30.8.12

Ursula Sternberg: Innenhafen



Ein neuer Fall für Tony Blauvogel - die "Privatdetektivin in der Nachbarschaftshilfe Essen-Süd", wie es auf ihrer Visitenkarte heißt. Es geht - nachdem sie in "Nachtexpress" eine verschwundene Jugendliche in Essen ausfindig gemacht hat - diesmal um die Spekulations- und Korruptionsgeschäfte im Zusammenhang mit dem Duisburger Innenhafen. Zu dem Fall kommt Toni Blauvogel wieder einmal auf Umwegen. Ihr alter Schulfreund Karl-Olaf Türauf  ist bei einem Auto-Unfall ums Leben gekommen - verbrannt im Feuerball des Tanklasters, auf den er aufgefahren ist.

Seine erwachsene Tochter möchte Klarheit über ihren Vater - und was Toni Blauvogel bei ihrer Spurensuche entdeckt. gibt Anlass zur Sorge: Woher hatte Karl-Olaf plötzlich das Geld, um sich für eine teure Eigentumswohnung im Duisburger Innenhafen zu interessieren? Was hat ein kleiner Sachbearbeiter bei der RuhrCity-Bank mit der Finanzierung der beiden Großprojekte LogPort 1 und LogPort2 am Innenhafen zu tun, bei denen offenbar Millionen über Millionen an EU-Subventionen und öffentlichen Mitteln an Scheinfirmen in Osteuropa abfließen?

Das klingt jetzt zwar nach trockenem Wirtschaftskrimi - ist aber in Wahrheit eine kraftvolle, lebensnahe Geschichte aus dem Leben mitten im Ruhrgebiet, denn diese Toni Blauvogel ist eine wunderbar geerdete Figur - die inzwischen im vierten Roman jetzt zusammen mit ihrem Lebensgefährten und ihrer Katze lebt - irgendwo in essen Holsterhausen. In "Innenhafen" wird sie mit den Erinnerungen an ihre Schul- und Jugendzeit erinnert, aus der sie Karl-Olaf kennt - und wo sie die Ermittlungen jetzt auch wieder mit ihrem alten Schwarm zusammenbringen, in den sie immer  noch heftig verschossen ist.

Rundum gelungen, eine menschlich sympathische Heldin und eine story-mäßig gut ausgedachte Kriminalgeschichte mitten aus dem Leben und dem Ruhrgebiet.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Ursula Sternberg
Innenhafen
Emons


29.8.12

eBooks: Rattensommer von Karr und Wehner

eBooks: Rattensommer von Karr und Wehner

Iain Levison: Hoffnung ist Gift


Jemand musste ihn verleumdet haben ... Kafka lässt grüßen, wenn es Taxifahrer Jeff Sutton aus Dallas erwischt. Erste Erkenntnis, nachdem er eine Lady vom Flughafen ins Schicki-Viertel gefahren und im Haus aufs Geld gewartet hat: Fass keinen fremden Fenster an.
Zweite Erkenntnis, nachdem er dann in der Nacht seine Kutsche dampfgestrahlt hat, um die K** von zwei besoffenen Teenies wegzumachen: Geh nicht mit dem Dampfreiniger durch den Wagen, nachdem du fremde Fenster angefasst hat.

Denn schon zwei Tage drauf steht die Polizei vor seiner Tür - "Dürfen wir mal rein? - Wo gehts zum Schlafzimmer? Ist das das Bad?" - und Jeff sitzt von einer Sekunde zur anderem im Gewahrsam ein paar Bullen gegenüber, die wissen wollen, wo er das gekidnappte Mädchen versteckt hat.
Jeff hat keine Ahnung, um was für ein Mädchen es geht, und er denkt sich: jetzt kommt das good cop-bad-cop-Spiel.
Dritte Erkenntnis: Es gibt keine guten Cops.
Deshalb sitzt Jeff dann auch plötzlich mir nichts dir nichts als Untersuchungshäftling im Todestrakt. Nur zu seiner Sicherheit - "Denn dir Normalos mögen Kerle nicht, die kleinen Mädchen was getan haben!"

Aber dass er das Mädchen weder gekidnappt, noch missbraucht noch umgebracht noch versteckt hat, das wird sich sicher bald herausstellen, denkt sich Jeff und sagt: "Ich will einen Anwalt!".
Vierte Erkenntnis: Es gibt keine guten Anwälte und das Leben ist kein Grisham-Roman. Deshalb gibt auch keine großen Courtroom-Duelle sondern einen glatten Prozess mit einem glasklaren "schuldig" der Geschworenen.

Doch damit ist Jeff Suttons Geschichte, die Ian Levison durch das Ich seiner Hauptfigur erzählt, noch längst nicht zu Ende. Denn ist das Leben noch so schwer - kommt von irgendwo noch eine weitere Anwaltratte daher....

"Hoffnung ist Gift" kommt mit seiner Geschichte, jedem Kapitel und jedem Satz sofort zur Sache, geht sofort ins Stammhirn, packt mit er schnörkellosen Erzählung Jeff Suttons. Dass unser Held nicht gerade die hellste Laterne in Gottes Garten ist, macht die Sache dabei um so spannender.
So stoisch wie Jeff, reagiert, wenn er gerade wieder mal ein Stück tiefer in die Scheiße gerutscht ist, wie naiv er im mit den Psychopathen im Knast umgeht - "Ich heiße Robert. Sag immer Robert zu mir. Lass dir nicht einfallen, mich Bob zu nennen. Dann werde ich dich töten. Genau wie die anderen!" - all das nimmt einen als Leser sofort für ihn ein. Man hofft mit und für ihn, dass doch noch alles ein gutes Ende nehmen möge, dass von irgendwoher ein Zeuge auftaucht, der ihn rausreißt oder sonst ein Deux ex machina, mit dem konventionellere Krimikünstler gern und schnell zur Hand sind.
Doch nichts da: Selbst als alles gut zu werden scheint und Jeff als freier Mann aus dem Gerichtssaal marschiert, ist das eine bittere Pointe einer an sich schon ganz schön bitteren Geschichte.
Zentraler Satz: "Ist er das?" - "Das ist er!"
Fazit: Grauenhaft gut geschriebener neo-noir.

Iain Levison:
Hoffnung ist Gift,
Deuticke

27.8.12

Zoran Drvenkar
Du bist zu schnell


Val erwacht in einer geschlossenen Anstalt. Nichts ist mehr wie zuvor. Sie hat Dinge gesehen, die sie nicht hätte sehen dürfen. Eine Welt, verborgen in unserer. Die Welt der Schnellen. Val stellt Nachforschungen an, denn sie glaubt, den Schnellen auf die Spur zu kommen. Bis mit Blut auf ihrem Spiegel steht: "Wo bist du gewesen?!"

Das Leben ist spannend - Aber auch ziemlich gefährlich

Eine Wahnsinnsfahrt nach Berlin: Marek hat seine Freundin Valerie - Val - auf dem Rücksitz, es ist Nacht, und es ist etwas geschehen. Was - das ist nicht so leicht zu sagen. Hat es etwas mit den Pillen zu tun, die Val seit langem heimlich genommen hat? Konsequent und spannend nähert sich der Roman seinem ersten Höhepunkt, bei dem wir erfahren, dass Marek und Val fliehen, weil es eine Tote gegeben hat. Sie liegt in Vals Wohnung, und Marek hat Val neben ihr entdeckt. Die Schlußfolgerung liegt nahe: Val hat eine schreckliche Dummheit gemacht.

Doch nichts ist so, wie es zunächst scheint in diesem Buch - wie wechseln die Perspektive und erfahren alles von Val: Von ihrer Jugend mit Drogen und der Clique, den psychotischen Schüben unter denen sie leidet, den Pillen, die sich beschafft, um die zu bekämpfen.
Und schließlich erfahren wir auch, wer die Tote in Vals Wohnung ist - ihre alte Freundin Jenni. Doch was hat Val mit ihrem Tod zu tun? Noch ist es nicht in der Zeit, das Geheimnis aufzulösen, das Marek und Val in dieser Nacht aneinanderkettet. Und was "die Schnellen" für eine Rolle dabei spielen, von denen Val sich verfolgt und bedroht fühlt. Einbildung eines Psychotikerin? Reale Bedrohung?

"Du bist zu schnell" ist wirklich schnell. Rasant erzählt und von einer bestechenden Stilsicherheit: knallbunte Effekte im perfekten Gleichgewicht mit einfühlsamen, nachfühlenden Annährungen an die Personen. Der Roman sagt uns etwas über die Menschen, mit denen wir zusammenleben. Und damit auch etwas über uns und die Welt, in der wir leben.

Zoran Drvenkar wurde 1967 in Krizevci, Jugoslawien geboren. Als er drei Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern nach Berlin, wo er seine Kindheit im typischen Gastarbeitermilieu verbrachte. Er begann seine Kindheits- und Jugenderlebnisse aufzuzeichnen und arbeitet seit 1990 als freier Schriftsteller. Für seine Romane, Gedichte und Kurzgeschichten erhielt er mehrere Literaturstipendien und wurde bereits mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet. Zoran Drvenkar lebt heute in Potsdam.

Zoran Drvenkar
Du bist zu schnell
Klett-Cotta 2003

24.8.12

Gisbert Haefs: Mord am Millionenhügel

Er ist dick, er ist verfressen, er ist ein Klugscheißer und er trägt schreiend gelbe Morgenmäntel. Sein Name ist Matzbach, Balthasar Matzbach, und er trat zum ersten Mal 1981 auf, in dem Roman MORD AM MILLIONENHÜGEL, mit dem Gisbert Haefs aus Bonn den ersten Preis in einem Krimi-Wettbewerb des Goldmann-Verlages gewonnen hatte. Bzw nicht nur gewonnen, sondern auch verdient: denn dieser Matzbach, der in Bonn - damals noch Sitz des Parlaments und auch bekannt als "Bundesdorf" - ist die deutsche Antwort auf alle Superdetektive von Sherlock Holmes bis Nero Wolfe - und zugleich auch deren Parodie.

Matzbach ist fett, faul und verfressen, hat schlechte Manieren aber er ist ein gottverdammtes Genie, was seine diversen Gegenspieler zur Raserei treibt. Kein noch so abseitiges Wissensgebiet, in dem der universal halbgebildete Matzbach nicht in brillant dilettiert.

Matzbach kam, wie es in seiner fiktiven Biographie heißt, im gleichen Jahr über die Welt wie der Zweite Weltkrieg. Später studierte er Philosophie und Kernphysik, erfand "irgendetwas für das Betatron", was ihm bis heute ein regelmäßiges Patent-Einkommen bringt. Außerdem komponierte er irgendwann einmal einen Gassenhauer, für den ihm die GEMA jedes Jahr Tantiemen überweist.

Seitdem praktiziert Matzbach als Universaldilettant, indem er im wesentlichen seinen Mitmenschen auf die Nerven geht: unberechenbar, besserwisserisch und mit drastischem Witz. Und nur aus Langeweile betreut er die Ratgeberspalte einer Frauenzeitschrift, wo er unter FRAGEN SIE FRAU GRISELDIS Lebensratschläge gibt.

Matzbachs erster Fall ist jetzt . zusammen mit seinen anderen Fällen, beim KBV-Verlag wieder neu aufgelegt worden:

Mord am Millionenhügel führt ins ins Bundesdorf Bonn in den Achtzigern, wo Balthasar Matzbach eines Morgens nach einer ausgedehnten - einer sehr ausgedehnten - Zechtour durch die Bonner Altstadt - in seinem Badezimmer eine fremde Zahnbürste findet.
Nun gut, das kann passieren.
Normale Menschen gehen über so etwas hinweg.
Nicht so Matzbach.
Er versucht zu rekonstruieren, woher die Zahnbürste stammt und kommt dabei einem unauffälligen Mann auf die Spur, der die de Bürste möglicherweise hinterlassen haben könnte.
Doch... der Mann ist verschwunden.
Weg.

Was Matzbach nur zu weiteren, intensiveren Recherchen animiert, zu denen er seinen gesamten Freundeskreis einspannt: den Reporter Moritz, den Schriftsteller Henry und den Arzt mit dem seltsamen Namen Römertopf.

Alle Spuren führen unsere ermittelnden Freunde schon bald zum Millionenhügel, einer Ecke in Bonn, wo in ein paar nachbarlichen Häusern eine paar besser situierte Menschen leben, die offenbar durch ein großes Geheimnis miteinander verbunden sind...
Die Neuausgabe des ersten Matzbach-Abenteuers: Für die Matzbach-Fans der ein Muss und für die, die Matzbach-Fans werden wollen sowieso.

Reinhard Jahn

Gisbert Haefs
Mord am Millionenhügel

Neuausgaben bei KBV

22.8.12

Factsheet TMB Krimi hinter Gittern Teil 3

Die telefonische Mord(s)beratung

Knastbrüder - Krimi hinter Gittern 
Moderation: Thomas Hackenberg
Wenn der Täter gefasst und das Urteil gesprochen ist, dann beginnt die Strafe. Der Täter geht in den Knast, er fährt ein, er wandert hinter Gitter. Es gibt Krimi-Autoren, die ihre Thriller hinter Gittern ansiedeln, aber es gibt auch immer wieder Gefangene, die erst während ihrer Strafe zum Schreiben kommen und seither Krimis veröffentlichen. Die Krimiexperten Reinhard Jahn (Bochumer Krimiarchiv), Ulrich Noller (WDR) und die Journalistin Ingrid Müller-Münch stellen die außergewöhnlichsten Knast-Krimis vor.
Hörerinnen und Hörer können sich unter der kostenfreien Telefonnummer 0800- 5678 555 an der Sendung beteiligen.
Redaktion: Petra Brandl-Kirsch
Termin: 25.08.2012, 21:00 Uhr
Ort: Burg Nideggen Kirchgasse 10 52385 Nideggen
Der Eintritt ist frei. Wichtig: Kostenlose Sitzplatzreservierung für die Mord(s)beratung erforderlich.
Anmeldung unter Burgenmuseum 02427-6340 und Servicezentrale des Kreises Düren 02421-2220

Teil 1:
Klassische und legendäre Gefängnisse

Teil 2
Knast-Autoren, Schriftsteller hinter Gittern

Teil 3
Knastfilme und Knastromane

Die Mutter aller modernen Knast-Romane:
Papillon
von Henri Charrière
Henri "Papillon" Charrière (1906 - 1973) war wegen Totschlags zur lebenslänglicher Verbannung (und Zwangsarbeit) im "Bagno" (=Strafanstalt) in Französisch-Guayana verurteilt worden. Er versuchte immer wieder zu fliehen. Er saß von 1932 bis 1945 ein und veröffentlichte 1970 mit PAPILLON seine angeblichen Roman-Memoiren über seine Zeit als Gefangener. Die Authentizität der Geschichte wurde an einigen Stellen bezweifelt, die Roman-Story wurde für den Hollywoodfilm "Papillon" (1973) mit Steve McQueen und Dustin Hoffmann nochmals gestrafft und verändert.
Der titelgebende "Papillon" = Schmetterling ist eine Tätowierung auf Charrières Brust als Smybol seines Freiheitsdranges.




Die Mutter aller Knast-Filme:
Der Gefangene von Alcratraz (Birdman of Alcatraz)
aus dem  Jahr 1962: John Frankenheimer verfilmte die Geschichte von Robert Stroud, der wegen Totschlag verurteilt wurde und in seiner 50jährigen Haftzeit auf dem legendären "Rock", der Gefängnisinsel Alcatraz in der Bucht von San Francisco zum Experten in Vogelkunde wurde.
Burt Lancaster wurde für die Rolle für den Oscar nominiert.





Der Unbeugsame
 (Cool Hand Luke)
ist ein US-amerikanisches Gefängnisdrama aus dem Jahr 1967. Der Film erzählt die Geschichte eines von Paul Newman dargestellten Veteranen und seinen Anpassungsschwierigkeiten während einer Haftstrafe.




Die Verurteilten
(The Shawshank Redemption)
von Frank Darabont ist ein Gefängnisdrama nach der  Novelle Rita Hayworth and Shawshank Redemption  von Stephen King. Der Film erzählt die Geschichte des zu lebenslanger Haft verurteilten Andy Dufresne (Tim Robbins)und dessen Freundschaft zu seinem Mithäftling Red (Morgan Freeman) erzählt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verurteilten



Brubaker
aus dem jahr 1980 von Stuart Rosenberg ist die Geschichte von Henry Brubaker (Robert Redford), der sich, als er zum Gefängnisdirektor von Wakefield ernannt wird, dort undercover als Gefangener einschleusen lässt. Er lernt während seiner "Haftzeit" alle Misssstände der Anstalt und des Vollzugssystem kennen und stellt sich bei einer ausbrechenden Revolte auf die Siete der Gefangenen.
 http://de.wikipedia.org/wiki/Brubaker

 


15.8.12

Factsheet TMB Krimi hinter Gittern Teil 2

Factsheet zur Sendung

Die telefonische Mord(s)beratung

Knastbrüder - Krimi hinter Gittern 
Moderation: Thomas Hackenberg
Wenn der Täter gefasst und das Urteil gesprochen ist, dann beginnt die Strafe. Der Täter geht in den Knast, er fährt ein, er wandert hinter Gitter. Es gibt Krimi-Autoren, die ihre Thriller hinter Gittern ansiedeln, aber es gibt auch immer wieder Gefangene, die erst während ihrer Strafe zum Schreiben kommen und seither Krimis veröffentlichen. Die Krimiexperten Reinhard Jahn (Bochumer Krimiarchiv), Ulrich Noller (WDR) und die Journalistin Ingrid Müller-Münch stellen die außergewöhnlichsten Knast-Krimis vor.
Hörerinnen und Hörer können sich unter der kostenfreien Telefonnummer 0800- 5678 555 an der Sendung beteiligen.

Redaktion: Petra Brandl-Kirsch

Termin: 25.08.2012, 21:00 Uhr

Ort: Burg Nideggen Kirchgasse 10 52385 Nideggen

Der Eintritt ist frei. Wichtig: Kostenlose Sitzplatzreservierung für die Mord(s)beratung erforderlich.
Anmeldung unter Burgenmuseum 02427-6340 und Servicezentrale des Kreises Düren 02421-2220

Teil 1: Klassische und legendäre Gefängnisse

Teil 2: Knast-Autoren, Schriftsteller hinter Gittern

Teil 3:  Knastromane und Knastfilme


Edward Bunker (1933 bis 2005) hatte mehere Male wegen Gewalttaten in San Quentin und anderen Anstalten eingesessen und während der Haft mit dem Schreiben begonnnen.
Sein erster Roman "No Beast So Fierce" ("Wilder als ein Tier") erschien 1973 und spiegelt, wie viele seiner anderen Bücher, seine Gefängniserfahrungen wieder.
Er arbeitete - mit seinen "Spezialerfahrungen" als Drehbuchautor für Hollywoodfilmen und trat auch als Schauspieler - etwa in Quentin Tarantinos "Reservoir Dogs" auf.



Textprobe:„Zuerst finden Sie einen Freund. Er macht keine Annäherungsversuche. Dann werden Sie von einem anderen, vielleicht einer Bande, unter Druck gesetzt. Sie wollen Ihnen Ärger machen, und Sie denken, dass es auf eine gewaltsame Auseinandersetzung hinausläuft. Zu uns können Sie nicht kommen, glauben Sie, also wenden Sie sich an Ihren Freund, und er kommt wie der Ritter in schimmernder Rüstung angeprescht … setzt sein Leben für Sie aufs Spiel, meinen Sie. Doch dann stellt er Sie vor die Wahl – Hosen runter, oder er liefert Sie der Bande aus … Wir haben eine Menge Tiere hier. Die fressen Sie bei lebendigem Leib auf."(„The Animal Factory", 1977. „Ort der Verdammnis", 1996)
http://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Bunker
Edward Bunker bei NNDP: http://www.nndb.com/people/875/000066677/


Bild: Wikipedia
Peter Zingler, Jahrgang 1944, saß wegen verschiedener Einbrüche ein. Im Gefängnis begann er zu schreiben  - zuerst waren es Stories, die er bei Männermagazinen wie dme Playboy und dem Penthouse unterbringen konnte. Später schickte er einen Drehbuchentwurf für EIN FALL FÜR ZWEI an Günter Strack und kam durch ihn in Kontakt mit dem Produzenten der Serie, dem bekannten Krimiautor Karlheinz Willschrei. Bald lieferte Zingler seine ersten Drehbücher und wurde nach seiner Entlassung zu einem gut beschäftigen Autor für TATORT und andere Serien. Anfang legte er Wert darauf, in "seinen" Tatort-Filmen auch immer als Kleindarsteller mit einer Rolle aufzutreten.

Später produzierte Zingler 1999 den - natürlich - Knastfilm "Alles nur Tarnung" mit einer prominenten Besetzung nach einem eigenen Drehbuch und unter seiner Regie.


 
Henry Jaeger (1927 - 2000) schaffte es - verkürzt gesagt, nach dem Krieg nicht, im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen und wurde wegen verschiedener Raubüberfälle (mit einer eigenen Bande) 1956 zu 12 Jahren verurteilt.
In der Haft schrieb er "Die Festung", einen Gefängnisroman, der erfolgreich vom Fernsehen verfilmt wurde. Die Literaturszene war durch den Roman auf ihn aufmerksam geworden und es gelang, Jeager 1963 mit einem Gnadenerlass aus dem Gefängnis zu hollen. Er absolvierte dann eine Ausbildung bei der Frankfurter Rundschau.
Er schrieb Kriminalstories und zeitkritische Romane (teilweise mit Krimi-Handlung). Bei der Kritik konnte er freilich nie wieder den Erfolg und die Anerkennung erzielen, die er mit seinem Erstling erreicht hatte.

http://www.krimilexikon.de/jaeger.htm
http://www.ticinarte.ch/index.php/jaeger-henry.html


Jack "the Ripper" Unterweger (1950 - 1994) war ein österreichischer Mörder und Autor. Unterweger wurde 1973 wegen eines Frauenmordes zu lebenslänglich verurteilt und begann in der Haft zu schreiben. Mit seinem Buch "Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus" erregte er als "Knastpoet" die Aufmerksamkeit der österreichischen Literaturszene (und der Schickeria). 1990 wurde er nach 16 Jahren auch aufgrund einer Petition prominenter Autor bedingt entlassen - und galt als Paradebeispiel gelungener Resozialisierung. Sechs Monate nach seiner Entlassung begann eine Serie von Prostituiertenmorden in Österreich, Tschechien und den USA, wegen der Jack Unterweger 1992 in Los Angeles verhaftet wurde. Unterweger bestritt trotz klarer forensischer Beweise die Taten und wurde 1994 wegen neunfachen Mordes erneut zu lebenslanger Haft verurteilt. Er erhängte sich nach dem Urteil in seiner Zelle. Nach österreichischem Recht ist des zweite Urteil nicht rechtskräftig und Unterweger muss wegen der angeklagten neun Morde als unschuldig gelten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Jack_Unterweger



Burkhard Driest (*1939) war Deutschlands bekanntester Bankräuber - aber nicht wegen des Bankraubes, sondern weil ihn Romy Schneider in einer Talkshow so sehr anmachte, dass die Luft brannte. ("Sie gefallen mir, Sie gefallen mir sehr!")
Driest hatte Jura studierte und 1965, ein paar Tage vor seinem Examen, eine Bank bei Hannover überfallen. Er wurde verhaftet und zu fünf Jahren verurteilt. Er saß in der JVA Celle ein (später bekannt geworden durch das "Celler Loch") und wurde nach etwas mehr als drei Jahren 1968 vorzeitig wegen guter Führung entlassen.
 Seine Knast-Erfahrungen verarbeitete er ind em Roman "Die Verrohung des Franz Blum", der 1972 erschien und 1974 verfilmt wurde. Driest spielte dort selbst mit - freilich als "böser" Gegenpart des Helden Franz Blum, der von Jürgen Prochnow gegeben wurde.

"Die Verrohung..." schildert die "Knast-Karriere" eines an sich harmlosen, intelligenten, aber schwachen Bankräubers, der sich in der harten, bösartigen Knast-Hierarchie durchsetzt.
Driest arbeitet bis heute als Drehbuchautor, Schauspieler und aktuell auch wieder als Romanautor. Er schrieb eine Krimis um "Kommissar Costa" auf Ibiza.
"Der rote Regen" / "Sommernachtsmord" / "Liebestod"
 Das Leben des Burkhard Driest / Biographische Webseite





Siegfried W. Dennery, der "Räuber mit der sanften Hand", (*1954) übernahm nach dem Tod seines Vaters 1969 dessen Versicherungsagentur, später führte er einige Nachtlokale.
Zur  - nach eigenen Angaben -  Behandlung seines Asthmas wanderte er in die Karibik nach St. Lucia aus und finanzierte sein Leben und das seiner Familie dort mit Banküberfällen, zu denen er jeweils eigens nach Deutschland einreiste. Gemeinsam mit einem Komplizen erbeutete er dabei mehr als 1,2 Millionen Mark und wurde wegen seiner Vorgehensweise "Das Phantom" genannt.
1983 wurde er nach einem Überfall gefasst zu 14 Jahren verurteilt. In der Haft studierte er Literaturwissenschaft und schrieb einen auf seiner Geschichte basierenden Kriminalroman, der 1995, zwei Jahre nach seiner Entlassung aus der Haft veröffentlicht wurde und die Vorlage zu dem dreiteiligen Fernsehfilm "Der Räuber mit der sanften Hand" bildete, in dem Dennerys Part von Hannes Jaenicke gespielt wurde.
2007 wurde Dennery erneut wegen verschiedene Banküberfälle verhaftet und zu 18 Jahren Haft verurteilt.

13.8.12

Factsheet TMB Krimi hinter Gittern Teil 1

Factsheet zur Sendung

Die telefonische Mord(s)beratung

Knastbrüder - Krimi hinter GitternModeration: Thomas Hackenberg
Wenn der Täter gefasst und das Urteil gesprochen ist, dann beginnt die Strafe. Der Täter geht in den Knast, er fährt ein, er wandert hinter Gitter. Es gibt Krimi-Autoren, die ihre Thriller hinter Gittern ansiedeln, aber es gibt auch immer wieder Gefangene, die erst während ihrer Strafe zum Schreiben kommen und seither Krimis veröffentlichen. Die Krimiexperten Reinhard Jahn (Bochumer Krimiarchiv), Ulrich Noller (WDR) und die Journalistin Ingrid Müller-Münch stellen die außergewöhnlichsten Knast-Krimis vor.
Hörerinnen und Hörer können sich unter der kostenfreien Telefonnummer 0800- 5678 555 an der Sendung beteiligen.

Redaktion: Petra Brandl-Kirsch

Termin: 25.08.2012, 21:00 Uhr

Ort: Burg NideggenKirchgasse 10 52385 Nideggen

Der Eintritt ist frei. Wichtig: Kostenlose Sitzplatzreservierung für die Mord(s)beratung erforderlich.
Anmeldung unter Burgenmuseum 02427-6340 und Servicezentrale des Kreises Düren 02421-2220


Erst mal die Realität:
Berühmte Gefängnisse

ALCATRAZ:
Eine Insel in der Bucht von San Francisco, die in den dreißiger Jahren (1934) zum Hochsicherheitsgefängnis umgebaut wurde, das bis 1963 in Betrieb war. Belegung: etwa 250 Gefangene.
Wegen er Strömungen im umgebenden Meer galt "The Rock" als ausbruchssicher und offiziell gelang auch keinem der Gefangenen die Flucht.
Einen spektakulären Fluchtversuch wagten drei Gefangene 1963: sie kratzten mit ihren Stahlbestecken den Mörtel aus den Wänden, schufen eine Fluchtöffnung und versuchten mit einem Schlauchboot, das sie aus Regenmänteln und Klebstoff gebaut hatten, zu entkommen. Es wird vermutet, dass sie dabei umgekommen sind.
Diese Flucht liefert die Vorlage zu dem Film "Die Flucht von Alcatraz" (1979) von Don Siegel, mit Clint Eastwood in der Hauptrolle.
Die einzige wirklich dokumentierte "Flucht" von Alcatraz gelang 1987 dem Zauberer David Copperfield, der sich für einen  Showact in eine der Zellen einsperren ließ und daraus verschwand.

Für "The Rock – Fels der Entscheidung" einem Jerry Bruckheimer-Blockbuster aus dem Jahr 1996 lieferte Alcaratz die Showdown-Kulisse für einen Action-Thriller mit Nicolas Cage und Sean Connery.


 RIKERS ISLAND
ist eine Gefängnisinsel im East River vor New York mit dem größten Gefängniskomplex der Welt mit insgesamt zehn verschiedenen Gefängnissen und dazugehörigen Krankenhäusern oder Versorgungseinrichtungen. Belegung insgesamt mit 17000 Gefangenen


"Legendäre" deutsche Haftanstalten:

"Santa Fu" in Hamburg: JVA Fuhlsbüttel, reine Männeranstalt, Strafvollzug und Sicherungsverwahrung. Entstanden aus dem "Centralgefängnis", das Ende des 19 Jh erbaut wurde. Der Name entstand aus der verwaltungsmäßigen Abkürzung "St Fu" für "Strafvollzugsanstalt Fulsbüttel". Seit 2006 stellen die Gefangenen Waren unter der Marke "Santa Fu" her. Die Erlöse gehen an den Weißen Ring, eine Oopferhilfsorganistaion.
Gefangenenzeitschrift: Blickpunkt. Mit eigener Webseite


"Klingelpütz" in Köln, das ehemalige Gefängnis am Gereonswall, der Name ist eine kölsche Prägung aus dem Namen der Grundbesitzer Clingelmann und den Brunnen auf dem Gelände ("Pütz"),"dä Klingelmannspöötz" wurde zum Straßennamen und zur Adresse des Gefängnisses, das in verschiedenen Formen dort von 1833 bis 1969 existierte. Im Dritten Reich dar die Anstalt die zentrale Hinrichtungsstätte für die Sondergerichte des Rheinlandes, mehr als 1000 Hinrichtungen sollen dort vorgenommen worden sein.
Heutiger "Klingelpütz" in Köln ist die "JVA Köln" in Ossendorf mit knapp 900 Plätzen für Männer und knapp 300 Plätzen für Frauen.- In Betrieb ist die Anstalt seit 1969. Prominente Insassen waren Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Günter Guillaume und Pleite-Bankier Ivan Herstatt.


"Krawehle" in Essen, offiziell "JVA Essen": Untersuchungs- und Vollzugsanstalt in Essen, an der Krawehlstraße in räumlicher Nähe zu Amts- und Landgericht. Belegung  rund 500 Gefangene, davon 60 Prozent im Strafvollzug. Namensgebung nach der Adresse Krawehlstraße. Ernst Krawehl: Essener Verleger und Geschäftsmann.
Die Anstalt hat eine recht informative Webseite: www.jva-essen.nrw.de
Die JVAs NRW bieten die Waren, die von Gefangenen hergestellt werden, im www.knastladen.de übers Internet an: Büromöbel, Dekoartikel, Bekleidung u.v.m.

"Krümmede" in Bochum,
offiziell "JVA Bochum", Ende des 19 Jh als "Königlich Preußisches Centralgefängnis" errichtet, Belegung knapp 900 Gefangene, Benennung nach der Straßenadresse "An der Krümmede". Zuständig als Abschiebehaftanstalt und Strafhaft Erstvollzug und Strafhaft bis zwei Jahren.

Stuttgart "Stammheim",
offiziell "JVA Stuttgart", die zweitgrößte JVA in Baden-Württemberg, Belegung knapp 900 Gefangene, erlangte während der RAF-Prozesse bundesweite Berühmtheit, für die 1975 eigens neben der Anstalt ein Justizgebäude errichtet wurde. Die später verurteilten RAF-Gefangenen saßen in Stammheim unter besonderen Bedingungen ein. Sie sollten 1977 von einem Terrorkommando, das eine Lufthansa-Maschine gekidnappt hatte, freigepresst werden. Als die Geiseln durch einen GSG9-Einsatz in Mogadischu befreit wurden, begingen drei RAF-Gefangene (Andreas Baader, Jan Carl Raspe und Gudrun Ensslin) in der Haft Selbstmord.
"Stammheim" ist auch dokumentarischer Spielfilm von Reinhard Hauff auf dem Jahr 1986 über die RAF-Prozesse.


"Lübecker Hof" in Dortmund, offiziell, JVA Dortmund an der Lübecker Straße in der Nähe von Amts- und Landgericht. Erbaut Anfang des 20, Jh, zunächst als Untersuchungshaftanstalt, später erweitert zur Vollzugsanstalt. Kapazität: knapp 500 Gefangene, davon 60 Prozent im Vollzug, 40 Prozent in U-Haft.

Die "Plötze", offizielle "JVA Plötzensee" in Berlin, teilweise auf dem Gelände des "Strafgefängnis Plötzensee" , das in der zweiten Hälfte des 19 Jh erbaut wurde. Geschlossener und offener Männervollzug.  In der Zeit des Nationalsozialismus war die Plötze "zentrale Hinrichtungsstätte", mehr als 3000 Hinrichtungen sollen hier vorgenommen worden sein.

"Sankt Adelheim", offiziell "JVA München" an der Stadelheimer Straße. Auch einfach "Stadelheim" genannt. "Sankt Adelheim" bezieht sich auf die ironsich Schreibung der Adresse als "St. Adelheim", was "Sankt Adelheim" ausgesprochen wird - mit Betonung auf "Adel". Männergefängnis, Jugendgefängnis, Frauenabteilung, Kapazität zwischen 14000 und 2100 Gefangenen. Erbaut Ende des 19. Jh.

Der "Hohenasperg" bei Ludwigsburg in Baden-Württemberg ist eine alte Festung, die seit dem 18. Jh als Gefängnis, oft für politische Gefangene, benutzt wurde. Seit 1968 befindet sich hier ein Vollzugskrankenhaus, und es heißt: "Der Hohenasperg ist der höchste Berg Deutschlands, es dauert ewig bis man wieder herunter ist." 

Danke für die weiteren Infos und Tipps an:
Michaela Pelz, Regula Venske, Jörg Wittler, Georg Simader, Sabine Thomas