25.11.07

Mark Billingham: Die Blumen des Todes

Schauplatz London, der Mutter aller Schauplätze für klassische britische Polizeikrimis. Inspektor Tom Thorne wird zu einem Tatort gerufen, der ihn schockiert - eine Szene in einem Hotelzimmer, die an Grausamkeit kaum zu ertragen ist. Und schon bald stellt sich heraus, dass es sich hier nur um den ersten einer Serie von Morden handelt, denen jeweils kürzlich entlassene Sträflinge zum Opfer fallen.
Ein Krimi, der nicht nur die Ermittlungsarbeit (legwork) der Polizei in den Mittelpunkt stellt, sondern auch die Gruppendynamik innerhalb des Ermittlerteams. Denn nicht jede Polizeieinheit tritt immer geschlossen zum Kampf gegen des Vebrrcehen an, sondern besteht aus einer Vielzahl von Charakteren, die alle Einzelinteressen verfolgen.

Mark Billingham
Die Blumen des Todes
Goldmann 45730

15.11.07

Mörder im Hotel

Mörder im Hotel
Auf Reisen mit Agatha Christie: Das gepflegte Verbrechen zum Fünf-Uhr-Tee
Von Reinhard Jahn

"Ich begreife nicht, wie so etwas in einem anständigen Hotel geschehen kann."
Agatha Christie: Der Todeswirbel (Taken at the Flood)

Inspektor McDowell von der Polizeistation Yorkshire hatte sich mit seinem Begeleiter unauffällig zum Hydropathic Hotel begeben, einem der größten und elegantesten Hotels in Harrogate.
Jetzt, gegen Abend des 14. Dezember 1926, wartet McDowells Begleiter in der Hotelhalle auf einen bestimmten Gast - den Gast aus Zimmer Nummer 5, eine Dame, die vor etwa zehn Tagen hier abgestiegen ist. Eine Dame - laut Anmeldung Miss Theresa Neele - die während ihres Aufenthaltes im Hydropathic nichts aufregenderes getan hat, als im Salon beim Tee Kreuzworträtsel zu lösen.

An der Rezeption liegt eine Zeitung mit einem groß aufgemachten Bericht über eine Frau, von der Ehemann, Polizei und vor allem vor allem die Boulevardpresse gern wissen möchte, wo sie sich aufhält: Agatha Mary Clarissa Christie, geborene Miller, Schriftstellerin, populäre Krimi-Autorin, ist seit zehn Tagen verschwunden. Seitdem tappt die Polizei im Dunkeln und die Presse brennt ein Schlagzeilenfeuerwerk ab.
Vor sechs Jahren hat Christie mit "Das fehlendes Glied in der Kette" (The Mysterious Affair at Styles, 1920) ihre Leser für sich und ihren kleinen belgischen Detektiv gewonnen, und erst vor kurzem ist sechster Roman erschienen - "Alibi" (The Murder of Roger Akroyd, 1926) - ein intelligent aufgebautes Verwirrspiel um zwei Morde in dem Dörfchen King's Abbot, mit dessen unkonventioneller Auflösung sich die Christie als eine Meisterin des geschickten plots ausgewiesen hat.

"Where is Mrs Christie?", fragt jetzt die Daily Mail und lobt einhundert Pfund Belohnung für Informationen über den Aufenthaltsort von Agatha aus. Kein Wunder, dass man hinter ihrem Verschwinden nicht mehr und nicht weniger als ein echtes Agatha-Christie-Plot vermutet - ja, vielleicht sogar ein Mord. Der Polizei ist nicht verborgen geblieben, dass es in Mrs Christies Ehe mit dem Weltkriegsflieger Archibald Christie kriselt.
Die Dame aus Nummer 5 kommt aus dem Fahrstuhl. Archibald Christie geht auf sie zu - ja, das ist seine Frau, das ist Agatha. "Die allerdings schien in ihm nur einen entfernten Bekannten zu sehen", so die Hotelverwalterin Mrs Taylor, "dessen Person sie nicht genau einordnen konnte, der ihr allerdings vertraut genug war, daß sie ihm erlaubte, sie in den Speisesaal zu begleiten."

Es ist niemals genau ermittelt worden, warum die Meisterin des gemütlich-komplizierten Detektivromans damals abgetaucht ist. Aber egal, ob sie nun ein Verbrechen oder einen Selbstmord plante, einen plötzlichen Gedächtnisverlust erlitten hatte, oder sich einfach an Archibald rächen wollte - niemand wunderte sich damals wie heute darüber, dass Agatha in einem Hotel der obersten Klasse unterschlüpfte. Weil es einfach selbstverständlich war, dass eine Dame von ihrem Stand und ihrer Popularität einfach in eins der besten Häuser gehörte - ob mit Gedächtnis oder ohne. Auch wer heute für etwa 200 Euro pro Nacht in einem der 136 Zimmer des inzwischen zum Old Swan gewordenen Hydropathic Hotel in Harrogate logiert, wer die Swan Lounge, das Library Restaurant und den Wedgwood Room dort erlebt, spürt sofort die glanzvolle Geschichte des fast 200 Jahre alten Hauses und ahnt noch den Luxus, mit in den Zwanzigern die Gäste umgeben wurden.
Das Hotel als Bühne des Gesellschaftslebens zieht sich wie eine Indizienspur durch das Leben und das Werk der erfolgreichsten Krimi-Autorin aller Zeiten. Agatha Christie ist 20, als sie mit ihrer Mutter auf der SS Heliopolis nach Ägypten reist und in Kairo im Gezirah Palace Hotel (heute: Cairo Marriott) absteigt, um dort kostengünstig in die Gesellschaft eingeführt zu werden.
Ein paar Jahre nach diesem Debüt in Kairo, als Agatha Christie ihre Träume von einer Karriere als Opernsängerin begraben hat, als Krankenschwester arbeitet und sich gleichzeitig an ihrem ersten Kriminalroman versucht, wird sie sich zur Beförderung der kreativen Konzentration ins Hotel Moorland in Hay Tor zurückziehen, um sie Arbeit an der "Mysterious Affair at Styles" zu beenden. "Es war ein großes, trübseliges Hotel mit einer Unzahl von Zimmern und schwach besetzt. Eifrig schrieb ich den ganzen Vormittag, bis mir die Hand wehtat." Hier in Dartmoor bekam der kleine, skurrile Hercule Poirot seinen letzten Schliff.
Nach ihrem Abstecher ins Harrogate Hydropathic im Jahr 1926, nach ihrer Scheidung von Archibald und mit ihrer neuen Bekanntschaft - ihrem späteren Ehemann Max Mallowan, dem sie auf einer Reise zu archäologischen Grabungen im Irak begegnet, entwickelt sich Agatha Christie in den Jahrzehnten zwischen den Kriegen zu einer Reisenden, die mit der größten Selbstverständlichkeit den Komfort gut geführter Grand-Hotels wie des Tigris in Bagdad oder des Pera Palas in Istanbul nutzt.
Die Erfahrungen daraus verdichtet die "Queen of Mystery" immer wieder zum Schauplatz ihrer Detektivgeschichten.

Genau wie in ihrem wirklichen Leben sind die Hotel ihrer Krimis in der Regel die ersten, die besten Häuser am Platz: das Old Cataract Hotel in Assuan in dessen Garten sich vor Hercule Poirots Augen und Ohren die Intrigen zum "Tod auf dem Nil" entwickeln, das fiktive Bertrams in London, in dem Christie Mitte der sechziger Jahre noch einmal den ganzen Charme eines viktorianisches Grand-Hotels aufleben lässt.

Die Hotels in den Christie-Krimis sind nichts anderes als eine nur von einem Hauch der Moderne angewehte Variante jenes Schauplatzes der zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer ganzen Untergattung des britischen Detektivroman seinen Namen verliehen hat - das Landhauses. Jedes Ritz oder Grand-Hotel in Britannien, Frankreich, in Ägypten, dem Irak oder der Karibik, das Agatha Christie mit ihrem Stammpersonal aus knarrigen Militärs, ältlichen Adeligen, einer Vielzahl von Ladys und Damen der besseren Gesellschaft, mit unauffälligen Geschäftsleuten und Anwälten und dem obligatorischen kauzigen Geistlichen bevölkert ist nur ein weiterer Außenposten des zerfallenden Empires: Das Hotel als globalisiertes Landhaus.

Bis heute schmücken sich außer dem ehemaligen Hydropathic in Harrogate eine ganze Reihe von Hotels mit der werbeträchtigen Ehre, "die Christie" beherbergt zu haben. Ein Juwel in Christies Hotelsammlung, die sie sich bei ihren Touren zu den archäologischen Grabungsstätten ihres zweiten Mannes Max Mallowan erreiste, ist dabei das Pera Palas Hotel in Istanbul, wo sie mit der Arbeit am "Mord im Orientexpress" (Murder on the Orient Express, 1934) begann.
Elf Jahre vor ihrem Tod schließlich, als sie mit Ihrem Namen längst weltweit zum Synomyn für "Krimi" geworden - kreiert sie das Christie-Hotel par excellence: Das Bertrams. Es ist nach nach ihrem Londoner Lieblingshotel gestaltet, dem heute noch existierenden Brown's Hotel in Mayfair.
So wie Agatha ihr Bertram's schildert, meint man, müsste heutzutage ein lupenreines Agatha-Christie-Erlebnis-Hotel aussehen: "Draußen an der Treppe, vor den großen Schwingtüren, stand eine Gestalt, die man, auf den ersten Blick wenigstens, für einen Feldmarschall halten konnte, denn Goldtressen und Ordensbänder schmückten die breite, männliche Brust."
Im Innern hatte der Ankömmling das fast beängstigende Gefühl, in eine versunkene Welt versetzt zu sein: "Die Zeit war stehengeblieben. Der Gast befand sich wieder im England Edwards VII.", heißt es in dem gleichnamigen Krimi Bertrams Hotel.
In dem klug ausgetüftelten Retro-Ambiente des Bertram's findet man sich in der Hotelhalle mit den beiden gemütlichen Kohlenfeuern, "flankiert von großen gefüllten Kohleeimern aus Messing, die genauso glänzten wie zu Edwards Zeiten" zum Five-O-Clock-Tea ein, den Christie mit sanfter Ironie auch gleich als Einstieg in die Geschichte zelebriert.
Selbstverständlich schmückt sich auch das heutige Brown's Hotel mit seinem "Afternoon Tea" und seinem berühmten Gast aus der Krimi-Branche - freilich erst an zweiter Stelle hinter Nobelpreisträger Rudyard Kipling, der im Brown's sein "Dschungelbuch" zu Ende schrieb.
"Es ist eine Frage der Atmosphäre", zwinkert Agatha Christie dem Leser mit den Worten von Hoteldirektor Humfries zu: "Das Hotel muss antiquiert wirken, aber gleichzeitig den modernen Komfort besitzen."
Aber letztlich ist auch das Bertram's nur ein weiteres Hotel in der Kette von Christies Hotelszenerien, die ihrem Millionenpublikum ihre ebenso phantasievoll ausgetüftelten Mordgeschichten auch heute noch nahebringen. Denn das Hotel ist ein universeller Ort, eine Kulisse, die sich dem Leser in der ganzen Welt auf Anhieb bekannt vorkommt.
"So viele Hotels sind ja verschwunden, entweder wurden sie im Krieg ausgebombt oder einfach geschlossen", klagt Miss Marples Nichte, ehe sie für ihre Tante ein Zimmer im Bertrams reserviert. Doch die Hotels die Agatha Christie in ihren Romanen geschaffen hat, werden bleiben.
ENDE
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Brown's Hotel: Vorbild für "Bertrams Hotel" (1965)
Albemarle Street, Mayfair, London W1S 4BP

Burgh Island Hotel: Vorbild für "Zehn kleine Negerlein" und "Das Böse unter der Sonne"
Burgh Island, Devon, TQ7 4BG
Old Cataract Assuan. Teilweise Schauplatz von "Tod auf dem Nil"
Abtal El Tahrir Street, Assuan, Egypt
Pera Palas: Arbeit an "Mord im Orient Express", mit einem "Agatha Christie Zimmer"
Mesrutiyet CD. Tapebasi 98-100, Istanbul 80050
Grand Hotel, Torquay: Hier verbrachte Agatha Christie ihre Hochzeitsnacht
The Grand Hotel Seafront, Torquay, Devon TQ26NT
The Old Swan Hotel: das ehemalige "Harrogate Hydropathic"
The Old Swan Hotel, Swan Rd, Harrogate, HG1 2SR




2.11.07

Los, fang an! - Der richtig spannende Einstieg

Von H. P. Karr

Fang niemals mit dem Wetter an, sagt Elmore Leonard in seinen Zehn Regeln zum Schreiben einer guten Geschichte. Denn: Wetter schafft nur Atmosphäre und erzählt keine Geschichte. Wetter ist langweilig. Wie also anfangen? Wie nimmt man den Leser an den Haken? Mit einer Person. Oder besser: mit zwei Personen. Und am besten: mit einer Beziehung zwischen zwei Personen.

  • Ich saß auf meinem Bett in meiner Wohnung in Culver City, sah mir bei abgeschaltetem Ton das Spiel der Lakers an und versuchte dabei, die Vokabeln für meinen Japanisch-Kurs zu büffeln.

So beginnt nach einigen Präliminarien der Erzähltext von Nippon Connection von Michael Crichton, vordergründig ein Thriller über einen Mord in der Niederlassung eines japanischen Konzerns in Los Angeles, hintergründig ein Roman über den japanisch-amerikanischen Wirtschaftskrieg zu Beginn der neunziger Jahre. Ein in seiner ganzen Schlichtheit überzeugender Anfang - nachdem wir in einem vorgeschalteten "Offiziellen Dokument" gelesen haben, dass alles, was jetzt folgt, die "Abschrift interner Aufzeichnungen" des Los Angeles Police Department ist ("Vertraulich zu behandeln"). Es geht also offenbar um die Aussage unseres Helden über seine Rolle bei was auch immer, bei einer Nachermittlung, einer Untersuchung, also garantiert um etwas, das man verdammt ernst nehmen und bei dem man nicht lügen sollte.

Kaum zwei Seiten gelesen und schon am Haken: interne Aufzeichnungen, vertraulich, Los Angeles Police Department - das ist so, als ob uns jemand in eine Ecke zieht und uns zuflüstert: "Du, ich erzähle dir jetzt mal was, das ist der absolute Hammer, aber kein Wort weitersagen!"

Vor dem ersten Satz des Erzähltextes stehen noch zwei weitere kleine Dokumente, mit denen die Rahmenhandlung präzisiert und dramatisiert wird. Offenbar geht es um eine Mordermittlung, die noch nicht abgeschlossen ist, unser Held heißt Smith, Lieutenant Pete Smith, und jetzt erst, endlich, lernen wir ihn genauer kennen, mit seinen eigenen Worten:

  • Ich saß auf meinem Bett in meiner Wohnung in Culver City, sah mir bei abgeschaltetem Ton das Spiel der Lakers an und versuchte dabei, die Vokabeln für meinen Japanisch-Kurs zu büffeln.

Pete Smith erzählt gradlinig und geradeheraus, denn wir lesen ja, wie der Rahmen aus Dokumenten uns suggeriert, ein Aussageprotokoll und wundern uns deshalb kein bisschen darüber, dass er sich an die bloßen Fakten hält und kein Wort über das Wetter an diesem Abend verliert, an dem er seine japanischen Vokabeln lernt. Warum, zum Teufel, lernt er Japanisch?
Gleich im ersten Nebensatz erwischt uns ein weiterer Angelhaken, und der bleibt hängen, während der Autor einen kleinen Umweg macht: Pete Smith erzählt von sich - er ist geschieden, hat eine Tochter und arbeitet erst seit kurzem im Sonderdezernat des LAPD.

Und wieder etwas, das neugierig macht: Was für ein Sonderdezernat? Ein besonderes Sonderdezernat, erfahren wir umgehend; hier kümmert man sich um die Fälle, in denen ausländische Diplomaten oder Persönlichkeiten Probleme mit der Polizei haben.
Und während unser Held uns mit ein paar Anekdoten aus seiner Arbeit beim Sonderdezernat unterhält, kommen wir Leser ganz nebenbei von selbst darauf, warum Pete Japanisch lernt: Es gehört zu seinem Job. Kaum viereinhalb Seiten gelesen und schon haben wir unsere Hauptfigur kennen gelernt, sind mitten in der Geschichte und warten darauf, was als Nächstes passiert -
  • Dann rief Tom Graham an.
    "Es geht um die verdammten Japsen", sagte er.
Tom Graham, lernen wir daraus, ist schlimmstenfalls ein Rassist oder bestenfalls ein Rüpel - mit diesem prägnanten Dialogsatz ist die Figur blitzschnell charakterisiert. Graham beordert unseren Helden zu seinem Einsatz - in der neu erbauten Zentrale eines japanischen Konzerns ist eine Frau tot aufgefunden worden.
Alles in allem ein Klassiker unter den Standardsituationen eines Krimis, deshalb tut Michael Crichton auch gut daran, die Szene nicht weiter auszumalen, sondern unsere Neugier sofort weiter zu kitzeln. Unser Held bekommt nämlich einen weiteren Anruf - von seinem Vorgesetzten:
  • "Hol Connor ab und fahr mit ihm zum Tatort!"
    "Wen?"
    "John Connor. Der Name dürfte dir doch wohl bekannt sein."

Wieder ein Haken, der da ausgeworfen wird. Wer ist dieser Connor? Woher kennt unser Held ihn? Die Information wird zügig nachgeliefert - und macht uns nur noch neugieriger:
Connor war vor einigen Jahren ausgeschieden, aber die Kontakt-Officers, die mit ihm zusammengearbeitet hatten, stimmten alle darin überein, daß er der beste war. Er war berühmt für seine Schnelligkeit; manchmal hatte er einen Fall innerhalb von Stunden gelöst. Er stand im Ruf, ein geschickter Detective und ein hervorragender Vernehmer zu sein, der aus Zeugen Informationen herausholte, die sonst keiner bekam.
Das klingt verdächtig nach der Art von Vorschusslorbeer, mit der schon Doktor Watson hundert Jahre zuvor seinen Meister Sherlock Holmes bekränzt hat - und wir sehen im ersten Moment gar nicht, wie geschickt uns der Autor hier von einer Standardsituation in die nächste führt, um damit der ganzen Geschichte eine neue Wendung zu geben: Lieutenant Pete Smith scheint nicht der einzige Held unserer Geschichte zu sein, sondern "nur" der Bote, der uns von den Taten eines großen Meisterermittlers erzählen wird. Und schon brennen wir darauf, diesen John Connor kennen zu lernen:
  • Er war erstaunlich groß, ungefähr einen Meter neunzig, und er trug einen yukuta, einen leichten japanischen Hausmantel, aus blauer Baumwolle. Ich schätzte den Mann auf fünfundfünfzig. Er war breitschultrig, hatte schütteres Haar, einen gepflegten Schnurrbart, harte Gesichtszüge und einen durchdringenden Blick. Seine Stimme war tief, er strahlte große Ruhe aus.
Wer so beschrieben wird, kann eigentlich nur von Sean Connery gespielt werden, und der war dann in der Tat in der Verfilmung ("Die Wiege der Sonne", Regie Philip Kaufman) jener mythische Connor, gegen den Wesley Snipes in der Rolle des Lieutenant Smith sich nur mit Mühe behauptete. Und ich meine mich zu erinnern, dass die Szene, die im Roman auf Connors Beschreibung folgt, im Film, ganz den Gesetzen des Mediums folgend, wesentlich länger ausgespielt wird als im Buch: weil wir hier die erste Begegnung der beiden Hauptfiguren erleben, die Begegnung, die ihre Beziehung zueinander konstituiert. Denn das und nicht so sehr der Mord in der japanischen Firmenzentrale interessiert uns als Leser wirklich: Wie gehen diese beiden miteinander um, was werden wir noch über sie erfahren und wie wird sich ihre Beziehung entwickeln? Zunächst sind die Rollen klar verteilt - einer fragt, der andere antwortet:

  • "Wie lange sind Sie schon Kontakt-Officer?"
    "Seit sechs Monaten."
    "Sprechen Sie Japanisch?"
    "Ein bißchen. Ich lerne es gerade."

Erst sechseinhalb Seiten gelesen und schon sind wir fest bei der Sache, weil Michael Crichton für uns Pete Smith als Identifikationsfigur aufgebaut hat, den Schüler, dem wir uns näher fühlen können als dem charismatischen Meister und Lehrer Connor. Der nämlich erweckt bei Smith - und in uns - schon mit seinen ersten Fragen den düsteren Verdacht, dass bei diesem Fall offenbar nichts gewöhnlich, nichts normal ist. Aber das ist nur ein weiterer kleiner Haken für unsere Neugier, beiläufig und trotzdem zielsicher ausgeworfen. Denn wir sind noch nicht fertig mit der mythischen Überhöhung der Meister-Figur, die Michael Crichton in einem Dialog auf dem Weg zum Tatort konsequent vorantreibt, indem Connor seinem Schüler Anweisungen für das Auftreten gegenüber den Japanern dort gibt:
  • "Mich stellen Sie gar nicht erst vor. Sie erwähnen mich überhaupt nicht. Sie dürfen nicht mal in meine Richtung sehen."
    "Okay."
    "Ich bin ein Niemand. Sie allein haben die Verantwortung."
    "In Ordnung."
    "Es empfiehlt sich, so formell wie möglich aufzutreten. Stehen Sie gerade, und lassen Sie Ihre Anzugjacke immer zugeknöpft! Wenn man sich vor Ihnen verbeugt, verbeugen Sie sich auch, und zwar genauso tief und genauso lange. Ihre Verbeugung muß immer genau die gleiche sein."
    "Okay", sagte ich. (...)
Kaum achteinhalb Seiten gelesen und schon hängen wir vollends am Haken. Michael Crichton hat uns durch die geschickte Rahmenkonstruktion neugierig gemacht, er hat uns die Figur Pete Smith mit ein paar kräftigen Strichen näher gebracht und ihn mit dem wahren Helden der Geschichte konfrontiert. Jetzt wollen wir wissen, wie die beiden miteinander und mit dem Problem umgehen, das sie lösen müssen. Dabei ist vollkommen egal, ob es um die tote Frau in der japanischen Konzernzentrale geht oder um eine gefährliche Mission im Amazons-Dschungel. Auch eine Story aus der Genforschung, in der ein komplexes Problem gelöst werden muss, kann nach diesem Muster angegangen werden.

Versuchen Sie es selbst:
Entwerfen Sie den Anfang einer Story über einen jungen Techniker einer Ölgesellschaft, die auf Bohrplattformen in der Nordsee öl fördert. Machen Sie es wie Michael Crichton: Gestalten Sie einen Rahmen ("Untersuchungsbericht über die Vorfälle auf ..."), führen Sie den Helden kurz ein und lassen Sie ihn einen Anruf bekommen ("He, Joe, es geht um diese Scheiß-Plattform Delta!"). Dann bringen Sie Ihren Helden in Kontakt zu seinem Meister ("Fliegen Sie mit Connor raus! Sie kennen Connor?"). Sie werden sehen, was für ein toller Anfang Ihnen damit gelingt. Auf ganzen achteinhalb Seiten. Und ganz ohne Wetter.

PS: Die Zehn Regeln von Elmore Leonard findet man (in englischer Sprache) auf seiner Homepage

Der Autor: H. P. Karr lebt im Ruhrgebiet und schrieb bisher rund ein Dutzend Romane, knapp 2000 Storys und viele Hörspiele. Er gehört zu den Mitbegründern der Krimiautorengruppe DAS SYNDIKAT und des Bochumer Krimi-Archivs, das alljährlich die Vergabe des DEUTSCHEN KRIMI PREISES organisiert.

Michael Crichton: Nippon Connection
Roman. Droemer Knaur, München 1992
430 Seiten, ISBN 978-3-426-19315-0
Deutsch von Michaela Grabinger
(Der Titel ist vergriffen; gebrauchte Exemplare gibt es u. a. bei Amazon.)

24.10.07

Norbert Horst Todesmuster

Norbert Horst ist eins der vielversprechendsten Talente der aktuellen deutschen Krimiszene. Als Polizist hat er selbst in Mordkommissionen gearbeitet, seine beiden bisher erschienen Romane lesen sich deshalb wie faszinierende Protokolle aus dem Kripoalltag. Bereits für seinen Erstling LEICHENSACHE wurde Norbert Horst ausgezeichnet: er erhielt für den Roman den Glauser-Preis für das beste Debüt des Jahres. Mit seinem zweiten Roman - TODESMUSTER - stieg Norbert Horst dieses Jahr endgültig in den Kreis der deutschen Top-Autoren auf: er wurde im Janaur mit dem DEUTSCHEN KRIMI PREIS 2006 ausgezeichnet.

Erzählt wird auch diesmal die Story - genau wie in LEICHENSACHE auch - wieder von KHK Konstantin Kirchenberg, Ermittler in einer Mordkommission, die eingesetzt wird, weil in einer Höhle in einem aufgegebenen Steinbruch Blut entdeckt wurde - sehr viel Blut. So viel Blut, dass derjenige, der es verloren hat, nicht mehr leben kann.

Der Leser verfolgt die Ermittlungen ganz nah - durch Kirchenbergs Augen, mit seinen Gedanken. Dabei lernt er nicht nur den manchmal ermüdenden, dann wieder plötzlich gefährlichen Dienst in einer Mordkommission kennen, sondern erfährt auch sehr viel von Kirchenbergs Charakter, seinem Privatleben. So etwa, dass der Kommissar keiner Gelegenheit zu einer Affäre aus dem Weg geht. Das muss man als Leser nicht mögen, aber es ist Teil dieses komplexen Charakters, der eine der interessantesten Krimi-Entdeckungen der letzten Monate ist.

Norbert Horst
Todesmuster
Goldmann

7.9.07

Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die Nackenbeißer

Seit er die schöne Fremde gesehen hatte, war Graf Gero von Greiffenclau wie verzaubert. Das Sonnenlicht ließ das blonde Haar wie gesponnene Seide schimmern. Graf Gero hob sein Fernglas an die Augen. Sein Herz pochte...

Keine Sorge, Sie sind immer noch bei mir im Krimi-Archiv und das ist immer noch der Krimi-Tipp und nicht die Rubrik "Herz und Schmerz-Roman".

Sie war so reizend anzusehen, dass Graf Gero regungslos dasaß und den Blick nicht wenden konnte.

Das ist eine Stelle aus einem "Nackenbeißer". Nackenbeißer sind keine Vampirgeschichten, sondern Liebesromane, auf deren Titelbildern sich überaus muskulöse Helden leidenschaftlich über die zarten Heldinnen beugen, so, als wollten sie sie gleich in den Nacken beißen. Wir alle kennen diese Romane - nein, natürlich nicht weil wir sie selber lesen, sondern weil wir sie bei unserer Mutter, unserer Freundin oder der Arbeitskollegin gesehen haben.

Lilo von Berghofen lebt in Bierstadt und sie schreibt mit unermesslichem Erfolg Nackenbeißer in Serie. Für Maria Grappa, Star-Reporterin des Bierstädter Tageblatts, ist sie aber deshalb noch lange nicht die Wunschkandidatin für eine Reportage -

War ich wirklich schon so tief gesunken, Artikel für die bunten Seiten des Bierstädter Tageblatts produzieren zu müssen?

Doch Grappas Chefredakteur Peter Jansen besteht darauf, dass sie die Bestsellerkönigin portraitiert - was sich allerdings als unmöglich erweist, denn Lilo von Berghofen hat in ihrem exzentrischen "Haus Rabenhügel" am Rand der Stadt soeben das Zeitliche gesegnet. Vor Ort ermittelt die Mordkommission - und damit ist die Story schon eher nach Grappas Geschmack.

Ich machte mich an die Arbeit. (...) TOD AUF DEM RABENHÜGEL titelte ich.

Und weil Maria Grappa ihr journalistisches Handwerk versteht, erfährt sie nicht nur schnell, dass die Erfolgsautorin an Rizin starb, ein Gift, das man ziemlich leicht aus der Rizinuspflanze gewinnen kann...

...ein paar Samen in einem Mörser zerstoßen und fertig.

...sondern auch, dass Lilo von Berghofen eigentlich Gerlinde Bomballa hieß und die Jugendliebe ihres Chefs Peter Jansen war. Und als ob das noch nicht genug wäre gibt Jansen zu, dass er sich in der letzten Zeit wieder mit Lilo alias Gerlinde im Haus Rabenhügel getroffen hat. Kein Wunder, dass die Polizei ihn deshalb als Mordverdächtigen behandelt. Doch es kommt noch besser:

Jansen nahm den Becher, die Hand zitterte. "Mich erreichte gerade ein Anruf", berichtete er. "Von einer Anwaltskanzlei. Lilo hat mir ihr ganzes Vermögen hinterlassen. Rund zehn Millionen Euro."
Ich begriff sofort, dass Jansen nun ein dickes Problem hatte.

Gabriella Wollenhaupt gönnt uns keine Atempause - GRAPPA UND DIE NACKENBEISSER ist keine Nackenbeißer-Schmonzette, sondern ein temporeicher Kriminalroman aus dem Journalistenmilieu, ein ironischer Frauen-Zeitung-Regionalkrimi sozusagen. Maria Grappa ist ganz und gar nicht auf den Mund gefallen. Ihr erzählerisches Temperament reißt mit, auch wenn sie diesmal weniger metaphernstark ist als in ihren früheren Romanen. Doch dafür nimmt die Mordgeschichte immer neue Wendungen, immer wieder garniert mit wunderbar knappen Skizzen aus dem Journalisten- und Kleinstadtmilieu im Ruhrgebiet:

Bevor ich zur Redaktion fuhr, stoppte ich vor der Bäckerei.
"Tach auch", sagte ich. (...)
Frau Schmitz hielt die Blöd-Zeitung in der Hand "Oweia", sagte sie unheilvoll.
"So isses. Kann ich mal sehen?"
Sie reichte mir das Blatt.
ZEHN MIO FÜR EINEN MORD? - stand in großen Lettern auf der Titelseite. Auf einem der Fotos war Peter Jansen zu sehen, wie er gerade zu einem Polizeiwagen begleitet wurde. (...)
"Hat der Jansen das getan?", stellte die Bäckerin die Frage aller Fragen.
"Natürlich nicht", antwortete ich im Brustton der Überzeugung.
"Darf er das Geld behalten, wenn er's doch war?"
"Liebe Frau Schmitz", sagte ich leicht angesäuert. "Das war die falsche Frage. Ich werde ihn rausholen und zwar bald!"

Bis sie das schafft, muss Maria Grappa allerdings noch einer Menge widerspenstiger Zeugen auf die Füße treten, sich mit dem Geheimnis von Dürers MELANCOLIA beschäftigen und sich sogar mit einem veritablen Magier herumschlagen, der eine mysteriöse Rolle in Lilo von Berghofens letzten Stunden spielte. Und das alles nur, um darüber im Bierstädter Tageblatt zu berichten? Nein - das alles, um uns mit dieser gekonnt ausbalancierten Mischung aus Ironie und Realismus zu unterhalten, den nur Grappa-Krimis haben.
Autor: Reinhard Jahn

Gabriella Wollenhaupt
Grappa und die Nackenbeißer
Grafit-Verlag

2.9.07

Unknown Identity



Kaum war die Story von den deutschen Autoren, die sich hinter amerikanischen Decknamen verbergen, in der Welt (siehe Marc Van Allen), da entdeckt man bei SPIEGEL online, dass die aktuelle KiWi-Neuerscheinung "Das fünfte Flugzeug" offenbar auch in diese Kiste gehört: Von dem Autor "John S. Cooper" hat man noch nie etwas gelesen, weder hier, noch in den USA, und gleiches gilt für den "Übersetzer" des KiWi-Titel "Sam van Heist".
Das war nun auch nicht soo schwer, wenn man sich ein bisschen in der Branche auskennt und auf der Impressums-Seite des Thrillers weder einen englischen Originaltitel noch einen Original-US-Verlag entdeckt.
SPon-Autor Yassin Musharbash schießt dann auch schnell aus der Hüfte: "Ein schrecklicher Verdacht tut sich auf: Ist "Das fünfte Flugzeug" am Ende gar kein amerikanisches Buch? Wer soll hier warum verwirrt werden? Hat am Ende vielleicht gar ein deutscher Autor ..."
Ja. Klar. Aber wer?
Zuerst einmal - wem traut man zu, sich die straighte Story vom abgewrackten US-Starjournalisten Max Fuller auszudenken, der von einem mysteriösen Informanten hoch brisante Informationen über das Komplott hinter den Anschlägen vom 9.September zugespielt bekommt? Das geht Schlag auf Schlag: konspirative Treffen, Attenate und das Aus für Mike Donovan, den Informanten, der als Pilot des "fünften Flugzeugs" in die Vorfälle von 9/11 verwickelt ist.
Donovans Tod führt Schnüffler Fuller mit Donovans Tochter Liz zusammen, die das brisante Material von ihrem dadyd geerbt hat. Eine Hetzjagd der bösen Mächte auf Fuller und Liz beginnt - filmfertig geschrieben: Tempo, Tempo, Tempo.
Dazwischen werden alle kursierenden 9/11-Verschwörungstheorien hin- und her gewendet bis man am Ende wirklich nicht weiß, was von den angeblich gesicherten Fakten des Anschlages nun wirklich stimmt. Und welche Fragen die Skeptiker zurecht (oder zu Unrecht) stellen.

Eine straighte Sory, ein Held mit einer Vorliebe für Malt-Whisky (Lagavulin), action und filmorientiertes Schreiben - das kennt man so und in dieser Form eigentlich nur von Frank Schätzing - seit seinem "Schwarm" Autor bei KiWi, aber mit "Lautlos" und "Die dunkle Seite" schon als versierter Thriller-Autor ausgewiesen. Wobei er sein "Lautlos"-Plot so geschickt in den G-8-Gipfel von 1999 eingestrickt hat, dass man auch da kaum weiß, wo die Fakten aufhören und die Fiktion anfängt.


24.8.07

Robert B. Parker - Der stille Schüler


Spenser ist zurück, der Privatdetektiv aus Boston, der 1973 seinen ersten Auftritt hatte und einige Zeit von der deutschen Szene verschwunden war. Spenser, dessen Autor Robert B. Parker über die "Schwarze Serie" promoviert hat und der - weil man ihn für den legitimen Nachfolegr von Raymond Chandler hält, vor einige Zeit auch ein Philip Marlowe-Fragment aus dem Nachlass Chandlers komplettiert hate (The Poodle Springs Story).

Bei Spenser sitzt Lily Ellsworth, eine alte, sehr schöne Dame, und sie hat einen Auftrag: Spenser soll beweisen, dass ihr Enkel Jared unschuldig ist.
Was ist passiert? Ein paar Wochen vorher sind zwei Jugendliche, maskiert und bewaffnet mit "vier Neunern" (eine Browning, ein Colt, zwei Glocks) die Hauptschule von Dowling vor den Toren Bostons betreten und haben fünf Schüler und zwei Lehrer erschossen. Die Polizei hat das Gebäude umstellt und mit den Jungen verhandelt, die sich in der Bibliothek verschanzt hatten. Man hat es geschafft, dass einer der Täter - Wendell Grant - aufgab und rauskam. Der andere Täter war verschwunden - aber Wendell nannte seinen Namen: Jared Clark. Der Enkel der alten Dame. Seitdem warten die beiden auf ihren Prozess.
Dass Jared unschuldig sein soll, glaubt seine Großtmutter gegen jede Vernunft: Die Beweise sind klar, Jared hat die Tat zugegeben, schweigt aber seitdem.
Spenser ermittelt wie die guten alten Privatdetektive vom Schlag Marlowes ermitteln. Er geht hin und fragt den und fragt den, er gerät mit der örtlichen Polizei aneinander, lernt verzweifelte oder ignorante Eltern kennen und eine Jugendgang, mit der zumindest einer der Attentäter abgehangen hat.
Aber er je weiter er gräbt, desto erdrückender werden die Beweise für Jareds Schuld. Nur das Motiv für seinen Amoklauf rückt immer weiter weg.

Der Roman ist eine Erleuchtung - nicht wegen des Themas, sondern wegen Parkers Stil. Wegen des klassischen Helden, wegen der eleganten Dialoge, von denen jeder genau auf den Punkt sitzt.

Spenser ist zurück. Ein Klassiker. Und dabei frischer und vitaler als 90 Prozent der aktuellen Krimis.

Robert B. Parker
Der stille Schüler
Pendragon

8.8.07

Birkefeld & Hachmeister:Deutsche Meisterschaft

Ich will ehrlich sein: Nein, der Roman ist bei mir nicht auf der Pole-Position gestartet. Erstens habe ich keinen Führerschein, und zweitens leuchten mir Männer, die auf Motorrädern im Kreis herumfahren, ebensowenig ein wie Erwachsene, die einem Ball hinterherlaufen. Und dann spielt DEUTSCHE MEISTERSCHAFT – nomen est omen! – auch noch im Jahre 1926. Also nicht nur ein Sportroman, sondern auch noch ein historischer Krimi? Ne, lieber nicht.
Wären da nicht die beiden Autoren gewesen, Birkefeld und Hachmeister, dann wäre das Buch auf dem Stapel mit Krimis gelandet, die irgendwann ungelesen in die Regale des Krimi-Archivs wandern. Denn Birkefeld und Hachmeister hatten vor vier Jahren mit ihrem Debüt WER ÜBRIG BLEIBT HAT RECHT nicht nur mich, sondern auch die Jury des Deutschen Krimi Preises nachhaltig beeindruckt, mit einer Kriminalgeschichte, angesiedelt 1944, in den letzten Tagen des Bombenkrieges in Berlin.

Knapp zwanzig Jahre vorher spielt jetzt also DEUTSCHE MEISTERSCHAFT, in München und Berlin und auf den Rennstrecken von Hannover, Karlsruhe, Stuttgart. Das Schlussrennen, die Märkische Herbstfahrt, wird in Werneuchen bei Berlin ausgetragen. Noch nie gehört? Ab jetzt kennt man das Kaff.

Es geht um zwei Fahrer, die gegensätzlicher nicht sein könnten - Falk von Dronte auf seiner VICTORIA, ein junger, national gesinnter Adeliger aus Pommern, der in die Aufstände und Putschversuche geraten ist, mit denen die Nationalen nach Kriegsende gegen den Versailler Vertrag kämpften, und gegen jene, die ihn unterzeichnet hatten, die von ihnen so genannten Novemberverbrecher.
Falks gefährlichster Gegner der Deutschen Meisterschaft im Motorradrennen 1926 ist Arno "Karacho" Lamprecht, Veteran des ersten Weltkriegs, der bei dem zwielichtigen Eckhard Bammel und seinem SAROLEA-Rennstall untergekommen ist, ohne zu wissen, dass Bammel in den Wirren des Nachkriegsjahres 1923 mit seiner Firma FAHR UND KIPP genau für dieselbe vaterländisch-kriminelle Vereinigung schmutzige Fahraufträge erledigt hat, für die Falk von Dronte seinerzeit einen vermeintlichen Verräter brutal exekutiert und am Stadtrand von München verscharrt hat.

Worauf hatte er sich damals nur eingelassen? Damals - als jedes zweite Wort Verrat war! Verrat am Vaterland, Verrat am Volke, Verrat an der nationalen Sache, Waffenverrat, Kameradenverrat, Hochverrat, überall lauerte Verrat, und man lebte in einer verratenen Welt unter den Knebelungen des Schandvertrages, unterschrieben von den elendsten aller Verräter, den Novemberverbrechern. Wer diese Verräter oder ihre Sympathisanten erschoss, handelte in Volksnotwehr, im Namen der aufrechten Feme. Damals hatte sogar die Justiz dafür Verständnis. Aber heute? Konnte man immer noch automatisch mit Milde und Freispruch rechnen?

Jetzt, drei Jahre nach dem Mord, ist die Leiche des Verräters gefunden worden - ohne Kopf. Damit wird Falk von Dronte klar, dass es in der Gruppe von damals einen Erpresser gibt, der sie nun mit dem Mord unter Druck setzen kann. Oder hat möglicherweise ein anderer, ein Serienmörder, etwas mit der Sache zu tun, dessen Opfer - männlich, jung - immer nach einem Rennen zur Deutschen Meisterschaft am Rand der Strecke gefunden werden - ohne Kopf? Ist gar Arno Karacho Lamprecht in die Sache verwickelt - der damals in München unter dem Verdacht stand, seine Verlobte Vera enthauptet zu haben?

Politik, Motorradsport und Mord vor dem Hintergrund deutscher Geschichte, das ist das Konzept der beiden studierten Historiker Richard Birkefeld und Göran Hachmeister. Die beiden erzählen ihre Geschichte mit Liebe zum Detail, ohne dabei detailverliebt zu werden und ihre Figuren aus dem Blick zu verlieren:
# Falk von Dronte, das ein bisschen zu naive Milchgesicht, das den Einflüsterungen der nationalen Scharfmacher erlegen ist;
# Arno Lamprecht, der halt- und heimatlose Kriegsveteran, der keine Ahnung hat, was der Chef seines Rennstalles noch so treibt,
und zwischen beiden Männern die kapriziöse Thea von Bock, Society-Girl und - heute würde man sagen: Boxenluder im Rennsportgeschäft. Eine Frau, die seidene Dessous trägt und Matrosenanzüge, und die sich den Teufel um die Politik schert, solange sie genug Kokain und Champagner hat, um das Leben zu genießen.

"Fahren Sie denn auch Motorrad, Thea?"
"Rasend gern", sie lächelte leicht, "Aber es ist nicht nur das Fahren, das reine Fortbewegen von A nach B, das mich so fasziniert."
"Sondern?" Er wollte schnell wieder in ruhigere Gewässer.
"Es ist das Hingeben, Arno", ihr Kopf neigte sich leicht zur Seite, und ihre Augen schienen sich zu verklären, "verstehen Sie, dieses Sichverlierenkönnen in der Geschwindigkeit einerseits und andererseits dieses Wache, dieses Angespannte, das einen diese raffinierte Technik beherrschen lässt!".

Genauso bin auch ich als sport-hassender Krimi-Archivar von diesem Buch verführt worden - man kann sich regelrecht fallen lassen in die erhitzte Atmosphäre von Motorradrennzirkus und Weimarer Republik – und in die solide gebaute Kriminalstory. Hier fügen sich Politik, Geschichte, Motorradrennen und Mord zu einem spannenden historischen Krimi, der – eine reife Leistung! - sozusagen aus der zweiten Reihe heraus einen überlegenen Sieg herausfährt.
Autor: Reinhard Jahn

Birkefeld & Hachmeister:
Deutsche Meisterschaft
Eichborn Verlag

5.8.07

John Katzenbach: Die Anstalt

Francis Petrel sitzt in einer Anstalt. Er hat ein paar Probleme mit seinen Eltern gehabt - genaues erfährt man nicht - und die haben dazu geführt, dass er jetzt in Amherst sitzt. Zusammen mit Napoelon, dem genialen Schlachtenlenker, zusammen mit Cleo Cleopatra, der Herrscherin Ägyptens und begnadeten Tischtennisspielerin, zusammen mit dem NEWSMAN, der jeden Tag die Zeitung auswendig lernt.

Wie alle in der Anstalt hat Francis Petrel schon bald einen Spitznamen. Er ist C-Bird, genau wie sein neu gewonnener Freund Peter einfach Peter the Firemann - Peter der Feuerwehrmann - ist. Weil er in seinem früheren Leben wirklich Feuerwehrmann war, ehe er höchstpersönlich eine Kirche samt Priester niedergebrannt hat.

Und dann gibt es noch das Personal in Amherst: Dr. Evans, den man Dr. Evil nennt, den indischen Dr. Guptili, der zu Dr. Gulp-a-pill - Doktor Nimm-eine-Pille- wird. Die Brüder Moses, die Stationspfleger, sind einfach Big Black und Little Black - und die Hilfsschwester heißt kurz und einfach Short Blond.
Alles könnte seinen geregelten, medikamentös sedierten Gang gehen in der Station in unserem kleinen Irrenhaus am Rande der Satdt, wenn nicht plötzlich ein irrsinniger Killer zuschlagen würde: Short Blond, die Hilfsschwester liegt eines Morgens brutel ermordet in einer Abstellkammer.

Keine schöne Sache, vor allem für die Anstaltsleitung nicht. Sie ist nur zu gern bereit, der Polizei zu glauben, die den zurückgebliebenen Irren Lanky aufgrund der Indizien verhaftet, um ihm den Mord anzuhängen.
Für Peter the Fireman und Francis C-Bird stellt sich die Sache aber ganz anders dar, ebenso wie für Lucy Jones, eine Staatsanwältin, die die Ermittlungen halboffiziell an sich zieht und sich in der Anstalt einquartiert. Denn die Art und Weise, wie Short Blond umgebracht wurde, erinnert Lucy an zwei weitere Mordfälle an kurzhaarigen jungen Frauen in den letzten zehn Jahren. Was wäre - so ihre Hypothese - wenn der Täter, ein hochgefährlicher Serienkiller - jetzt in der Anstalt sitzt und dort sein Unwesen zu treiben begonnen hat?
In Francis C-Bird und Peter the Fireman findet Lucy Mitermittler, die ihr helfen wollen, dem Killer das Handwerk zu legen.

Aber sollten wir bei der ganzen Geschichte nicht auch darauf achten, dass sie für uns Leser von Francis C-Bird erzählt und aufgeschrieben wird? Von Francis, der Stimmen hört? Der sicher nicht umsonst in der Anstalt sitzt. Kann es vielleicht sein, dass wir hier ganz geschickt - und im wahrsten Sinn des Wortes - in die Irre geführt werden?

Traue niemand. In der Anstalt ist der Wahnsinn normal. Ein mörderisches Verwirrspiel um Normalität und Irrsinn.

John Katzenbach
Die Anstalt
Knaur

Tannöd und die Klone


Erst Krimiwelt-Bestenliste, dann Deutscher Krimipreis, schließlich Spiegel-Bestseller-Liste und so weiter und so fort - Tannöd von Andrea Maria Schenkel hat seinen Weg gemacht. Ein ungewöhnliches Buch, eine ungewöhnliche Erzählung in der deutschen Krimilandschaft, in der sich sonst nur die heiteren und cleveren Kommissarsteams (gern auch M/F) die Klappentexte in die Hand geben.

Und schon gibt es, kaum ein ein Jahr nachdem Tannöd erschienen ist, die ersten Klone, die meinen, die Erfolgsformel in Schenkels Nachkriegs-Provinzkrimi gefunden zu haben und glauben, sie reproduzieren zu können.

Etwa mit Gottes Mühlen von Lilo Beil. Schon im März erschienen und vorsichtshalber noch als "Südpfalz-Krimi" gelabelt, für den Fall, dass noch jemand auf der Regionalkrimi-Welle schwimmt.
Die Zeit: 1957, der Schauplatz: ein pfälzisches Örtchen namens Pfaffenbronn, "die Stimmung im Dorf braut sich zusammen. Des Mordes verdächtigt wird der Außenseiter Otto Straub..."

Ebenfalls in die Provinz und in die Vergangenheit geht es mit Rainer Groß in Grafeneck:
Tannöd heißt hier Buttenhausen und liegt in der Schwäbischen alb, und die Geschichte des Verbrechens geht zurück ins Dritte Reich.

Unterdessen haben Andrea Maria Schenkel und ihr Verlag das einzig richtige getan, was man nach einem Erfolg wie Tannöd tun konnte: Mit Kalteis wird ein eigener Tannöd-Klon geschaffen (sozusagen die Original-Nachahmung). Schauplatz und Zeit (München, 30er Jahre) gerade weit genug vom Tannöd entfernt, damit die Kopie halbwegs wie neu wirkt. Aufmachung und Umfang nahezu identisch und Stil und Dramaturgie ganz nach dem Tannöd-Modell: Zeugenaussagen. Atmophärische Skizzen. Erinnertes Protokoll. Erlebte Rede. (Und die Hörbuchfasung wieder gelesen von Monica Bleibtreu).

Kein Wunder, dass die Orginal-Nachahmung schon bei Erscheinen wieder ihren Platz auf der Bestseller-Liste hat.

8.7.07

Under cover


Da hat Krimi-Autor Harry Luck an seinem Arbeitsplatz entdeckt (oder wurde es ihm entdeckt?), dass ein aktueller Knaur-Titel "Zärtlich küsst der Tod" gar nicht von der aufgedruckten amerikanischen Autorin "Tamara Kelly" stammt.

Deutsche Krimischreiber haben es zuweilen schwer auf dem deutschen Markt. Das weiß auch der Knaur-Verlag und schickt eine amerikanische Phantom-Autorin ins Rennen um die besten Plätze in den Bestsellerlisten.
Beatrix Mannel ist Tamara Kelly
Sie war Psychotherapeutin und lebt mit zwei Katzen und einer Schildkröte in Kalifornien: Tamara Kelly ist Bestsellerautorin, und ihr Roman „Fatal Velvet" ist unter dem Titel „Zärtlich küsst der Tod" jetzt auch auf Deutsch erschienen. Allerdings: Das Buch ist nicht in Kalifornien entstanden, sondern im Münchner Westend. Geschrieben hat es die Autorin Beatrix Mannel, die auch weder Katze noch Schildkröte besitzt. Ein großer Betrug?
Im weiteren Verlauf der Story geht es darum, dass Beatrix Mannel sich gemeinsam mit dem Verlag ein US-alter-ego geschaffen hat (samt US-"Originaltitel" des Buches, samt gefälschtem Original-"US-Verlag") um den Lesern (hier eher: den Leserinnen) eine Übersetzung aus dem Amerikanischen zu suggerieren.

Das erinnert an die guten alten SF-Zeiten, als es etwa hieß, dass man in Deutschland nur SF von US-Autoren kaufen würde. Da hat Walter Ernsting einfach "Clark Darlton" erfunden und trat als "Übersetzer" der Darlton-Romane auf.
Später war sein "Darlton"-Pseudonym dann so eingeführt, dass Ernsting es weiter verwendete - unter anderem um mit Hanns Kneifel die "Perry Rhodan"-Reihe zu erfinden.

Auch Werner Gronwald (Herausgeber bei Heyne in den Sechzigern") hat in seiner Zeit davor als "Übersetzer" der Amerikaner "Ben Warren" und "Ken Barren" deren Western ins "Deutsche übertragen"

Die Reihe lässt sich noch weiter in die Vergangenheit zurückführen, unter anderem zu Robert Grün, der in den zwanzigern und dreißigern als "Übersetzer" die Werke der Amerikanerinnen "Florence Palfrey" und "Margery Glasgow" betreute und sich auch nicht scheute, als der amerikanische Starautor ("ausgezeichnet von den Lesern der Saturday Evening Post") John D. Carr aufzutreten, um dadurch mit dem (echten) Starautor John Dickson Carr verwexelt zu werden. (Was ihm gelungen ist - teilweise werden die Carr-Werke von Grün noch heute in Bibliographien zu dem Dickson-Carrs gezählt)

Und um den Bogen wieder in die Gegenwart zurückzufinden:
Auf den Kauf-mich!-Tischen der Buchhandlungen liegt gerade jetzt:

INVISIBILIS
von Marc Van Allen
Ullstein Taschenbuch

Ullstein erzählt über die Vita von Marc Van Allen etwas von "Geheimdienstvergangenheit" etc und sagt Zitat: Marc Van Allen ist DER neue Name für spannende Unterhaltung. Dahinter steckt ein Autor, dessen Auflagen in die Millionen gehen, der in seinen Romanen die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verwischt und damit seine Leser begeistert.

Schaut man genau hin, treiben die Ullsteiner den Bluff mit Marc Van Allen nicht so weit wie die Knaurs den ihren mit "Tamara Kelly".
INVISIBILIS sagt im Impressum zwar (C) by Mac Van Allen,
aber dann klein darunter:
Lektorat: Peter Thannisch/Horst Friedrichs

Weiß man jetzt noch, dass Thannisch der Jerry Cotton Lektor (resp: Redakteur) im Hause Bastei ist und Horst Friedrichs selbst langjähriger "Jerry" ist und dazu Experte für Filmromane, liegen die nächsten Vermutungen ja wohl nahe, oder?

2.7.07

Henner Kotte: Abriss Leipzig



Der Tote ist 17 und heißt Steven Bärnstorff, die Eltern heißen Maik-Elias und Solveig, man feiert die Jugendweihe, die ermittelnden Kommissare sind von der "Mord Zwo" und sie heißen Lars Kohlund, Agnes Schabowski, Grischa Mergenthin und Thorst Schmitt. Das ist für den Krimi-Kenner eine klare Indizienlage: Die Geschichte spielt im Osten, in der ehemaligen DDR, in den neuen Bundesländern.

Der Schauplatz: Leipzig, die Zeit: heute, irgendwann 15 Jahre nach der Wiedervereinigung. Das Thema, programmatisch schon im Titel von Henner Kottes Roman, der der erste einer neuen Serie ist: ABRISS LEIPZIG.

Steven Bärnstorff, 17, unauffällig, wird nach einem HipHop-Konzert im Haus Auensee erstochen - in einer Gegend, die bei der Kripo als Schwulen-Strich bekannt ist. Die "Mord Zwo" unter Leitung von Kommissar Lars Kohlund beginnt mit den Ermittlungen...


Schmächtig lag Steven auf Silbermetall. Hüftknochen, Rippen sah Kohlund, den Ansatz einer Trichterbrust. Brustwarze links ein Piercing. Oberer Bauch rechts neben den Rippen die Wunde übersehbar, ein Kratzer vielleicht. Das Schamhaar rasiert. Seine Genitale kaum männlich, Hoden klein.

Kohlund war jedes Mal fasziniert, wenn ein Mensch zum Material mutierte, bar jeder Regung. Nur Körper, Masse, Gegenstand. Dr. Jaenicke sägte vom Brustbein aufwärts. (...) Die Haut des Knaben klaffte, gab das Innere frei. Der Geruch frischen Fleisches. Blut sickerte, floss, sammelte sich, rann in die dafür vorgesehene Kanalisation und hinterließ auf dem Metall rötliche Rinnsale und Tropfen.

Steven, ein ganz normaler Junge mit Clique und Freundin. das Bild bekommt schnell die ersten Brüche.

Steven hat sich am Schwulenstrich zwischen Schularbeiten und Abhängen mit den Kumpels schnell nebenbei ein paar Euro verdient. Die Eltern: entsetzt. Seine Kumpel aus der Clique cool: Na und?

Und seine Freundin Beatrix scheinbar ganz pragmatisch: Es ging doch nur um Geld, geliebt hat er nur mich.

Lars Kohlund fehlte die Strategie im Fall Bärnstorff. Augenscheinlich: zu wenig fassbares Geschehen und die Motive. Augenscheinlich: Konfliktpotential zwischen Eltern und Freunden und Sozialpersonal nicht außerhalb des Normalen. Gab es Menschen, die Gigolos mordeten?

Scharfsichtig seziert Henner Kotte das Leben und das Sterben im Abrissgebiet Leipzig.

Die Stadt: an Architektur alles abgerissen, was keinen Investor mehr gefunden hat. Oder Leerstand, wo keine Mieter mehr zu finden sind. Die Menschen: abgerissen von ihrer Vergangenheit als DDR-Bürger, abgerissen von der Zeit, als das Leben noch hübsch reglementiert war.

Abgerissen auch die Jugendlichen aus der Clique rund um Steven Bärnstorff, 17. Aufgewachsen in der identitätslosen Zeit von Nicht-mehr DDR und noch nicht Deutschland.

Da wird die Region des Regionalkrimis zum No-Go-Area, in dem sich Kommissar Kohlund und seine Kollegen nur mit Mühe zurechtfinden: Ging es bei Steven Bärnstorff nur um Raub, oder war es eine Familientragödie? Oder ist vielleicht doch ein Rosa Ripper auf dem Schwulenstrich rund um die Mensa der Universität unterwegs?

Angeheizt wird das alles durch einen weiteren Überfall auf einen Jungen ausgerechnet aus der Clique, mit der Kommissar Kohlunds Sohn sich herumtreibt. Damit sind die Ermittlungen des Kommissars endgültig in der eigenen Familie angekommen und Kohlund steht vor der Frage, ob er seinen Sohn nur als Zeugen oder auch als Verdächtigen verhören soll.

Derweil schlagzeilt die Lokalpresse hemmungslos mit ihren Spekulationen über Stevens Tod. Steckt nicht doch ein Rosa Ripper hinter den Taten? So ein ordentlicher Serienmörder interessiert natürlich auch die überregionalen Medien. Damit stehen Kohlund und seine Leute am Ende auch noch unter bundesweit unter Beschuss: Abriss Leipzig auf allen Ebenen.

Ein Regionalkrimi kann eben doch etwas anderes sein als heimattümelnde Krimi-Unterhaltung, das ist das Fazit, wenn man ABRISS LEIPZIG gelesen hat. Er kann ein richtig guter Krimi sein, weil er uns etwas über das Leben und die Menschen erzählt: offen, ehrlich, in einer Sprache, die die Widersprüche der Figuren und ihrer Geschichten nicht verleugnet, sondern sie auf den Punkt bringt.

Reinhard Jahn


Henner Kotte
Abriss Leipzig
Festa-Verlag

Der Autor im Internet:
http://henner-kotte.de/

1.7.07

Gänsehaut

Die neuen Gänsehaut-Rezensionen aus dem Mords-Studio von WDR5 sind soeben online gegangen. Jeweils als Text zu lesen und als Radiobeitrag zu hören:

Annette Berr: Die Stille nach dem Mord
Radiobeitrag als mp3

Karin Slaughter: Gottlos
Radiobeitrag als mp3

James Crumley: Land der Lügen
Radiobeitrag als mp3

Jürgen Benvenuti: Big Deal
Radiobeitrag als mp3

29.6.07

Jaeger, Henry


Henry Jaeger, geb 29-06-1927 in Frankfurt, Sohn eines Kupferschmieds, besuchte Volksschule und höhere Schule und wurde dort wegen "Aufsässigkeit" relegiert. Mit 15 wurde er zum Flakdienst eingezogen und als Fallschirmjäger eingesetzt. Nach Militärzeit und Kriegsgefangenschaft besuchte er Abendschulen, arbeitete tagsüber als Laborant und faßte den Entschluß, Arzt zu werden. Die Umstände aber verhinderten es - Jaeger rutschte in die Kriminalität ab.
Nach einer Serie von Raubüberfällen, die er mit anderen beging, wurde er 1955 verhaftet und 1956 zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Freiburger Gefängnispfarrer erwirkte für ihn eine Schreiberlaubnis und betraute ihn mit der redaktionellen Leitung der Gefangenenzeitung.
Noch während seiner Haftzeit schrieb und veröffentlichte Jaeger seinen ersten Roman DIE FESTUNG, der auch von der literarischen Kritik der frühen sechziger Jahre ernsthaft aufgenommen wurde.
1963 wurde Jaeger schließlich durch einen Gnadenerlaß aus der Haft entlassen und arbietete während seiner Bewährungszeit als Volontär bei der "Frankfurter Rundschau".

In den nächsten Jahren schrieb er eine Reihe weiterer zeitkritischer Romane, die jedoch niemals wieder die gleiche positive Resonanz bei der Kritik erzielten wie sein Erstling. Zunehmend registrierte man in Jaegers Werk thematische und stilistische Stagnation und ein Abgleiten in triviale und populäre Muster.

Neben seinen Romanen veröffentlichte Jaeger, der mittlerweile im schweizerischen Ascona lebte, auch eine Reihe von Kurzkrimi-Sammlungen, deren einzelne Geschichten in den folgenden Jahren unter wechselnden Pseudonymen immer wieder in Publikumszeitschriften nachgedruckt wurden.

Henry Jaegers Stärken waren die genauen Beobachtungen im Gauner- und Ganovenmilieu, seine häufig in Rollenprosa gestalteten Texte spiegelten sein gutes sprachliches Einfühlungsvermögen in diese Gruppe wieder. Auch in seinen durchweg einfach gebauten Kriminalstorys ließ Jaeger sich nicht auf die für dieses Genre typische Denunzierung seiner kriminellen Hauptfiguren sein, sondern erzählte auch hier meist humoristisch.

Henry Jager starb 2000 in Ascona.
Über Henry Jaeger:

1999 Ein Gangster schreibt sich frei (Feature, HR-Fernsehen, 45 Min) (Autor: Dietrich Wagner, Redaktion: Esther Shapiro) EA 14.4.1999 ARD



KRIMINALROMANE / THRILLER:
1962 Die Festung, Desch Verlag OA HC
1963 Rebellion der Verlorenen, Desch Verlag, OA HC
1964 Die bestrafte Zeit, Desch Verlag, OA HC
1966 Das Freudenhaus, Rütten&Loening, OA HC (Heyne 5013)
1969 Der Club, Droemer OA HC (Droemer Knaur 259)
1970 Der Drehorgelmann (Erzählung) Arche Verlag OA HC
1971 Die Schwestern, Merlin Verlag, OA HA (Heyne 5042)
1975 Nachruf auf ein Dutzend Gauner, C. Bertelsmann, OA HC
1978 Unter Anklage (Heyne 5359) OA)
1978 (m Elke Jaeger) Moses schießt ein Eigentor(Storys)(Heyne 5465)
1982 Amoklauf, Droemer OA HC
1983 Auch Mörder haben kleine Schwächen (Storys) (Knaur 1039)OA
1987 Der Nachtportier oder Die Rache des Stellvertreters (Stories) Niddatal: BrennGlas-Verl.
1995 Schnee - München: Herbig, OA HC


FERNSEHEN:
1962 Rebellion der Verlorenen (dreiteiliger Fernsehfilm, SDR) (Drehbuch: Wolfgang Menge nach dem gleichnamigen Roman von Henry Jaeger, Regie: Fritz Umgelter) EA: ARD 30.10.1969

1967 Zuchthaus ( mögl. auch: Die bestrafte Zeit) (Fernsehfilm, NDR,) (Drehbuch: Claus Hubalek, nach dem Roman "Die bestrafte Zeit" von Henry Jaeger, Regie: Rolf Hädrich)

1983 Hellseher wider Willen (Vierteiliger Fernsehfilm, Bavaria für WWF, je 46 Min) (Drehbuch: Walter Weber, Wilfried Schröder, Hartmut Grund nach dem gleichnamigen Roman von Henry Jaeger, Regie: Peter Weck)

1995 Tot auf Halde (Fernsehfilm, 90 Min, ZDF) (Drehbuch: Frank Göhre nach "Glückauf Kumpel oder Der große Beschiß" von Henry Jaeger, Regie: Theodor Kotulla) EA 23.1.1995



FILM: Verfilmungen
1964 Verdammt zur Sünde (TV-Titel: Die Festung) (Regie: Alfred Weidenmann, Drehbuch: Eberhard Kleindorff, Johanna Sibelius nach dem Roman "Die Festung" von Henry Jaeger) Mit Martin Held und Hildegard Knef

1970 Das Freudenhaus (Regie: Alfred Weidenmann, Drehbuch: Alfred Weidenmann nach einem Roman von Jaeger) Mit Karin Jacobsen

1973 ...aber Jonny (Deutschalnd, 96 Min) (Drehbuch: Alfred Weidenmann und Henry Jaeger, Regie: Alfred Weidenmann) KINO EA 2.5.1973


Am Samstag dem 30. Juni...


...werden sich gegen 20 Uhr wieder vier Gestalten diskret im Sendekomplex WDR5 zusammenfinden um die Krimi-Fans in Nordrhein-Westfalen mit mörderischen neuen Tipps über lesenswerte Neuerscheinungen versorgen.

Die Mordsberatung in WDR 5 ist ein - Achtung Fachbgeriff: call-in-show. Was soviel heißt wie: Man kann im Studio anrufen (oder sich per mail beteiligen), wenn man entweder einen Krimi-Tipp bekommen möchte oder vonn man selbst einen Krimi-Tipp loswerden möchte.

Im Studio werden die drei Krimi-Experten Manfred Sarrazin, Ingrid Müller-Münch und Reinhard Jahn beaufsichtigt von Moderator Thomas Hackenberg, der seit der ersten Sendung mit von der Partie ist. Hinter der Scheibe zur Regie wacht Redakteurin Pretra Brandl darüber, dass alle den richtigen Ton treffen und sortiert die Anrufer vor, die in die Sendung gestellt werden.

16.6.07

Marek Krajewski: Der Kalenderblattmörder

Breslau 1927. Breslau ist zu dieser Zeit noch eine deutsche Stadt. In dem Haus "Zu den zwei Greifen" hat ein Handwerker gerade seine Werkstatt eingerichtet und ist sehr irritiert über den seltsamen Geruch, der ihm aus einer bestimmten Wand entegegenschlägt - bis es ihm zuviel wird und er die Mauer aufbricht. In dem Hohlraum dahinter: Eine Toter, ein Mann, offenbar bei lebendigem Leib eingemauert und vorher so gefesselt, dass er sich selbst mit abnehmender Kraft selbst strangulierte. Ein grauenhafter Mordfall, ein Fall für Kriminalrat Eberhard Mock von der Polizei in Breslau.

Mock ist ein Mann mit viele, vielen Ecken und Kanten. Herrisch und liebevoll zugleich gegen seiner Frau Sophie. Voller Sehnsucht nach ihrer Liebe und einem Kind mit ihr. Eifersüchtig bis zur Unbeherrschtheit, so dass er seine Polizisten lieber seine Frau beschatten lässt, statt sie bei der Suche nach dem Mörder einzusetzen, der schon ein zweites Mal zugeschlagen hat: ein arbeitsloser Musiker ist in seinem Zimmer geradezu abgeschlachtet worden.
Und wieder war bei dem Toten - genau wie bei der eingemauerten Leiche - ein Kalenderblatt zu finden, mit einem Datum, das ganz offenbar das Datum der Mordtat ist.
Mock ermittelt weiter, ist schon bald geradezu besessen von der Jagd nach diesem Täter, den wir heute einen Serienkiller nennen würden - aber zugleich gerät Mocks Privatleben immer mehr aus der Bahn: Sein Neffe ist einer obskuren Malerin verfallen, seine Frau betrügt ihn, verlässt ihn, gerät in die Fänge eines charismatischen Tunichtguts aus dem Filmgeschäft und wird von ihm als Einsatz beim Roulette im Spielcasino in Wiesbaden gesetzt...

Das Szenarium aus Besessenheit und Korruption, Lust und Laster, das Marek Krajewksi entwirft, ist faszinierend und abstoßend zugleich in seiner eindringlichen Schilderung, und sein Kriminalrat Eberhard Mock ist sicher der schillerndste Ermittler der letzten Jahre: Egozentrisch, verfressen, dem Alkohol mehr als zugeneigt, unbeherrscht und sentimental, ein Polizist, der ganz bestimmt keinen Krimi-Fan unberührt lässt.

Krajewski, Marek
Der Kalenderblattmörder
dtv premium im Großformat

26.3.07

Annamaria Fassio: Fahrt in den Tod

Ein maskierter Mörder verbreitet auf der Zuglinie Turin - Genua Angst und Schrecken. Erica Fanzio hat nur eine Spur: der kleine Michelino.

Erica - die Studentin aus "Tödliches Wissen" ist jetzt Polizistin und wird in ein geschicktes Verwirrspiel hineingezogen, das der Killer für sie entwickelt hat.

Annamaria Fassio hat lange Zeit in Turin gelebt. Seit zehn Jahren unterrichtet sie in ihrer Geburtsstadt Genua und hat bereits zahlreiche Märchenbücher geschrieben und lange als freie Journalistin gearbeitet. Für Tödliches Wissen, ihren ersten Roman, ist Annamaria Fassio mit dem Premio Tedeschi ausgezeichnet worden.

Annamaria Fassio
Fahrt in den Tod
List

2.2.07

Markus C. Schulte von Drach: Furor

Ein Mann hetzt durch die Gänge eines Hirnforschungs-Institutes in München. Es ist Christian Raabe, anerkannter Gehirnforscher und Entdecker sogenannten Rabbe'schen Kanals.
Raabe hat mich drei Minuten zu leben.

Zeit genug, um einen letzten Anruf zu machen: auf der Mailbox seines Sohnes Sebastian hinterlässt er seine letzte Bitte, sein Vermächtnis, sozusagen. Sebastian soll einige Dateien auf der Festplatte von Raabes Instituts-Computer löschen.
Und dann stirbt Raabe - zerquetscht von Fahrstuhl des Institutes.

Schnitt. Sebastian Raabe ist geschockt vom Tod seines Vaters - zu dem das Verhältnis nicht ganz ungebrochen war. Schließlich studiert Sebastian im selben Institut, ist im selben Forschungszweig engagiert: Neurobiologie. Ein Fach, in dem sein Vater - und hier spielt ein wenig Science Fiction in den Thriller - bahnbrechendes geleistet hat: ihm und seinen Kollegen ist es gelungen, die Erinnerungen Verstorbener quasi aus dem Gehirn auszulesen und auf Datenträgern zu speichern. Von denen sie dann über eine Apparatur im Bewusstsein eines anderen wieder "abgespielt" werden können.

Welchen Preis sein Vater allerdings für diese Entdeckung gezahlt hat, weiß Sebastian noch längst nicht - er weiß auch nicht, dass zur gleichen Zeit ein Untersuchungsausschuss des Bundestages die Hintergründe eines Massakers zu ermitteln versucht, das Bundeswehrsoldaten auf einem Friedenseinsatz in Afrika angerichtet habne.

Für Sebastian beginnt erst einmal eine komplizierte und hochintelligente Tüftelei nach dem Passwort, mit dem sein Vater den Computer gesichert hat, auf dem sie sensiblen Daten lagern. Und je näher Sebastian und seine Freunde der Lösung des Rätsels kommen, desto klarer sehen sie, dass Christian Raabes Tod keineswegs der Selbstmord gewesen ist, als der er hingestellt wurde. Und dass seine Entdeckung offenbar in den Händen von Militärs bereits schrecklichen Schaden angerichtet hat.

Ein Wissenschafts- und Action-Thriller, sehr zügig und flott erzählt, keineswegs zu ausladend wie Frank Schätzings SCHWARM, sondern eher auf den Spuren von Michael Crichton, mit einem kleinen Schuss Dan Brown.

Markus C. Schulte von Drach: Furor
Deutscher Taschenbuch Verlag

1.2.07

Lena Blaudez: Spiegelreflex

Ada Simon ist Fotoreporterin, Afrikaspezialistin und nicht zum ersten mal in Benin. Benin in Westafrika, ein Entwicklungsland, das nicht unbedingt wegen Stammesmassakern oder eines korrupten Regimes in den Schlagzeilen der Weltpresse auftaucht.

Ada Simon kennt Benin von früheren Reportage-Aufträgen, wie jeder gute Reporter hat sie eine Menge Kontakte vor Ort - zu den Vertretern der Regierung, zu Botschaften und Firmen, die in Benin arbeiten. Und zur lokalen Opposition. Darunter ihre Freund Paul. Als sie ihn in einer Kneipe trifft, tauchen zwei, drei Männer auf und erschießen ihn. Vor dem Objektiv ihrer Kamera, sozusagen, wie Ada erst hinterher realisiert. Sie hat reflexartig während der Tat ein paar Bilder geschossen.

Reporterglück oder ein tödlicher Fehler? Man macht Ada schnell klar, dass man die Bilder haben möchte. Den Film, die Negative. Die beweise. Ein Fotolabor explodiert. Ada hat seltsame Begleiter bei ihrer Reportagereise ins Innere des Landes und sie beginnt zu ahnen, dass der Mord an ihrem Freund Patrick etwas mit den Schürfrechten im Inneren des Landes und dem korrupten Kampf um EU-Entwicklungshilfe-Kredite zu tun hat.

Und dann erfährt Ada Simon, wie
ein Chamäleon,
drei Kolibrifedern,
ein schwarzes Huhn,
zwei Flaschen Gin und
sieben Zitronen
helfen können, die ganze Affäre aufzuklären. das sind nämlich die Dinge, die ein Voodoo-Priester von ihr verlangt, um ihr einen Ratschlag zu geben, was sie tun soll, um dem Komplott zu entkommen.

Die Kriminalgeschichte ist im Grunde genommen eine klassische: die vom Helden, der zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen ist. Aber man sollte das Buch auch mehr als einen Afrika-Roman lesen, von einer Autorin, die lange Zeit selbst als Entwicklungshelferin vor Ort, darunter auch in Benin, gelebt hat: farbenprall und süffig geschrieben in der Schilderung des lokalen Lebens. Leicht distanziert, aber ohne erhobenen Zeigefinger erzählt, wenn es um die Aktivitäten der amerikanischen und europäischen Konzerne in Afrika geht.

Lena Blaudez:
Spiegelreflex
Unionsverlag

26.1.07

Barry Eisler: Tokio Killer

John Rain ist Killer in Tokio. Halnb Japaner, Halb Amerikaner, Vietnam-Veteran, Judoka, Wanderer zwischen den Welten und in Tojio hängengeblieben. Wer seine Auftraggeber sind, interessiert ihn nur am Rande: die CIA mitunter, japanischen Politikern, der Yakuza, aber manchmal auch der Polizei. Eine Figur, wie sie an Jeff Costello erinnert, den "Eiskalten Engel", den Alain Delon in JP Melvilles Film darstellte.


John ist Spezialist für natürliche Tode - so wie er ihn einem Ministerialbeamten zukommen lässt Er inszeniert einfach einen Herzanfall für den Unglücklichen, indem er dessen Herzschrittmacher von außen manipuliert.
Das ist etwas, bei dem man, wenn es tatsächlich wie beschrieben möglich ist, hinzufügen sollte: Bitte nicht nachmachen.

Rain ist nicht bewusst, das er sich mit diesem Auftrag, den er wie gewöhnlich von seinem "Agenten", einem zwielichtigen Vermittler von solchen Geschäften, erhalten hat, in enorme Schwierigkeiten bringt. Wie alle guten Killer hat John Rain eine Schwäche für JAZZ, und seine Schwierigkeiten beginnen ganz unerwartet, als er sich in einem Jazzlokal in Modiri verliebt, eine Jazz-Pianistin, die ihn fasziniert. Leider Gottes aber auch die Tochter seines letzten Opfers.

Und dann spitzt sich die Situation zu, als John Rain von seinem Agenten der Auftrag bekommt, Modiri umzubringen. Was nicht nur einem seiner wichtigsten Geschäftsprinzipien wiederspricht: Keine Frauen, keine Kinder. Sondern auch seinem Herzen... Und so kommt es, dass er die Seiten wechselt.

Der zweite Band Tokio Killer - die Rache erzählt, wie es mit John Rain weitergeht.

Barry Eisler
Tokio Killer
Knaur