spyguysandgals.com, trevanian.com und wikipedia)
Das verlinkte Video präsentiert James Coburn alias "Derek Flink", alias "Our Man Flint", der leider außer Konkurrenz läuft, weil er keine literarische Serie als Vorlage hat.
https://www.youtube.com/watch?v=lQwJQkEh2QY

Norbert Horst
Splitter im Auge

Norbert Horst war und ist der shooting star der deutschen Krimi-Szene. Der Kriminalbeamte aus Bielefeld hat mit seinen ersten vier Kriminalromanen (seit 2003) wirkliche Klassiker geschaffen – mit dem hektisch erzählenden Kommissar Konstantin Kirchenberg, mit Fällen, die aus dem alltäglichen Alltag der Polizeiarbeit gegrifffen zu sein schienen und denen man gar nicht anmerkte, mit welchem Talent sie hier von einem Autor verdichtet und erzählt wurden.
Jetzt – mit seinem fünften Roman – hat sich Norbert Horst von seinem Helden der ersten Bücher verabschiedet. Und er wagt was Neues.
Auftritt Adam, genannt Steiger – weil sein Vater im Bergbau gearbeitet hat. Der Schauplatz ist Dortmund. Dort arbeitet der Steiger in der Einsatzgruppe / das sind quasi die Mädchen für alles bei der Truppe.

Und als ob er im normalen Dienst nicht schon genug zu tun hätte - und als ob er nicht auch mit dem Tod seines Vaters, den er zu verarbeiten hat nicht genug persönliche Probleme hätte - verbeißt sich der Steiger in einen Fall, der schon längst geschlossen ist, der Täter ist verurteit: ein Afrikaner, der für den Sex-Mord an einer Minderjährigen im Knast sitzt.
Aber war wirklich alles so, wie es angeklagt wurde? Der Steiger findet schnell heraus, dass einiges nicht so gewesen ist, wie es in der Anklageschrift stand. Aber was ist dann wirklich geschehen in derr Nacht, als die Minderjährige verschwnad und ermordet wurde?
Das klingt jetzt vom Plot her ein bisschen nach dem Krimi der Woche aus dem ARD-Programm. Dass hinter der scheinbar so oberflächlich, so beiläufig daherkommend erzählten Geschichte etwas anderes, tiefergehendes steckt, ahnen wir spätestens, wenn wir immer wieder den Steiger verlassen und die Geschichte zweier Jungen aus dem Jahr 1980 erzählt bekommen - die natürlich im Zusammenhang mit dem Fall des Jahres 2011 steht.

Wieder besticht Norbert Horst mit einer dichten Prosa, mit viel Polizeiatmosphäre und einem perfekt entworfenen, spannenden Geschichte. Er ist eindeutig einer der besten deutschen Krimi-Autoren.
Reinhard Jahn WDR5 Mordberatung


Norbert Horst
Splitter im Auge
Goldmann

3.9.15

Chris Marten:
Todespfad


Der zweite Thriller des Autorenteams Chris Marten. Wieder stehen die Essener Journalistin Beate Rehbein und der Kölner Kommissar Ludger Bethke im Mittelpunkt der groß und internationale angelegten Handlung. Das Autorenteam schlägt wieder einmal den Bogen von Afrika nach Eurpa - im TODESFAD geht es um die Flüchtlings- und Migrationsbewgeungen. Und deshalb auch um Menschenhandel, Menschenschmuggel, Schleusertum, weiße Sklaverei und vieles mehr, was sich vor unserer Haustür (und teilweise vor unseren Augen) abspielt.
In Afrika und auf Gran Canaria lernt Beate Rehbein das Schicksal der Flüchtlinge kennen - und wird dabei Zeugin, wie eine junge Afrikanerin stirbt. was hat der angeblich zu großherzige Schwede mit den Flüchtlingen zu tun, denen er großzügig Lager und Unterstützung finanziert? Und vor allem - was bedeutet die geheimnisvolle Botschaft, die beate Rehbein in einer Kauri-Muschel an einer Kette bei der toten Frau findet. Eine Telefonnummer kann sie entschlüsseln, die sei nach Paris führt.

Perfekte Thriller-Unterhaltung mit einem hochbrisanten Thema.
Reinhard Jahn WDDR5 Mordsberatung

Chris Marten:
Todespfad
Lübbe
22. Juli 2011

1.9.15

Alafair Burke
Online wartet der Tod


Detective Ellie Hatcher hat beim Police Department New York eine ungeheuer schnelle Karriere gemacht - aus einem kleinen Außenrevier ist sie jetzt gleich zur Mordkommission berufen worden, und zwar nicht von irgendwem, sondern von Flann McIlroy, dem Star der New Yorker Mordermittler. Der will sie beim Fall des FirstDate-Killers dabei haben.
Zwei junge Frauen sind im Abstand von genau einem Jahr ermordet worden - und beide waren Mitglieder bei einem Online-Flirting/Partnerportal: FirstDate. Dass die Morde an ihnen etwas mit dieser Mitgliedschaft zu tun haben müssen, geht aus einigen Spuren hervor, die der Täter offenbar absichtlich gelegt hat.
Jetzt wäre es das einfachste, die Kontaktdaten der beiden Opfer in der Datenbank von FirstDate abzugleichen, umso einem möglichen Täter auf die Spur zu kommen.
Doch da weigert sich der Betreiber von FirstDate strikt, die Daten ohne richterlichen Beschluss herauszugeben. Doch ehe der eintrifft, greift Ellie Hatcher zur Selbsthilfe und meldet sich selbst bei FirstDate als Partnersuchende an.
Was sich bis hierher ein wenig wie der Plot des Film "Sea of Love" liest (Al Pacino spielt einen Cop, der einen Killer sucht, der auf Partnerschaftsanzeigen antwortet) entwickelt sich dann doch ganz anders. Zuerst einmal entdeckt Ellie Hatcher, dass sie genau dem Profil der Opfer entspricht - und ganz offenbar von Flann McIlroy einzig und allein deshalb in die Mordkommisison berufen wurde: als Lockvogel.

"Online wartete der Tod" drängt einem als Leser das Thema Online-Verbrechen nicht auf, aber der Roman behandelt es vielschichtig und eingehend. Doch vor allem ist es ein guter Polizeiroman mit einer sehr sehr sympathischen Heldin. Zugleich auch Auftakt zu einer Serie, von  der in den USA bereits zwei weitere Bände vorliegen.

Wunderbar lebendig und spannend. Ellie Hartcher hat das Zeug zur Kultfigur: sympathisch, zupackend, einfach klasse.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Alafair Burke
Online wartete der Tod
Deutschg von Susanne Wallbaum
dtv
1.August 2011

23.8.15

Die telefonische Mord(s)beratung
Alles Gute Mrs Christie - Factsheet

Zum 125. Geburtstag der "Queen of Crime"
Das Krimi-Kompetenzteam der Mordsberatung erweist Agatha Christie, der Königin des klassischen Kriminalromans, seine Referenz.


Das Krimi-Kompetenzteam:
Reinhard Jahn, Thomas Hackenberg, Ingrid Müller-Münch, Ulrich Noller
Bild: WDR, mit freundlicher Genehmigung

Am 15. September 1890 wurde in Torquay Agatha Mary Clarissa Miller geboren, die als Agatha Christie weltberühmt wurde. In ihren mehr als 60 Kriminalromanen schuf sie den eleganten belgischen Detektiv Hercule Poirot und die bodenständige britische Rentnerin Miss Marple. Wie prägten sie und ihre Helden das Genre? Warum sollte auch heute noch jeder Krimifan mindestens einen Christie-Roman gelesen haben?

Die WDR5-Krimi-Experten Ulrich Noller (KrimiZEIT-Bestenliste), Reinhard Jahn (Bochumer Krimiarchiv) und die Journalistin Ingrid Müller-Münch suchen nach dem Geheimnis von Mrs Christies Erfolg und stellen nicht nur ihre Klassiker vor. Chief-Inspector Thomas Hackenberg leitet die Expertenrunde, die natürlich auch wieder ihre Favoriten aus den Bestsellerlisten präsentiert.

Hörerinnen und Hörer können sich per E-Mail an der Sendung beteiligen. mordsberatung@wdr.de
Redaktion: Petra Brandl-Kirsch

Die telefonische Mord(s)beratung | Samstag, 29. August 2015, 21.05 - 23.00 Uhr auf WDR5


Agatha Christie

Die gesammelten Werke, die bisher im Fischer Verlag erschienen waren, gingen im Rahmen von Neuverhandlungen des Christie-Rechteinhabers im Jahr 2014 an den Hofmann und Campe Verlag.
Dort erscheinen die Agatha Christie-Romane bei  "Atlantik" einem Imprint von Hoffmann und Campe.

Zug um Zug sollen die Romane neu übersetzt werden. Bisher erschienen bereits die schon seinerzeit für Fischer neu übersetzten Christie-Romane.
Darunter
  • "Und dann gabs keines mehr" ("Zehn kleine Negerlein")  übersetzt von Sabine Deitmer
  • "Tod auf dem Nil" und "Das Eulenhaus" übersetzt von Pieke Biermann
  • "Blausäure" übersetzt von Regula Venske

Auch der mit Erlaubnis der Christie-Erben nachgeschriebene Hercule Poirot-Roman "Die Monogramm-Morde" von Sophie Hannah erschien bereits bei Atlantik.

Zum 125. Geburtstag von Agatha Christie geht Helge Timmerberg unter dem Titel "Mord im Orientexpress" im Oktober und November mit Agatha Christie auf Lesetour. Dabei kommt neben den beliebten Ermittlern Hercule Poirot und Miss Marple auch Agatha Christie selbst zu Wort: Erstmals geben zeitgenössische Fanbriefe und Antworten der berühmten Krimiautorin Einblick in die Welt hinter den zahlreichen Morden ihrer mehr als 60 Romane und Kurzgeschichten.
Der Tourplan de Orientexpress


Agatha Christie – die Fakten bitte!

Es gibt keine endgültig überzeugende Erklärung dafür, wie es eine Frau aus der Mittelklasse, nett, konventionell, und ein wenig angepaßt in ihrem Verhalten, immer wieder fertigbrachte, die Leser total in ihren Bann zu ziehen.  (Edmund Crispin, 1975)

Agatha Christie…
-lebte von1890 bis 1976
-geborene Agatha Mary Clarisssa Miller,
Am Ende: Dame Agatha Mary Clarissa Christie,  (DBE – Dame of the British Empire)
Lady Mallowan (= als Gattin von Lord Mallowan, ihres zweiten Mannes)

-stammte aus gut- bis großbürgerlichen Verhältnissen
-1914 bis 1928 Ehe mit Oberst Archibald Christie, einen Flieger der Luftwaffe, eine Tochter
-1920 erschien ihr erster Krimi "Das fehlende Glied in der Kette", erster Auftritt Hercule Poirot
-1926 großer Durchbruch mit "ALIBI" dessen Auflösung als "sensationell" empfinden wurde
-1926 verschwand Christie für zehn Tage und behauptete später, unter Gedächtnisverlust zu leiden.
(1979 Verfilmt als  "Das Geheimnis der Agatha Christie" mit Venessa Redgrave und Dustin Hoffman
-1930 Heirat mit dem Archäologen Max Mallowan
-1930 erstes Auftreten von Miss Jane Marple in "Mord im Pfarrhaus"
-1940er Sie schrieb den letzten Hercule-Poirot-Roman "Vorhang" auf Vorrat, veröffentlicht 1974
-1976 stirbt Agatha Christie

Das Werk der "Queen of Crime"
66 Kriminalromane
23 Bühnenstücke


Nach Angaben ihrer Erben wurden bislang zwei Milliarden Christie-Bücher verkauft.
Sie gehört damit zu den erfolgreichste Autoren aller Zeiten.
Zum Vergleich: Georges Simenon 500 Millionen Gesamtauflage
Das "Manifest der Kommunistischen Partei" von Karl Marx und Friedrich Engels 500 Millionen
Die "Gedichte des Vositzenden Mao von Mao Tse-tung " 400 Millionen Exemplaren der. Aber auch "Der Herr der Ringe" 150 Millionen
(Es gibt aber auch Angaben, die Christie "nur" 150 Millionen Gesamtauflage zubilligen)

Mrs Christies Helden:
Hercule Poirot. Der kleine belgische Detektiv ermittelt in 33 Romanen und div Kurzgeschichten
Jane Marple: Sie ermittelt in 12 Romanen und 20 Kurzgeschichten.
Tommy und Tuppence Beresford, 4 Romane, eine Storysammlung

Die Bedeutung von Agatha Christie?
Sie war die bekannteste und erfolgreichste Vertreterin des "golden age" der Kriminalliteratur, des "goldenen Zeitalters" , das in den 1920ern in Großbritannien begann und nach dem Weltkrieg dort endete. Es ist der "klassische englische Kriminalroman".
Das "Goldene Zeitalter" liegt zwischen der Ära des Sherlock Holmes und dem Beginn der "Schwarzen Serie", des hardboiled-Romans aus den USA

Andere Vertreter(innen)
Dorothy Sayers ("Lord Peter Wimsey"), Patricia Wentworth ("Miss Silver"), G.K. Chesterton ("Father Brown"), Margery Allingham ("Albert Campion") Ngaio Marsh ("Roderick Alleyn"), sowie später die Amerikaner S.S. van Dine ("Philo Vance"), Mary Roberts Rinehart und Ellery Queen ("Ellery Queen)

Die Faszination für Christies Werke entsteht durch
  1.  das in groben Zügen stets gleiche setting – in der bürgerlichen und besseren Gesellschaft
  2.  einer oder mehrere mysteriöse Mordfälle
  3.  ein Ermittler aus den Kreisen, in denen der Fall spielt
  4.  die erzählten Familiendramen (verstoßene Kinder, heimliche Liebschaften, familiäre Eifersucht und Gier) im Zusammenhang mit
  5.  den meist sehr komplexen Vorgängen um den/die Mord/e, die aufgedeckt werden – komplizierte falsche Alibis müssen widerlegt werden, ungeklärte Familienverhältnisse müssen geklärt werden, lange verschwiegende Zusammenhänge entüllt. Wobei Agatha Christie nicht unbedingt eine Vertreterin der meist rein technischen "locked-room mysteries" ist, der Verbrechen in einem scheinbar verschlossenen Raum.

Christie und ihre Zeitgenossen etablierten den Krimi als "Rätselspiel". Im Idealfall sollte er Leser genau die gleichen Informationen bekommen wie der Detektiv und zusammen mit ihm in der Lage sein, den "Fall" aufzuklären.
Zitat:  "Der Detektiv darf niemals mehr wissen als der Leser."  (Agatha Christie)

Das ist natürlich schon in sich ein kleiner Bluff – es geht der Autorin in Wirklichkeit darum, in dem bekannten Serien- und Rätselschema immer wieder ein neues, interessantes Rätsel samt neuer, interessanter Aufklärung zu präsentieren.

Das beweist Agatha Christie immer wieder mit ihren plot- und Verbrechens-Ideen (von denen hier wenig verraten werden soll, um nicht zu spoilern)
  • -Der Roman "ALIBI", von manchen als "der perfekte Kriminalroman" bezeichnet, weil er mit seiner Auflösung (der erzählerischen, nicht der kriminalistischen) das scheinbar Unmögliche schafft.
  • -Das Konzept von "Zehn kleine Negerlein", bei dem vom Täter eine Gesellschaft an einem abgeschlossene Ort zusammengeführt wird, um dann einen Gast nach dem anderen zu töten.. Ein Abgeschlossener Tatort ist auch ein Flugzeug ("Tod in den Wolken") oder eben der Zug (der Orientexpress)
  • -Das Verbrechensmodell, das etwa bei der Aufklärung von "Mord im Orientexpress" präsentiert wird.
  • Das Spielerische und zugleich Ernsthafte dieser Art von Kriminalliteratur kommt in den "Regeln" und dem "Schwur" des "Detection Club" zum Ausdruck, zu dem sich 1928 einige namhafte britische Krimiautoren zusammenfanden. Bei der Aufnahme musste der Kandidaten einen  Schwur ablegen, wie ordentliche Kriminalliteratur zu schreiben war.

Der Schwur des Detection Club
http://krimiblog.blogspot.de/2015/07/der-schwur-des-detection-club.html

oder die Kurzfassung von G.K. Chesterton:
“Schwörst du, daß deine Detektive die sich ihnen darbietenden Verbrechen geschickt und aufrichtig lösen werden, indem sie von jenen Geistesgaben Gebrauch machen, mit denen sie auszustatten es dir gefällt, und daß du dabei weder auf Göttliche Offenbarung, Weibliche Intuition, Hokuspokus und faulen Zauber, den Zufall oder das Handeln Gottes baust, noch dich dessen bedienst?“

Und was bliebe sonst noch über Christie zu sagen?


Die meisten großen Autorinnen und Autoren des Goldenen Zeitalters, ob Dorothy Sayers, Margery Allingham oder Gilbert Keith Chesterton, übertrafen Agatha Christie an literarischer Darstellungskunst, niemand erreichte sie - aufs ganze Werk gesehen - in Variationsreichtum und Kombinationsvermögen. Die Kunst, in Ketten zu tanzen, die Nietzsche von jedem Schriftsteller forderte, beherrscht sie vorzüglich. (Gert Ueding, 1990)

Der beste Kriminalschriftsteller? Kann ich nicht beantworten, zu viele Typen. Dem Absatz nach Gardner und Christie. Kann Christie nicht lesen. (Raymond Chandler, 1949)



Und wer noch etwas weiter lesen will:

Auf Reisen mit Agatha Christie: Das gepflegte Verbrechen zum Fünf-Uhr-Tee
Von Reinhard Jahn




3.8.15

Melanie Raabe: Die Falle


Linda Conrads ist eine Bestsellerautorin. Sie lebt zurückgezogen, isoliert. Seit 11 Jahren hat sie ihr Haus nicht mehr verlassen. Sie ist traumatisiert, kann die Welt und die Menschen nicht ertragen – seit sie vor 12 Jahren Zeugin wurde, wie ihre Schwester Anna ermordet wurde. Sie hat den Täter gesehen, dennoch konnte die Polizei ihn nicht fassen. Und  jetzt auf einmal sieht Linda den Mann im Fernsehen. Als Reporter eines Nachrichtensenders. Und sie beschließt, ihn zu sich zu locken, in die Falle, um ihn endlich zu überführen. Sie bietet dem Mann ein Interview an - über ihr neues Buch. Einen Thriller, in dem es um eine Frau geht, die den Mörder ihrer Schwester gesehen hat.
Es beginnt ein packendes, wendungsreiches Psychoduell – Linda und der Reporter, mehr oder minder allein in dem einsamen Haus. Sie umkreisen sich, und müssen Stück für Stück ihre Masken fallen lassen. Und dabei kommt manches zum Vorschein, womit weder Linda, noch der Mörder, noch der Leser rechnet.
Aus dieser packenden Psycho-Falle gibt es für den Leser kein Entkommen.
Melanie Raabe, Jahrgang 1981, ist das wahrscheinlich jüngste, aber sicher das größte Talent der deutschen Thriller-Szene.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Die Spannungs-Falle
Bestsellerautorin Linda Conrads hat seit elf Jahren ihr Haus nicht mehr verlassen. Sie ist traumatisiert, kann die Welt und die Menschen nicht ertragen – seit sie Zeugin wurde, wie ihre Schwester Anna ermordet wurde. Sie hat den Täter gesehen, dennoch konnte die Polizei ihn nicht fassen. Und jetzt entdeckt Linda den Mann plötzlich - im Fernsehen, als Reporter eines Nachrichtensenders. Und sie beschließt, ihn zu sich zu locken, in die Falle, um ihn endlich zu überführen. Damit beginnt ein packendes, wendungsreiches Psychoduell, denn die Newcomerin Melanie Raabe beweist in Die Falle, dass sie die Klaviatur des Spannungskrimis perfekt beherrscht. Aus ihrer packenden Psycho-Story gibt es für den Leser kein Entkommen.
Melanie Raabe, Jahrgang 1981, ist das wahrscheinlich jüngste, aber sicher das größte Talent der deutschen Thriller-Szene. rja
Perfekter Psycho (fünf Sterne)
 Reinhard Jahn bei Funke-Medien (WAZ / NRZ) 13.6.2015

Melanie Raabe
Die Falle
btb,  352 Seiten



















Laudatio für Melanie Raabe "Die Falle"  
Stuttgarter Krimipreis 21.3.2016

27.7.15

Jake Woodhouse
Der fünfte Tag


Tatort Amsterdam
Ein dubioser Diamantenhändler hängt am Ladebaum über der Gracht, im Mund ein Handy mit vier gespeicherten Nummern. Inspektor Jaap Rykel und seine Kollege Kees Terpstra machen sich gerade an die Ermittlungen, als ihr Kollage Andreas Herzog getötet wird. Für Rykel ein traumatisches Ereignis.
Zugleich findet die Polizistin Tanya van der Mark bei der Untersuchung eines niedergebrannten Gehöftes eine Kinderpuppe – obwohl das verbrannte Paar keine Kinder hatte. Ihre Ermittlungen führen Tanya zu ihren Amsterdamer Kollegen und gemeinsam nehmen sie die Spur der bestens organisierten Kinderhändler und Internetpornographen auf, die hinter den Verbrechen stecken.
So weit, so konventionell – was "Der fünfte Tag" des Briten Jake Woodhouse dann doch noch zu einem besonderen Krimi macht, sind die gebrochenen Charaktere seiner Ermittler. Und ihr Nonkonformismus, der wie eine Reminiszenz an Janwillem van de Weterings Amsterdam-Cops aus den 1970ern wirkt .  rja
Krimi mit Nostalgie-Flair (drei Sterne)
Jake Woodhouse
Der fünfte Tag
Page & Turner, 448 Seiten,




















WAZ / NRZ / Funke-Medien 13.8.2015

Tatort Amsterdam – der dubiose Diamantenhändler Friedmann hängt tot am Ladebaum eines Lagerhauses. Ein Mord – mit dem der Täter aber auch auf etwas hinweisen wollte, der Tote hat ein Handy im Mund, auf dem vier Rufnummern gespeichert sind.
Zugleich macht die Polizisten Tanya van der Mark bei der Untersuchung eines niedergebrannten Gehöftes eine seltsame Entdeckung: unter den Trümmern findet sie eine Kinderpuppe – obwohl das verbrannte Paar keine Kinder besaß. Die Ermittlungen führen Tanya dann nach Amsterdam zu Inspektor Jaap Rykel und seinem Kollegen, die sich mit der Leiche am Ladebaum beschäftigen. Es geht um hochorganisierte Kinderhändler und Internetpornographen.
So weit, so konventionell – was die Geschichte zu etwas besonderem macht, sind die gebrochenen Charaktere des Ermittlerteams. Jaap Rykel ist nach einem dramatischen Zwischenfall eine Zeitlang aus dem Polizeidienst ausgestiegen und hat in Asien gelebt – und auch jetzt befragt er in schwierigen Situation lieber sein I GING-Orakel als seine Freunde. Sein Kollege Kees Terpstra ist der bad boy der Truppe, kokainsüchtig, ein Schürzenjäger ohne Gewissen, der am liebsten auf der Überholspur lebt. Ganz anders Tanya van der Mark – die Provinzpolizistin, die diesen Fall ein wenig zu persönlich nimmt.

Zu erleben, wie diese Truppe den Fall – den ersten einer Serie von vier Romanen – löst., ist höchst faszinierend, zumal Jake Woodhouse die Atmosphäre Amsterdams – wo er lange Zeit gelebt hat – auch jenseits der touristischen Sehenswürdigkeiten einfängt.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung, Juni2015)